APA3846913-2 - 28032011 - MELK - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT II - THEMENBILD - Illustration zum Thema "Pensionisten, Pensionen, Rentensystem": Eine Pensionistin stützt sich am Montag, 28. März 2011, auf ihren Gehstock. APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER

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07/08/2013

Länger leben, weniger Krankheiten

Ein gesunder Zuckerstoffwechsel dürfte einen positiven Einfluss auf die Lebenserwartung haben.

von Ernst Mauritz

Der Zusammenhang zwischen dem Zuckerstoffwechsel und einem langen Leben in Gesundheit dürfte stärker sein als bisher angenommen. „Es zeigt sich, dass Substanzen, die dazu führen, dass der Körper empfindlicher auf das körpereigene Hormon Insulin reagiert, im Tierversuch auch lebensverlängernd wirken“, sagt Univ.-Prof. Christoph Gisinger, Institutsdirektor vom Haus der Barmherzigkeit in Wien. Dies sei kürzlich auch ein großes Thema beim Weltkongress für Gerontologie (Wissenschaft vom Altern) und Geriatrie (Altersmedizin) in Seoul, Südkorea, gewesen, so Teilnehmer Gisinger.

Rund 600.000 Österreicher haben Typ-2-Diabetes. Dabei wird der Körper gegen das eigene Insulin immer unempfindlicher („Insulinresistenz“) – er produziert deshalb immer mehr davon, bis die Bauchspeicheldrüse erschöpft ist. Insulin transportiert den Zucker aus dem Blut in die Muskelzellen – dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. „Das Antidiabetikum Metformin verringert diese Unempfindlichkeit gegenüber Insulin. Gleichzeitig hat sich hier im Tierversuch eine lebensverlängernde Wirkung gezeigt.“

In Seoul präsentierte Studie zeigten auch bei einem Extrakt aus unreifen Avocados sowie bei einem Parkinson-Medikament im Tierversuch positive Effekte auf den Insulinstoffwechsel. „Jetzt sind Studien geplant, ob es auch hier eine lebensverlängernde Wirkung gibt.“

Doch die Lebenszeitverlängerung alleine steht nicht im Vordergrund dieser Forschung: „Viele chronische Krankheiten zeigen sich erst im Alter gehäuft. Wenn es jetzt mit solchen Substanzen vorbeugend gelänge, den Alterungsprozess positiv so zu beeinflussen, dass diese Alterskrankheiten seltener oder in einer leichteren Verlaufsform auftreten, dann hätte man mehrere positive Effekte. Natürlich ist das derzeit Spekulation – aber auf dem Weltkongress hat sich gezeigt, dass die Forschung in die Richtung geht.“

Die Hinweise, dass ein enger Zusammenhang zwischen einer längeren Lebenserwartung und einem guten Ansprechen des Körpers auf sein Insulin besteht, haben für ihn als Internisten schon jetzt Konsequenzen: „Für mich heißt das, dass es ein zusätzliches Argument gibt, einerseits vorbeugend alles zu tun, um den Blutzuckerspiegel in einem normalen Bereich (nüchtern unter 100 mg/dl bei Gesunden, für Diabetiker gibt es andere Zielwerte, Anm.) zu halten. Diabetiker sollten eine zusätzliche Motivation haben, auf eine gute Einstellung ihres Blutzuckerspiegels zu achten.“ Bekannte Empfehlungen, um den Insulinstoffwechsel zu verbessern – Gewicht reduzieren, mehr Bewegung –, würden noch an Bedeutung für ein gesundes Altern gewinnen.

Keine Option sei es, vorbeugend Medikamente gegen Diabetes zu schlucken: „Dafür fehlt derzeit jegliche Datengrundlage. Und diese Medikamente können auch Nebenwirkungen haben.“

Kalorienreduktion

In Tierversuchen habe sich auch gezeigt, dass eine Kalorienreduktion (caloric restriction) um 40 % lebensverlängernd wirkt. „Aber nur die Kalorien derart zu reduzieren, ist auch nicht anzuraten: Man müsste gleichzeitig Vitamine und Spurenelemente ersetzen, damit es zu keinen Mangelerscheinungen kommt.“

Österreich gehört zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung weltweit – vergleichbar etwa mit Schweden. Die Schweden haben aber im Schnitt fünf bis sieben mehr gesunde Jahre (siehe Grafik). „Über die Ursachen kann derzeit nur spekuliert werden“, sagt Gisinger: „Es kann ein höheres Gesundheitsbewusstsein sein und bessere Prävention. Oder es ist einfach ein subjektiv besseres Empfinden. Viele dieser Daten stammen aus Umfragen, und wir Österreicher neigen zum Raunzen. Schweden hat auch pro 100.000 Einwohner nur halb so viele Akut-Krankenhausbetten. Vielleicht führt alleine der Umstand, dass man dadurch viel seltener ein Spital sieht, automatisch zu besserem Gesundheitsempfinden.“

Durch eine höhere Lebenserwartung schiebe sich jedenfalls auch der Beginn der Pflegebedürftigkeit nach hinten: „Und die Dauer dieser Zeit komprimiert sich. Wenn jemand, der mit 82 gestorben ist, zwei Jahre pflegebedürftig war, wäre er dies bei einer Lebenserwartung von 87 Jahren wahrscheinlich nur mehr zirka eineinhalb Jahre gewesen.“

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