Wissen
26.11.2018

Neue Studie: Das Rauchen und seine geschlechtsspezifischen Folgen

Frauen sind laut Forschern der Uni Graz anfälliger für den Abhängigkeitseffekt. Schuld daran könnte ein Neurotransmitter sein.

Durch das Rauchen können sich sowohl Hirnstrukturen als auch der Stoffwechsel in Gehirn bei Frauen und Männern unterschiedlich verändern. Das haben Forscher der Universität Graz in einer aktuellen Studie gezeigt. Sie haben vor allem bei den getesteten Frauen einen signifikanten Anstieg der Konzentration eines Neurotransmitters festgestellt, der die neuroelektrische Aktivität des Gehirn reguliert.

Anfälliger für Abhängigkeitseffekt

In mehreren Untersuchungen habe sich bereits gezeigt, dass Frauen anfälliger für den Abhängigkeitseffekt des Rauchens sind und auch schneller Rückfälle bei der Entwöhnung erleiden, hieß es in einer Mitteilung der Universität Graz am Montag. Das Wissenschafter-Team konzipierte daher eine Studie, die den Fokus konkret auf die Details der geschlechtsspezifischen Unterschiede richtete. Dazu wurden vorerst jeweils 30 Frauen und 30 Männer in rauchende beziehungsweise nicht-rauchende Untergruppen aufgeteilt. Alle rauchenden Probanden kamen in den vergangenen drei Jahren auf etwa 15 bis 20 Zigaretten pro Tag. Sie alle wurden am Institut für Psychologie mit Methoden des Neuroimaging untersucht.

Tatsächlich trat zwischen Probandinnen und Probanden ein metabolischer Unterschied deutlich hervor: Die Auswertungen der Daten zeigte, dass das Level des Neurotransmitters GABA bei Frauen wesentlich höher war, als bei Nichtraucherinnen. "GABA spielt eine wichtige Rolle bei kognitiven Funktionen, wie Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis. Viele Substanzen, die Suchtverhalten auslösen, stehen in direkter Verbindung mit einer Stimulanz von GABA", erklärte Deepika Bagga die Bedeutung des Neurotransmitters, der offenbar vom Rauchen beeinflusst wird. Sie hat als Erstautorin die Ergebnisse im Medizin-Journal European Addiction Research veröffentlicht.

Unter den Männern gab es beim GABA-Level zwischen Rauchern und Nicht-Rauchern nur sehr geringe Abweichungen. Neben strukturellen und metabolischen Veränderungen im Gehirn der rauchenden Probandinnen stellten die Forscher auch auf der Verhaltensebene geschlechtsspezifische Differenzen fest. "Die Raucherinnen reagierten anders in der Aggressionsbewältigung als die Nicht-Raucherinnen: Sie hätten Ärger vermehrt zurückgehalten und es vorgezogen, für sich zu sein", schilderte Bagga.

Weitere Forschungen nötig

Der Altersschnitt der aktuellen Studie der Universität Graz betrug 25 Jahre. "Unsere Untersuchung ist eine der wenigen, die sich auf eine junge Zielgruppe mit relativ moderatem Zigarettenkonsum konzentriert", betonte die Erstautorin. Die Grazer Forscher vermuten, dass bei älteren, starken Raucherinnen ebenfalls klare Effekte nachweisbar sein werden. Um stichhaltige Aussagen zu treffen, seien jedoch weitere Forschungen notwendig, resümierte Bagga.