ARCHIV - ILLUSTRATION - Verschiedene Pillen und Tabletten liegen auf einem Teller, aufgenommen am 20.02.2012. Patienten in Deutschland bekommen auch nach dem Start von Arzneiprüfungen noch Dutzende neue Mittel gegen schwere Krankheiten pro Jahr - aber nicht immer gibt es gute Noten. Foto: Matthias Hiekel dpa/lrs (zu dpa:"16 Prozent der neuen Arzneimittel bringen beträchtlich mehr" vom 03.09.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

© dpa-Zentralbild/Matthias Hiekel

Forum Alpbach

Österreicher bestellen immer mehr Medikamente im Internet

Bereits jeder Fünfte hat sich Arzneimittel zusenden lassen. Legal ist das in vielen Fällen nicht.

von Ernst Mauritz

08/18/2013, 08:00 AM

„Ich sehe diese Entwicklung mit Sorge“, sagt der Allgemeinmediziner Erwin Rebhandl: 22 Prozent der Österreicher haben bereits Medikamente im Internet bestellt, 2007 waren es erst zwei Prozent. Dies geht aus einer repräsentativen Market-Umfrage mit 507 Probanden hervor, die Samstag von der Oberösterreichischen Apothekerkammer bei den Gesundheitsgesprächen des Europäischen Forums Alpbach präsentiert wurde. „Ein weiteres knappes Viertel kann sich eine Online-Bestellung vorstellen“, so Market-Chef Werner Beutelmeyer.

„Diskretion“

41 Prozent der Befragten sehen bei Online-Bestellungen „ein besseres Preisleistungsverhältnis“, 59 Prozent halten sie für „bequem“ und 41 Prozent betonen die „Diskretion“. Auf der anderen Seite sehen 84 Prozent die Gefahr einer falschen Einnahme durch die fehlende Arzt- bzw. Apotheker-Beratung. 70 Prozent sind mit ihrer Apotheke „sehr zufrieden“.

„Ein Großteil dieser Bestellungen ist illegal“, sagt Beutelmeyer. Denn in Österreich ist der Versandhandel von rezeptpflichtigen Medikamenten laut Arzneimittelgesetz verboten. Erlaubt ist lediglich der Versand von in Österreich zugelassenen rezeptfreien Medikamenten.

„Ich warne vor unkritischen Bestellungen im Internet“, sagt die Pharmazeutin Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Oberösterreichischen Apothekerkammer. „Viele Patienten können nicht zwischen seriösen und unseriösen Anbietern unterscheiden. Häufig kommen sie dann mit im Internet bestellten Medikamenten zu mir in die Apotheke und wollen eine Beratung. Da holt sie ihr eigener Mut ein.“ Hier müsse man überlegen, ob eine derartige nachträgliche Beratungsleistung künftig nicht kostenpflichtig sein müsste.

Laut AGES Medizinmarktaufsicht sind mehr als 95 Prozent der im Internet vertriebenen Arzneien Fälschungen.

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