Der Verzicht auf die Zigarette bedeutet für viele enormen Stress.

© Knut Wiarda/Fotolia

Welt-Nichtrauchertag
05/25/2016

Rauchstopp fast so stressig wie eine Scheidung

Ärzte fordern Verbot von Markenlogos auf Zigarettenpackungen.

Der endgültige Verzicht auf Zigaretten wird als äußerst belastend wahrgenommen - nur eine Scheidung verursacht noch mehr Stress. Einer von drei befragten Rauchern denkt, dass die Entwöhnung eine der größten Herausforderungen im Leben sei. Da Nikotin ein mit Heroin vergleichbares Suchtpotenzial aufweist, ist dies durchaus nachvollziehbar, so eine Pfizer-Aussendung am Mittwoch.

Etwa ein Viertel der Bevölkerung raucht, womit wir im internationalen Vergleich im unteren Drittel liegen. Laut der aktuellen "Be Smoke Free" Umfrage sind Österreicher (44 Prozent) - neben Niederländern (44 Prozent) und Belgiern (43 Prozent) - am ehesten bereit, mit dem Rauchen aufzuhören. Sie tun sich jedoch schwer, dies auch tatsächlich umzusetzen. Sieben von zehn haben es zumindest einmal probiert, bis sie es schaffen, brauchen sie im Schnitt drei Anläufe.

Doch die Raucherentwöhnung wird als sehr belastendes Lebensereignis wahrgenommen (35 Prozent), gleich an zweiter Stelle nach Scheidung (51 Prozent). Ähnlich viel Stress wie der Rauchstopp verursacht noch ein Jobwechsel (34 Prozent). Dennoch erachtet nur jeder fünfte Österreicher die Unterstützung eines Arztes als notwendig und nur fünf Prozent würden auch tatsächlich einen konsultieren.

Verbot von Markenlogos?

Am 31. Mai ist Welt-Nichtrauchertag. Im Vorlauf dazu gibt es bereits mehrere Stellungnahmen österreichischer Experten. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) stellte sich am Mittwoch hinter die Forderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach einem „Plain Packaging“, also nach einem Verbot von Markenlogos etc. auf Zigarettenpackungen.

„Tabakrauch, aktiv wie passiv eingeatmet, ist schädlich. (...) Dennoch raucht nach wie vor mehr als ein Drittel der Österreicher Tabakprodukte. Viele Jugendliche lassen sich durch Werbung und das durch die jeweilige Zigarettenmarke vermittelte Image dazu verführen“, hieß es in einer Aussendung der ÖGP.

Das Motto des Welt-Nichtrauchertages für 2016 lautet: „Get ready for plain packaging“, also die Umstellung auf Packungen komplett ohne Logo. „Plain Packaging wurde erstmals in Australien 2012 eingeführt und hat neben anderen Tabakregulierungsmaßnahmen zu einer weiteren Verminderung des Tabakkonsums geführt“, stellte die Fachgesellschaft der österreichischen Lungenspezialisten in ihrer Aussendung fest. In Europa hätten als erste Staaten Frankreich, Irland und England mit diesem Jahr diese Maßnahme gesetzlich eingeführt. Nun müsse man abwarten, wie diese Initiative greift und gegebenenfalls auch in Österreich dementsprechende Schritte zu setzen.

"Konsum vermindern"

„Es sollten alle Anstrengungen in Richtung Verminderung des Tabakkonsums gehen“, forderte der Linzer Pneumologe Kurt Aigner für die ÖGP. Eine diesbezüglich weltweite Vereinbarung sei das Rahmenübereinkommen zur Tabakkontrolle der WHO, das von Österreich 2005 als verpflichtend zur Übernahme in die nationale Gesetzgebung unterzeichnet wurde. Eine entsprechende Übernahme sei allerdings aber bis heute nicht erfolgt, Österreich liege in der Tabakkontrolle im europaweiten Vergleich an letzter Stelle.

Einzelmaßnahmen zur Tabakreduktion sind laut den Experten zumeist meist wenig wirksam. „Dabei kommt der Finanzierung der Tabakprävention aus der Tabaksteuer eine besondere Bedeutung zu“, sagte der Wiener Umwelthygieniker Manfred Neuberger. „Schon drei bis fünf Prozent der eingenommenen Tabaksteuer, so sie richtungsorientiert verwendet werden, würden ausreichen, um zum Beispiel die Aufklärung von Eltern und Kindern, die Ausbildung von Spezialisten zum Tabakstopp und eine sogenannte 'Quitline' (Rauchfrei-Telefon) sowie Kampagnen zum Rauchstopp auf hohem Niveau zu ermöglichen.“

Weniger Herzinfarkte

Auch rauchfreie Arbeitsplätze in der Industrie sowie in der Gastronomie und im Hotelbereich seien in vielen Ländern bereits seit Jahren eine Realität. Dadurch gelang es, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lungenerkrankungen und sogar Frühgeburten deutlich zu reduzieren. „Wirtschaftliche Nachteile wurden nur für die Tabakindustrie beobachtet, aber nicht für die Gastronomie. Österreich hat dabei insbesondere auch als Tourismusland einen immensen Nachholbedarf und - aufgrund des laxen Umgangs mit diesem Thema - ein im internationalen Vergleich schlechtes Image zu korrigieren“, fügte Aigner hinzu.

Gefordert wird von den österreichischen Experten auch ein Verbot für die Zigarettenautomaten. Die elektronische Alterskontrolle versage. Laut dem Lungenspezialisten gehört Österreich auch zu den letzten drei europäischen Staaten, in denen Tabak an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden darf. In Großbritannien, Frankreich und Italien ist beispielsweise auch bereits das Rauchen im privaten Auto beim Mitführen von Minderjährigen verboten.

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