Wissen und Gesundheit
16.08.2017

Rudolf Taschner erklärt, warum Mathematik glücklich macht

Warum Mathe glücklich macht und was Schule damit zu tun hat, erläutert er in seinem neuen Buch.

Eigentlich hätte Rudolf Taschners neustes Buch "Vom 1 x 1 zum Glück" erst im September erscheinen sollen. Hätte. Doch der Erscheinungstag wurde vorgezogen. Bereits ab morgen ist es im Handel. Der Grund: Mittlerweile ist er nicht mehr "nur" Mathematiker und Autor, sondern auch Politiker. Vergangene Woche präsentierte ÖVP-Obmann Sebastian Kurz ihn als Kandidaten für die Nationalratswahl. Er soll Wissenschafts- und Bildungssprecher werden.

Im KURIER spricht er weniger über Politik sondern mehr über Mathematik: Warum sie so wichtig ist, warum sie auch Freude bereiten kann, und wie man Lust auf Zahlen machen kann.

KURIER: Aus aktuellem Anlass: Macht auch Politik glücklich? Wenn ja, welche Faktoren sind denn Glücksbringer?

Rudolf Taschner: Der Glücksbringer schlechthin ist, dass man plötzlich das, was zuvor noch ein Rätsel war, versteht. Weniger Lernen, sondern vielmehr Verstehen bereitet Freude.

Zitat: "Jede gelungene Unterrichtsstunde ist ein Weg zum Glück, den die Mathematik ebnet." Worin liegt für Sie das Glück der Mathematik? Und worin sollte es für jeden liegen?

Die Mathematik bereitet, wenn es pathetisch formuliert werden darf, "ewiges Glück". Denn wenn man eine mathematische Erkenntnis gewonnen hat, weiß man, dass diese zu allen Orten und zu allen Zeiten zutrifft – und man es selbst ist, der zu dieser Erkenntnis gelangt ist.

Wir erfahren, warum das Buch des Adam Ries – bekannt als Adam Riese – so bahnbrechend war und emanzipatorische Züge hatte. Oder Sie erläutern, warum Steinzeitmenschen schon mit Kerbhölzern gerechnet haben. Wer die Genese einer mathematischen Operation versteht, wird sie sich auch besser merken können. Frage: Wäre es nicht besser, wenn in der Schule mehr fächerübergreifend unterrichtet würde – etwa wenn das Thema "Altes Ägypten" neben Geschichte auch Aspekte der Mathematik, Geografie oder Biologie betrachtet? Und brauchen wir mehr Lehrer, die über ihren "Fach-Tellerrand" hinausblicken?

Ja, ja und nochmals ja!

Sie vergleichen das Fach Mathematik mit Englisch und Musik. Ihre These: Ich muss nicht wie Mozart komponieren können, aber ich sollte wissen, dass es ihn gegeben hat und auch die große Kunst bewundern können. Das Gleiche gelte für die Mathematik. Ich muss keine Beweise führen können, um zu bewundern, was große Geister entwickelt haben. Auch hier die Frage: Was bedeutet die Erkenntnis für den Schulalltag?

Mit dieser Einsicht würde sich meiner Meinung nach der Mathematikunterricht grundlegend ändern: Jene, denen das Fach nicht so sehr liegt, werden nicht mit eigentlich unnötigen Aufgaben belastet, sondern lernen viel mehr über die Zusammenhänge zwischen mathematischem Wissen und gesellschaftlichem Fortschritt – und jene, die sich der Mathematik intensiv widmen wollen, sollen umso gezielter in ihren Bemühungen unterstützt werden.

Die Zentralmatura sehen Sie kritisch. Sie plädieren für eine teilzentrale Matura (wie die jetzige ja offiziell heißt): Was sollte zentral, was am Standort abgeprüft werden?Ich erläutere es im Buch ausführlich: Zentral soll geprüft werden, was als Prüfungsstoff auch standardisierbar ist und so wichtig, dass man es von jeder und jedem in dem jeweiligen Alter erwarten kann. Also ganz basale Dinge. Aber die Schülerinnen und Schüler sollen auch zeigen können, was sie überdies noch gelernt und verstanden haben – und dafür ist das individuelle Gespräch zwischen der geprüften und prüfenden Person das Mittel der Wahl.

Wo sehen Sie das Minimum – was muss ein Maturant am Ende seiner Schulzeit können? Was ein Pflichtschulabsolvent? Es darf in Zukunft keine Pflichtschulabsolventen mehr geben, für die das Prozentzeichen eine Hieroglyphe ist. Es darf in Zukunft keine Maturanten mehr geben, die mit den Worten "Wahrscheinlichkeit" und "Statistik" nichts zu verbinden wissen. Aber das sind nur Schlagworte. Wie gesagt: Ausführlicheres in meinem Buch.

Buchtipp: Rudolf Taschner: „Vom 1 x 1 zum Glück. Warum wir Mathematik für das Leben brauchen.“ Verlag Brandstätter, 160 Seiten, 19,90 Euro.