Wissen und Gesundheit
24.07.2017

Neue Hinweise für Mondwasser

Ein halbes Jahrhundert nach der Mondlandung ist die Faszination für den Erdtrabanten ungebrochen. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse - und Zukunftspläne

1,6 Millionen Euro für einen kleinen Reißverschlussbeutel – eine Summe, die man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen muss. Ende vergangener Woche wurde das unscheinbare Täschchen mit der Aufschrift "Lunar Sample Return" und dem besonderen Inhalt in New York versteigert. Vor genau 48 Jahren hatte der 2012 verstorbene Astronaut Neil Armstrong darin nach seiner bahnbrechenden Mission Mondgestein zurück zur Erde transportiert. Heute sind davon nur noch ein paar Staubkörner übrig – doch die Faszination für den mystischen Erdtrabanten ist, wie der Erlös der Auktion zeigt, auch ein halbes Jahrhundert nach der Mondlandung ungebrochen.

"Das liegt daran, dass der Mond der einzige Himmelskörper außer der Sonne ist, der einen direkten Einfluss auf die Erde hat – weil er ihr so nahe ist", erklärt Weltraumforscher Wolfgang Baumjohann von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ein sichtbarer Einfluss sind die Gezeiten auf der Erde – die Schwerkraft des Mondes treibt bekanntlich Ebbe und Flut an. Weil die dadurch frei werdende Energie die Erdrotation bremst, werden die Tage jedes Jahr ein bisschen länger. "Ob man nun bei Neumond etwas anpflanzen sollte oder nicht, ist aber wissenschaftlich nicht belegt", betont der Physiker.

Aufgrund seiner relativ geringen Entfernung zur Erde – ein bis zwei Tage dauert die Reise – gilt der Mond als sehr gut erforscht. Nun lassen Wissenschaftler mit einer neuen Erkenntnis aufhorchen: Daten der indischen Sonde "Chandrayaan-1" deuten darauf hin, dass es auf dem Mond doch mehr Wasser gibt als gedacht. Bisher wurde angenommen, dass der Erdtrabant durch eine Kollision mit einem anderen Himmelskörper entstand und die Hitze das Wasservorkommen zerstörte. Schon 2008 waren Forscher in Mondproben der "Apollo"-Missionen auf Spuren von Wasser in kleinen vulkanischen Glaskügelchen gestoßen. Ralph Milliken von der Brown-Universität in Providence und Shuai Li von der Universität von Hawaii berichten nun im Fachblatt Nature Geoscience, dass diese über die gesamte Mondoberfläche verteilt sind.

Das Wasser könnte sich extrahieren lassen, was einen praktischen Nutzen hätte, meinen die Forscher: "Alles, was künftigen Monderforschern erspart, Mengen von Wasser von zu Hause mitzubringen, ist ein Schritt nach vorn." Baumjohann relativiert: "Das sind ganz kleine Mengen, die in Felsgestein eingeschlossen sind. Diese herauszubekommen, ist ein mühsamer Prozess."

Zwischenstation

Interessant könnte das 2022 werden: Dann sollen sich Astronauten wieder auf den Weg zum Mond machen – sie wären damit die ersten seit der Apollo-Mission 1972, die einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen und den Weltraum jenseits der Internationalen Raumstation ISS (die nur 400 km von der Erde entfernt ist) erkunden.

Derzeit baut die amerikanische Firma Lockheed-Martin an einem Raumschiff, dessen Kapsel Platz für sechs Astronauten bietet. Die "Orion" ist ein Gemeinschaftsprojekt von NASA und ESA, Weltraumagenturen der USA und Europas. 2019, so der Plan, soll das Schiff erstmals starten, allerdings unbemannt.

"Die Europäer haben sich momentan auf den Mond eingeschossen", sagt Wolfgang Baumjohann. "Dabei ist er wissenschaftlich nicht so interessant, weil man schon sehr viel herausgefunden hat. Es ist ein bisschen so: Mars ist zu schwierig und zu teuer – also fahren wir eben zum Mond." Weil die Reise zum Roten Planeten ein knappes Jahr dauert, könnte der Mond eine Art Zwischenstation werden. "Der Mond ist eher als Übungsgelände geeignet", sagt Baumjohann. "Es macht sicher Sinn, den Weg ins Weltall weiterzugehen. Aber das endgültige Ziel ist und bleibt der Mars."