Parkinson: Der Krankheit ihren Schrecken nehmen

Michael J. Fox
Foto: AP/Kathy Willens Einer der bekanntesten Parkinson-Patienten: Schauspieler Michael J. Fox. Mit seiner Stiftung hat er bereits Hunderte Millionen US-Dollar für die Erforschung neuer Therapien gesammelt

Viele Patienten können heute über einen sehr langen Zeitraum erfolgreich behandelt werden.

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"Mit Parkinson kann man heute sehr viele Jahre – oft auch Jahrzehnte – sehr gut leben. Es gibt eine breite Palette von ausgezeichneten Behandlungsmöglichkeiten." Das sagt Univ.-Prof. Eduard Auff, Vorstand der Uni-Klinik für Neurologie an der MedUni Wien (AKH Wien), im Vorfeld des nächsten Gesundheitstalk am Mittwoch (siehe unten) zum Thema Parkinson: "Die Lebensqualität der Patienten ist deutlich höher als vor 30,40 Jahren."

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Bei US-Schauspieler Michael J. Fox ("Zurück in die Zukunft"), 52, wurde bereits im Alter von 29 Jahren die Krankheit diagnostiziert. Rund 10 Prozent der Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose unter 40 Jahre alt. Fox gründete 2000 eine Stiftung (Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research) und sammelte seither Hunderte Millionen US-Dollar für die Erforschung neuer Therapien gegen Parkinson. Erste Tremor-Symptome traten während der Dreharbeiten zum Film "Auf die harte Tour" (The Hard Way) durch Zittern des kleinen Fingers der linken Hand auf. Er überdeckte die Krankheit jahrelang mit gekonnter schauspielerischer Leistung. Am 7. Dezember 1998 räumte er gegenüber der US-Zeitschrift People ein, an Parkinson erkrankt zu sein. Das Foto zeigt ihn mit seiner Ehefrau Tracy Pollan. Schauspieler Ottfried Fischer will sich von seinem "Freund Parkinson" nicht unterkriegen lassen - dass er von dieser Erkrankung betroffen ist, gab er Anfang 2008 bekannt. Er habe sich vorgenommen, sich  von "diesem Arschloch Parkinson" nichts gefallen zu lassen“, sagte der 61-Jährige vor kurzem (auf dem Bild mit Uschi Glas). Geduldig kämpft Fischer gegen manche Einschränkungen oder Müdigkeitsattacken an. Und er versucht, der Erkrankung auch positive Seiten abzugewinnen: Zum Beispiel die Entschleunigung. „Das, was wir im Beruf nie schaffen, dazu hat mich der Parkinson gezwungen - dass ich es schaffen musste, gewisse Dinge langsamer anzugehen.“ Vor fast genau 20 Jahren - im Februar 1995 - wurde beim damaligen Außenminister Alois Mock die Parkinson-Krankheit diagnostiziert. Damals handelte es sich noch um eine leichte Form, die seine Arbeit nicht behinderte. Im Juni 2014 feierte ÖVP-Ehrenobmann Mock (im Bild mit seiner Frau Edith) seinen 80. Geburtstag. Bundespräsident Fischer würdigte ihn als „belastbar, ausdauernd und grundsatzorientiert“. Box-Legende Muhammad Ali, 73,  leidet schon seit mehr als 30 Jahren an Parkinson. "Mein Vater musste lernen, mit einer sehr schwierigen Krankheit umzugehen", sagt seine älteste Tochter, "May May" Ali: "Parkinson nimmt einem die Bewegungsfreiheit und die Unabhängigkeit. Aber mein Vater kommt gut mit der Erkrankung zurecht."
  Ein Parkinson-Patient ist auch Starkoch Paul Bocuse, 88, Vater der „Nouvelle Cuisine“ und einer der besten Köche des 20. Jahrhunderts. US-Schauspieler Robin Williams hatte Parkinson im Frühstadium, als er sich im August 2014 im Alter von 63 Jahren umbrachte. Erst Anfang Feburar ist der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer, Udo Lattek,  im Alter von 80 Jahren gestorben. Lattek litt an Parkinson. Der Startrainer führte Bayern München, Borussia Mönchengladbach und den FC Barcelona zu insgesamt 14 Titeln. Anderen Patienten Mut machen will der frühere deutsche SPD-Chef Hans-Jochen Vogel, 89. Vor zweieinhalb Jahren wurde bei ihm Parkinson diagnostiziert. "Ich will ihnen zeigen, dass man auch in diesem Zustand noch geraume Zeit ein selbstbestimmtes Leben führen kann", sagte Vogel in einem "Stern"-Interview. "Das Zittern habe ich noch unter Kontrolle, aber es wird wohl unvermeidlich stärker werden", so Vogel Ende November des Vorjahres. "Aber warum soll ich klagen? Es würde ja doch nichts ändern." Eines hat Vogel allerdings schon geändert. Den Namen seiner Krankheit. Er nennt sie "Park in der Sonne" - "das klingt schöner". Weltweite Bekanntheit erlang die französische Ordensfrau Marie Simon-Pierre Normand. Ihre Heilung von der Parkinson-Krankheit war vom Vatikan als erstes „Wunder“ auf Fürsprache von Johannes Paul II. (1978-2005) anerkannt worden - derartige Wunder sind Voraussetzung für eine Heiligsprechung. 2001 war Marie Simon-Pierre Normand im Alter von 40 Jahren an Parkinson erkrankt. In den Monaten nach dem Tod von Johannes Paul II. im Jahr 2005 haben sie und ihre Mitschwestern in unzähligen Gebeten den im Vorjahr heiliggesprochenen Papst um Hilfe angefleht. In den Jahren vor seinem Tod  war Papst Johannes Paul II. selbst von der Parkinson-Krankheit schwer gezeichnet und konnte kaum noch sprechen. Die ganze Welt nahm am öffentlichen Leiden des Papstes Anteil. 200.000 Menschen erwiesen 2012 im Mailänder Dom dem dort aufgebahrten früheren Mailänder Erzbischof Kardinal Carlo Maria Martini die letzte Ehre vor der Beisetzung. Der liberale Kardinal litt lange an Parkinson. Er gehörte zu den angesehensten Persönlichkeiten der katholischen Kirche und galt beim Konklave 2005 als möglicher Kandidat für das Amt des Papstes, in das dann Joseph Ratzinger gewählt wurde. Und auch einer der wortgewaltigsten Theologen und Kritiker der Amtskirche, Hans Küng, 87, teilt die Diagnose Parkinson mit vielen anderen. Vor rund drei Jahren wurde sie bei ihm gestellt. Zudem leidet er an Makula-Degeneration, die sei Sehkraft beeinträchtigt. Ein Schock seien diese Diagnosen gewesen, gibt er zu. Auch Salvador Dalí (1904-1989) war ein Parkinson-Patient. Sei letztes Bild, "Der Schwalbenschwanz", malte er 1983 bereits mit einer zittrigen Hand. Parkinson hatte auch US-Radiolegende Casey Kasem. Er verstarb im Juni 2014 im Alter von 82  Jahren in Gig Harbor im US-Bundesstaat Washington. Kasem wurde durch seine von 1970 bis 2009 ausgestrahlte Radiohitparade „American Top 40“ bekannt.
  Countrysänger Johnny Cash (1932-2003) wurde ebenfalls immer wieder Parkinson zugeschrieben. Möglicherweise handelte es sich aber um eine andere neurologische Erkrankung und die Parkinson-Diagnose aus dem Jahr 1997 war nicht richtig. Cash kämpfte gegen die Krankheit an und wollte ihr "keinen Raum in meinem Leben geben". Er wolle positiv denken. Trotz seiner schweren Erkrankung brachte er 2002 noch ein Album heraus.

Ähnlich auch Prim. Dieter Volc, vom Parkinson-Zentrum in der Confraternität: "Die Medikamente sind seit vielen Jahren im Wesentlichen unverändert. Aber ich sage meinen Patienten immer: Das Klavier haben wir zwar schon länger. Aber wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, viel besser auf diesem Klavier zu spielen – also die Medikamente besser aufeinander abzustimmen."

Auff… Foto: /Privat Univ.-Prof. Eduard Auff, MedUni Wien In Wien stellten die Österreicher Oleh Hornykiewicz und Walter Birkmayer 1961 die erste wirksame Parkinson-Therapie vor: Den Ersatz des körpereigenen Botenstoffes Dopamin durch die Dopamin-Vorstufe L-Dopa. Auch heute noch ist Österreich ein Zentrum der Parkinson-Forschung: So konnte eine Gruppe um Gabor G. Kovacs (Klinisches Institut für Neurologie, MedUni Wien) zeigen, "wie sich Parkinson im menschlichen Gehirn von Zelle zu Zelle ausbreitet", so Auff. Und in Wien wird auch an einem Impfstoff gegen die Erkrankung geforscht: Er soll die eigentliche Krankheitsursache – die Ausbreitung eines krankhaft veränderten Eiweißes (Alpha-Synuclein) – stoppen. "Noch sind diese Forschungen aber erst in einem sehr frühen Stadium", betont Neurologe Volc.

Riechstörungen

Große Anstrengungen unternehmen Wissenschafter auch, die Erkrankung bereits vor dem Auftreten der ersten sichtbaren Symptome nachweisen zu können – ewa durch Biomarker im Blut. Zwar können bestimmte Riechstörungen, Verstopfung oder ein gestörter Traumschlaf – wenn man darin plötzlich schreit oder herumschlägt – ein früher Hinweis auf Parkinson sein. Ein eindeutiger Beweis sind sie aber nicht, betont Auff.

 … Foto: KURIER/Franz Gruber Prim. Dieter Volc, Confraternität Wien

Wichtig ist, dass die Parkinsontherapie von Spezialisten durchgeführt wird: Bestimmte Medikamente, die ähnliche Effekt im Körper haben wie das Dopamin (Dopaminagonisten) können zu "Impulskontrollstörungen" führen – im Extremfall kann es z. B. zu einer Spiel- oder Kaufsucht kommen. Volc: "Das heißt aber nicht, dass man vor diesen Präparaten Angst haben muss. Wichtig ist, dass der Arzt die Patienten führt, sie aufklärt und bei Kontrollen aktiv danach fragt, ob derartige Symptome aufgetreten sind. Darüber reden ist schon sehr hilfreich. Im schlimmsten Fall kann das Präparat gewechselt werden."

Die Diskussion zum Thema:

Parkinson ist das Thema des Gesundheitstalks am Mittwoch, 18. 3., 18.30 Uhr.

KURIER-Ressortleiterin Gabriele Kuhn diskutiert mit 

Univ.-Prof. Dr. Eduard Auff (Vorstand der Uni-Klinik für Neurologie, MedUni Wien),

Prim. Dr. Dieter Volc (Leiter des Parkinson-Zentrums der Confraternität) und

Dr. Klaus Novak (Uni-Klinik für Neurochirurgie der MedUni Wien).

Veranstaltungsort:

Van-Swieten-Saal der MedUni Wien, Van-Swieten-Gasse 1a, 1090 Wien.

Veranstalter:  KURIER, Medizinische Universität Wien und Novartis. Eintritt frei. 

gesundheitstalk… Foto: /xx

Tiefe Hirnstimulation

Lebensqualität mit Elektroimpulsen

Diese Methode ist eine zusätzliche Therapiechance für einen Teil der Patienten

Mit leichten elektrischen Impulsen in bestimmten Hirnarealen Bewegungsstörungen bei Parkinson deutlich reduzieren: Das ist das Prinzip der „tiefen Hirnstimulation“. „Der Impulsgeber selbst wird – ähnlich wie ein Herzschrittmacher – im Brustbereich implantiert“, sagt der Neurochirurg Klaus Novak von der MedUni Wien.  „Elektroden werden in jene Kernregionen des Gehirns gelegt, die für die Feinsteuerung von Bewegungen zuständig sind.“ Durch den Ausfall der dopaminproduzierenden Zellen sind sie überaktiv. „Die Stimulation hemmt diese Überaktivität.“

Klaus Novak, Neurochirurg… Foto: /privat Neurochirurg Klaus Novak; MedUni Wien Doch die Methode ist nicht für jeden an Parkinson Erkrankten geeignet. „Ihr Erfolg hängt von der richtigen Auswahl der Patienten ab – und von einer guten Teamarbeit zwischen Neurologen, Neurochirurgen und Neuroradiologen. Dazu braucht es ausreichend Erfahrung, weshalb diese Therapie nur an großen Zentren durchgeführt wird.“

Ein Trend der vergangenen Jahre ist eine frühzeitigere Implantation – bereits ab vier Jahren nach Erkrankungsbeginn statt erst nach zehn bis zwölf Jahren. Novak: „Die Lebensqualität dieser Patienten ist nach dem Eingriff im Durchschnitt um rund 25 Prozent besser  (laut Selbsteinstufung der Betroffenen, Anm.) als die Lebensqualität von Patienten mit weiterhin ausschließlich medikamentöser Therapie.“

INFO-GRAFIK

(kurier) Erstellt am
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