Wissen
20.02.2018

Neu: Pflichtpraktikum an kaufmännischen Schulen

Chance für Schüler und Unternehmen. Welche Veränderungen es an den kaufmännischen Schulen für Schüler und Firmen gibt

Auf über 47.000 Schüler und Schülerinnen an 117 kaufmännischen Schulen in ganz Österreich kommt eine wichtige Änderung zu. Wie Schüler technischer und gewerblicher mittlerer und höherer Schulen, müssen nun auch sie während der Schulzeit ein verpflichtendes Praktikum absolvieren. Wer im Jahr 2019 kein Praktikumszeugnis vorzuweisen hat, kann nicht zur Matura antreten.

Bisher kommen die Schüler mit der Neuregelung gut zurecht – jedenfalls jene der Vienna Business Schools. Erfahrungsgemäß finden sie alle einen Praktikumsplatz, – die meisten finden über Familien- und Bekanntenkreise. 90 Prozent der Schüler organisieren sich dann selbstständig ihre Bewerbung. So auch die HAK- Schüler Andjelina Guskic und Sohbat Singh Dhanju, die zu einem Hintergrundgespräch der Vienna Business Schools geladen waren.

Andjelina hat im vergangenen Sommer bei einem Steuerberater gearbeitet. Den meisten Spaß hat ihr das Berechnen der Diäten für Flugbegleiter gemacht. Sohbat Dhanju gehört zu den wenigen Schülern, die ihr Praktikum im Ausland absolvieren. Er konnte in einem indischen Unternehmen in Punjab im Marketing Erfahrung sammeln.

Wer nicht über solche Kontakte verfügt, kann Jobbörsen der Schulen konsultieren. Manchmal lassen auch Lehrer ihre Kontakte spielen, um für die Schüler ein Praktikum zu organisieren.

Im Vorfeld werden die Jugendlichen in der Schule gut vorbereitet. So gibt es an HAKs etwa Fächer wie „Business Behaviour“, in denen die Schüler lernen, sich professionell zu bewerben und beispielsweise Bewerbungsgespräche trainieren.

Entlohnung

In vielen Branchen – etwa im großen Bereich des Handels – ist die Entlohnung der Pflichtpraktikanten kollektivvertraglich geregelt. Das Gehalt orientiert sich an den Lehrlingsentschädigungen. Dies sei eine durchaus sinnvolle Regelung, erklärt der Präsident des Fonds der Wiener Kaufmannschaft, Helmut Schramm. „Das gibt den Unternehmern Rechtssicherheit. Es ist nicht so, dass Schüler bei den Praktika zuschauen und nichts dafür bekommen. Die Unternehmer sollen durch eine zu hohe finanzielle Belastung aber auch nicht davon abgehalten werden, Praktikanten aufzunehmen.“

Die Praktika sollen Vorteile für beide Seiten bringen: Die Jugendlichen sammeln erste Berufserfahrung und die Arbeitgeber haben die Möglichkeit, gute Mitarbeiter für die Zukunft zu finden, Personallücken über den Sommer zu füllen ( das ist eher zweitrangig) und bekommen Inputs junger, qualifizierter Leute, was sich laut Schramm vor allem beim Marketing lohnt.

Deshalb möchte Helmut Schramm einen Appell an kleine und mittlere Unternehmen der regionalen Wirtschaft richten, ebenfalls Praktikanten aufzunehmen. Bisher waren die meisten Schüler in größeren Betrieben beschäftigt, doch gerade in kleineren Unternehmen können sie abwechslungsreicher eingesetzt werden– und beide Seiten würden davon profitieren. Unternehmer, die daran interessiert sind, Praktikanten aufzunehmen, können sich an die Direktoren der Handelsschulen wenden.

Was, Wie, Wo: Die wichtigsten Infos rund um das Praktikum

An Handelsschulen sind 150 Praktikumsstunden vorgeschrieben, an Handelsakademien sind es 300 Stunden (ca. 7 ½ Wochen).
Diese werden meist in zwei Etappen absolviert – häufig nach der zweiten und dritten Klasse.
Die Jugendlichen werden vor allem für qualifizierte Bürotätigkeiten eingesetzt, etwa im Marketing, in der Buchhaltung, im Ein- und Verkauf. Sie können auch in Handelsbetrieben, Banken oder Versicherungen arbeiten.
Die Schulen teilen bei Praktika vorab mit, ob das jeweilige Praktikum als facheinschlägige, qualifizierte Tätigkeit erachtet und angerechnet wird. Es ist auch möglich, kaufmännische Tätig- keiten bei NGOs anrechnen zu lassen.
Immer öfter werden Praktika während des Schuljahres in Form einer geringfügigen Beschäftigung absolviert. Das Pflichtpraktikum kann auch im Ausland durchgeführt werden.