Robin Williams mit seiner Ehefrau Susan Schneider

© AP/Charles Sykes

Wissen und Gesundheit
11/04/2015

Robin Williams: Was ist die Lewy-Körperchen-Demenz?

Bis zu 15 Prozent aller Demenzpatienten haben jene Form, an der auch Robin Williams litt.

„Er hatte mit schweren Depressionen zu kämpfen“ – das war im August 2014 einer der Erklärungsversuche für den Suizid des Schauspielers Robin Williams. Doch jetzt sagte seine Witwe Susan Schneider in Interviews für das People magazine und ABC News: „Es war nicht die Depression, die Robin getötet hat. Depression war eines von rund 50 Symptomen – und es war ein kleines.“ Wie jetzt bekannt wurde, litt Williams unter anderem auch an der Lewy-Körperchen-Demenz (LBD). Das sagte seine Witwe Susan Schneider in Interviews.

„Diese Form einer Demenz steht im Schatten von Alzheimer, wird häufig erst spät erkannt und am Anfang auch oft mit Parkinson verwechselt“, so der Neurologe Prim. Andreas Winkler, ärztlicher Leiter der Klinik Pirawarth, NÖ, die auf neurologische Erkrankungen spezialisiert ist. „Sie ist unter- und auch fehldiagnostiziert.“ "Das Wichtigste ist, an an diese spezielle Form der Demenz zu denken", so auch die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft. Noch immer würden trotz typischer Symptome wie der optischen Halluzinationen viele Fälle nicht erkannt und fälschlicherweise z.B. als Alzheimer-Demenz diagnostiziert.

Halluzinationen

Im Gegensatz zu Alzheimer beginnt sie nicht Gedächtnisstörungen, sondern mit Wahrnehmungsproblemen. Ganz typisch sind optische Halluzinationen: „Die Patienten sehen Menschen oder auch größere Tiere. Sie sagen etwa, neben oder hinter mir sitzt jemand – obwohl niemand da ist. Oder sie sehen Hunde im Garten, die es nicht gibt.“ Seltener treten auch akustische Halluzinationen auf (Stimmen, Musik).

Ebenfalls typisch: Starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Im Gegensatz zu Alzheimer kommt es bei dieser Form auch zu einer Verlangsamung der Bewegungen, steifen Muskeln und generell einer Veränderung des Gangbildes. „Die Patienten stürzen auch häufiger.“ Viele Patienten leiden an Depressionen.

Eine Erkrankung?

„Wahrscheinlich sind LBD und Parkinson verschiedene Ausformungen ein und derselben Erkrankung“, erklärt Winkler. Bei beiden sind im Gehirn die Lewy-Körperchen nachweisbar. Der Name geht übrigens auf den deutschen Arzt Friedrich H. Lewy zurück. Er beschrieb erstmals 1912 die auch für die Parkinson-Krankheit charakteristischen Ablagerungen von Eiweißstrukturen.

„Bei der Lewy-Body-Demenz ist aber – im Gegensatz zu Parkinson – von Anfang an das limbische System betroffen, das für das Gedächtnis, Emotionen und die Wahrnehmung zuständig ist.“ Bei Parkinson hingegen stehen Probleme mit Gang und Bewegung im Vordergrund, Beeinträchtigungen des Gedächtnisses treten erst viel später auf.

Symptome lindern

„Wir können die Krankheit noch nicht stoppen, aber wir können – besonders bei früher Erkennung – die Symptome deutlich lindern .“
Winkler betont, dass bei Robin Williams wahrscheinlich vieles zusammengespielt habe. „Ich betreue viele Patienten mit Lewy-Körperchen-Demenz, und es ist sicher keine Diagnose, die man leicht verarbeitet. Aber ich kann meinen Patienten sagen, dass es einige Möglichkeiten gibt – Medikamente, Lebensstiländerungen, etc. –, ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern.“ Mit sogenannten Acetylcholinesterase-Hemmern können die Symptome in vielen Fällen gelindert werden.

Mehr Informationen über die Erkrankung finden Sie hier.