Spinat galt lange Zeit als Eisen-Bombe. Ein Mär.

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Buchtipp:
02/15/2014

Ohne Eisen fehlt die Energie

Lebenswichtiger Stoff. Durch die Ernährung kann eine Unterversorgung oft nicht ausgeglichen werden

von Ingrid Teufl

Schon als Schülerin musste Antonia Chadim regelmäßig nach dem Unterricht ein Mittagsschläfchen einlegen. "Aber nicht nur eine halbe Stunde – vor drei Stunden bin ich nicht von der Couch hochgekommen." Jahrelang ging das so, die heute 32-Jährige fühlte sich in ihrem Leben massiv eingeschränkt. "Ich war nicht leistungsfähig, nicht einmal leistungswillig." Das wirkte sich auch aufs Privatleben aus. "Ich bin am liebsten herumgelegen, hatte keine Lust aufs Weggehen. Niemand hat mich ernst genommen, sieben Jahre zog ich von Arzt zu Arzt. Doch keiner dachte an Eisenmangel und ließ meinen Eisenstatus erheben."

Doris Gapp vom Medizinzentrum Woman & Health hat sich in Wien auf die Therapie von Patienten mit Eisenmangel spezialisiert und kennt das Problem in der Kollegenschaft. "An Eisenmangel wird bei andauernden, diffusen Beschwerden im Ordinationsalltag zu wenig gedacht. Dabei wäre er leicht erkennbar und gut behebbar. Jahrelange Leidenswege der Patienten wären nicht nötig."

Jede 5. Frau betroffen

Eisenmangel ist dennoch die häufigste Mangelerkrankung in der westlichen Welt – und er ist weiblich. In Mitteleuropa leidet jede fünfte Frau im gebärfähigen Alter daran. Die Symptome sind so vielfältig, dass sie oft nicht sofort mit leeren Eisenspeichern in Verbindung gebracht werden. Merkmale wie Schlappheit treten meist schon viel früher auf, werden aber zum Teil auf die Erschöpfung nach der Monatsblutung zurückgeführt – auch von Ärzten, die einen niedrigen Eisenwert für (noch) nicht behandlungswürdig halten. Gapp betont: "Wir müssen mehr zuhören. Wir behandeln ja Patienten und keine Laborwerte."

Kurioserweise wird ein Eisenmangel bei chronischen Patienten noch seltener in Erwägung gezogen. "Dabei ist bei ihnen die Eisenaufnahme im Darm gestört. Zur Feststellung sind aber noch mehr Parameter als sonst nötig", erklärt Theresa Kapral, Rheumatologin im Medizinischen Zentrum Alser Straße in Wien. Die Patienten führen Beschwerden oft auf ihre Grunderkrankung oder Nebenwirkungen ihrer Medikamente zurück.

So erging es auch Sabine Waste. "Ich dachte, ich muss mich damit abfinden." Sie leidet seit 30 Jahren an chronischer Polyarthritis, einer entzündlichen Gelenkserkrankung. "Meine Erschöpfung war so groß, manchmal kam ich tagelang nicht aus dem Bett." An eine berufliche Tätigkeit war nicht mehr zu denken. Sie entschied sich für eine Therapie mit Infusionen. "Schon nach der ersten Eisen-Infusion hatte ich ein neues Leben." Heute geht Waste wieder mit "Freude und Energie" ihrem Beruf nach.

Bernhard Robl leitet im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz die Dialysestation: "Wenn bei chronisch Kranken – etwa bei Nieren- oder Herzschwäche – ein Eisenmangel nicht korrigiert wird, hat das Konsequenzen. Wir wissen heute, dass eine Therapie die Lebensqualität und auch die Lebenserwartung erhöht."

Ernährung

Im Normalfall ist die Eisenversorgung durch eine ausgewogene Mischkost gesichert. Die Aufnahme kann aber durch Lebensmittel oder Erkrankungen gehemmt sein (siehe Grafik). "Dann lässt sich ein Mangel nicht allein durch die Ernährung ausgleichen", sagt Yvonne Rottensteiner, Allgemeinmedizinerin in Graz. Die Ernährungsgewohnheiten verändern sich außerdem, im Alter kommen häufig chronische Magen-Darm-Probleme dazu. "Sie verschlechtern die Eisenaufnahme enorm."

Tabletten

Mittel zum Schlucken sind die erste Wahl in der Eisentherapie. Doch nur zehn Prozent dieses Eisens werden über den Darm aufgenommen, der Rest ausgeschieden. Sie müssen drei bis sechs Monate lang geschluckt werden. Häufig treten Magenschmerzen oder Verstopfung auf. "Viele brechen deshalb die Therapie ab."

Infusionen

Mit Injektionen wird der Verdauungstrakt umgangen, das Eisen gelangt direkt ins Blut. Rottensteiner: "Bei vielen Patienten reicht eine Infusion, um die Speicher aufzufüllen." Lange galt diese Methode als gefährlich, weil es u. a. zu Entzündungen an der Einstichstelle kommen könnte. Eisen kann zudem Entzündungen verstärken. Die richtige Dosierung sei schwierig, wurde ebenso kritisiert. Doch moderne Präparate sind viel verträglicher. "Für intravenöse Eisen-Therapien ist aber nach wie vor Spezialwissen notwendig."www.eisencheck.atHier finden Sie eine Liste mit Ärzten, die diese Therapie anbieten.

Ilse Weiß, Chrisoph Gasche, Ernährung bei Eisenmangel, Verlag Maudrich,14,90 €

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