CT-Aufnahmen eines Gehirns: Auch in Österreich steigt die Zahl der Schlaganfallpatienten, die jünger als 50 sind

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Erfolgsgeschichte
03/21/2017

Meilenstein in der Akuttherapie des Schlaganfalls

Neurologen-Kongress in Villach: Bereits 1000 Patienten erhielten 2015 eine neue Therapie, die sehr vielversprechend ist.

von Ernst Mauritz

"Diese Entwicklung wird viele Menschenleben retten und vielen Patienten ein Leben mit schwersten Behinderungen ersparen." Elisabeth Fertl, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN), spricht von einer Erfolgsgeschichte: Seit Kurzem ist für Schlaganfälle mit sehr großen Gefäßverschlüssen praktisch flächendeckend rund um die Uhr eine noch recht junge Therapieform verfügbar: die mechanische Entfernung großer Blutgerinnsel mit Katheter (er wird in der Leiste eingeführt und bis zum Gehirn geschoben, der Thrombus wird damit anschließend aus dem Gehirngefäß herausgezogen).

"Das ist ein Meilenstein in der Schlaganfall-Akuttherapie", sagt Fertl anlässlich der Jahrestagung der ÖGN in Villach (22. bis 24. 3.) . Und: "Es gibt jetzt in jedem Bundesland rund um die Uhr zumindest ein Zentrum, das diese Therapie anbietet." Ausnahmen: Vorarlberg und Burgenland. Diese Patienten werden in Tirol oder in Wien behandelt, häufig überstellt per Hubschraubertransport. Wobei die Patienten zuerst immer auf eine Stroke Unit – eine Akuteinheit für die Schlaganfalltherapie – kommen. Dort wird mit Computertomografie der Schlaganfall diagnostiziert und die medikamentöse Therapie eingeleitet. Erst von dort erfolgt der "Sekundärtransport" in ein interventionelles Zentrum. Fertl: "Dieser bringt für die Patienten keine Verschlechterung."

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2011 wurde mit 300 derartigen Eingriffen begonnen, 2015 waren es bereits mehr als 1000. Bis zu 2500 Patienten jährlich könnten für die neue Therapie infrage kommen.

Und die Erfolgsrate ist sehr hoch: "Damit ein Patient gut überlebt, muss man 2,6 Patienten behandeln - das ist ein sehr guter Wert." Bei vielen anderen Therapieformen müssen weit mehr Patienten behandelt werden, um bei einem einen Erfolg zu erziehlen.

Sehr personalintensiv

In ganz Österreich gibt es derzeit zehn Katheterlabors für diese mechanische Gerinnsel-Entfernung ("endovaskuläre Thrombektomie"). "Für das österreichische Gesundheitssystem bedeutet das eine neue Herausforderung", sagt Fertl. "Diese Spitzenleistung der Schlaganfall-Behandlung ist sehr personalintensiv und stellt hohe Anforderungen an die Ausbildung."

Zuerst ist eine exakte Diagnosestellung an einer Stroke Unit nötig, um festzustellen, ob der Patient für diesen Eingriff geeignet ist´. In dem Interventionszentrum muss ständig ein hochspezialisiertes Team verfügbar sein - zumeist ein Radiologe, ein Anästhesist, eine Assistenz und ein Neurologe als Case Manager.

Thema Gehirnentzündungen

Ein großes Thema in der Neurologie ist derzeit auch der Fortschritt im Bereich des Wissens um Gehirn- und Gehirnhautentzündungen. Vor 20 Jahren waren drei Viertel aller Gehirn- und Gehirnhautentzündungen auf einen bakteriellen Erreger (z.B. Meningokokken, Pneumokokken) zurückzuführen, sagt Kongresspräsident Univ.-Prof. Jörg Weber, Vorstand der Abteilung für Neurologie im Klinikum Klagenfurt.

Weniger bakteriell bedingte Erkrankungen

Heute habe sich dieses Verhältnis genau ins Gegenteil verkehrt. "Durch die Impfprogramme sind die Gehirn- oder Gehirnhautentzündungen, die durch bakterielle Erreger ausgelöst werden, deutlich zurückgegangen", betont Weber. Dafür werden öfter Gehirnentzündungen diagnostiziert, bei denen Antikörper, die das eigene Gehirngewebe angreifen, der Krankheitsauslöser sind.

"Ein Großteil der Entzündungen des Zentralnervensystems, die man früher nicht genau zuordnen konnte, sind durch autoimmunologische Prozesse verursacht." Also Prozesse, bei denen sich Antikörper gegen körpereigene Strukturen richten.

Gleichzeitig sind es auch neu sich ausbreitende, oft exotische Erreger wie das Zika-Virus, das für viele schwere Gehirnentzündungen verantwortlich ist

Palliativmedizin auch in der Neurologie

Ein drittes großes Thema des Kongresses ist die Neuro-Palliativmedizin. Palliativmedizin wird oft nur mit der Krebsmedizin in Verbindung gebracht, ist aber auch ein großer Bereich in der Neurologie.

"In der Neurologie geht es aber eher um die unheilbar kranken Menschen, nicht so sehr - wie in der Krebsmedizin - um die sterbenden Menschen", betont Peter Kapeller, Vorstand der Neurologischen Abteilung im LKH Villach.

"Hier steht im Mittelpunkt,die Lebensqualität zum Beispiel von Demenzpatienten zu erhöhen - und das über viele Jahre hinweg." Gleiches gelte aber auch für Patienten nach Schlaganfällen, Gehirnentzündungen oder Schädel-Hirn-Traumen.

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