Wissen und Gesundheit
07.07.2017

Reanimation: Angebot für Volksschulen wird ausgeweitet

Ab kommendem Schuljahr sollen in Wien neben den dritten auch die vierten Volksschulklassen das Angebot zu einer zweistündigen, kindgerechten Schulung in Wiederbelebungsmaßnahmen erhalten.

Es begann vor vielen Jahren als kleine Initiative: Univ.-Prof. Fritz Sterz, stv. Leiter der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien / AKH Wien, organisierte mit Medizinstudenten Wiederbelebungsunterricht in einzelnen Volksschulen, um den Kindern die Scheu vor dem Helfen im Notfall zu nehmen. Die Initiative Lebenretten.at von Fritz Sterz und Puls: Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes setzen sich seit Jahren massiv für einen verpflichtenden Reanimationsunterrcht in allen Schulen Österreichs ein.

Mittlerweile nützen 90 Prozent der Wiener Volksschulen das Angebot für die dritten Klassen (zwei Stunden). Den Unterricht für die rund 16.000 Kinder jährlich übernehmen Mitarbeiter der Wiener Berufsrettung, des Samariterbundes, des Wiener Jugendrotkreuzes, der Malteser, der Johanniter sowie Medizinstudentinnen und -studenten der Medizinischen Universität Wien / AKH Wien, die Kosten trägt die Stadt Wien. Ab kommendem Schuljahr sollen die vierten Volkschulklassen die Möglichkeit haben, eine nochmalige Schulung zu bekommen, gab Donnerstagabend Harry Kopietz, Wiener Landtagspräsident und Puls-Präsident im Rahmen einer Charity-Veranstaltung für diesen Reanimationsunterricht bekannt. Durch das zweimalige Angebot soll das Wissen der Kinder vertieft werden.
"Eine Umfrage unter 200 Lehrerinnen und Lehrern hat gezeigt, dass alle mit dem Angebot sehr zufrieden waren", so Sterz. "Wichtig wäre, dass Erste Hilfe und Reanimation und Erste Hilfe generell ähnlich wie der Feueralarm oder Verkehrserziehung österreichweit im Lehrplan verankert werden."

"Kinder haben keine Hemmungen"

"Die Kinder haben überhaupt keine Hemmungen", sagt Iris Effenberger-Spreitzer. Die Medizinstudentin und selbst Mutter zweier Kinder hat bereits mehrere Reanimationsschulungen an einer Volkschule und in einem Sportverein mit Kindern gemacht: "Und auch meine zwei Kinder Paula und Danny (erste und zweite Klasse Volksschule) kennen sich bereits mit einem Defibrilator aus, das ist gar kein Problem."

Und auch Sterz betont: "Für die Erste Hilfe gelten zwei populäre Sprüche: 'Just do it' und 'Yes, we can'. Denn mehr als tot geht nicht. Man kann nichts falsch machen."

Bis zu 15.000 Menschen in Österreich sterben jährlich an einem plötzlichen Herzstillstand. Nur etwa zehn Prozent überleben ein derartiges Ereignis. "In skandinavischen Ländern überleben 40 Prozent. Dort werden vor allem Kinder sehr stark mit dem Thema Wiederbelebung konfrontiert."

"Die Angst nehmen"

"Die Überlebenschancen können enorm erhöht werden, wenn sofortige Erste-Hilfe-Maßnahmen geleistet werden", sagt Univ.-Lektor Mario Krammel, geschäftsführender Präsident von Puls und Oberarzt der Berufsrettung Wien. "Bei einem lebenlosen Patienten nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um etwa zehn Prozent ab." Das Wichtigste sei es, die Angst vor der Ersten Hilfe zu nehmen: "Angst ist oft der größte Grund, warum jemand nicht hingreift und aktiv wird."

"Man muss nicht tot bleiben"

Der Physiker und "Science Buster" Werner Gruber hatte im September 2015 auf der Fahrt zu einem Auftritt ins Burgenland einen Herzstillstand und wurde erfolgreich reanimiert - zuerst von Martin Puntigam und dann von einem Notfallsanitäter der Wiener Berufsrettung. "Tot sein heißt nicht, dass man tot bleiben muss. Ich bin der beste Beweis dafür, wie wichtig eine funktionierende Rettungskette ist."

Die Charity-Veranstaltung für den Reanimnationsunterricht - organisiert von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des BFI-Diplomlehrganges für Eventmanagement - fand übrigens im Wiener Schweizerhaus statt: Dieses war einer der ersten Gastronomiebetriebe mit einem Defibrillator.

Weitere Informationen zu dem Schulprojekt finden Sie hier.