Wissen und Gesundheit
05.08.2017

Ozon: In der City weniger als rundherum

Trotz Hitze und Sonne ist die Belastung gesunken – warum die Werte in der Lobau am höchsten waren.

Sonne, Hitze, viel Verkehr – in früheren Jahren wäre längst die Alarmschwelle für das bodennahe Ozon überschritten gewesen. Doch blickt man derzeit auf den Ozonbericht des Umweltbundesamts, befindet sich das Land weitestgehend im grünen Bereich (www.umweltbundesamt.at/ozonbericht).

„Grund dafür sind derzeit die windigen Verhältnisse. Die Föhnströmung hat die Luft gut verteilt“, liefert der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter der MedUni Wien eine erste Erklärung. „Paradoxerweise finden sich die höheren Konzentrationen aber nicht in der Stadt, sondern in den Grüngebieten rundherum.“ Das habe nicht nur mit Windverhältnissen zu tun, sondern vor allem mit dem Entstehungsmechanismus von Ozon in verkehrsreichen Gebieten - weil dort, wo es gebildet wird, gleichzeitig der Abbau durch etwa Stickstoffoxide stattfindet.

Im langjährigen Verlauf ist die Ozonbelastung aber generell zurückgegangen, berichtet Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt. „Trotz der heißen und sonnigen Wetterlage gab es heuer noch keine Spitzenkonzentrationen, obwohl die Sommer nicht kühler werden. Vor zehn bis fünfzehn Jahren wäre die Alarmschwelle bei diesen Wetterlagen längst überschritten.“

So gab es nur an sieben Tagen Überschreitungen der Informationsschwelle. Ab 180 µg/m³ können sehr empfindliche Menschen das Reizgas Ozon bereits in den Atemwegen spüren – vor allem bei körperlicher Anstrengung.

Alarmschwelle

Die bisher höchsten Werte wurden heuer in der Lobau mit 228 µg/m³ gemessen. Damit lag der Wert knapp unter der Alarmschwelle: ab 240 µg/m³ können die Schleimhäute insbesondere in den Mittags- und Nachmittagsstunden gereizt reagieren. Dann sind körperliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden. Vor allem Kinder mit empfindlichen Bronchien und Asthmakranke sowie Menschen mit Herzbeschwerden sollten ab dieser Schwelle vorzugsweise in Innenräumen bleiben.
Der Umweltexperte führt den generellen Rückgang von Spitzenkonzentrationen vor allem auf den Erfolg von „Luftreinhaltemaßnahmen“ zurück. Sprich: Die Abgasgesetzgebung greift, wodurch vor allem flüchtige, organische Verbindungen zurückgegangen sind.

Diesel-Skandal

„Auch die Stickoxide konnten reduziert werden – allerdings sind die Fortschritte da nicht so groß wie sie ohne den Diesel-Skandal hätten sein können“, sagt Schneider. Im LKW-Bereich gebe es nennenswerte Reduktionen, aber im PKW-Bereich weniger als möglich gewesen wäre. In Verkehrsnähe gibt es daher auch noch immer die höchsten Belastungen mit Stickstoffdioxid.

„Das Problem ist nicht gelöst. Die Spitzenbelastungen haben zwar abgenommen, aber wir haben nach wie vor zu hohe Belastungen und dürfen uns nicht auf den ersten Erfolgen ausruhen.“