Wissen und Gesundheit
01.06.2017

Nachhilfe kostet Familien heuer 103 Millionen Euro

Lernen daheim stresst Eltern zeitlich und fachlich, bezahlte Übungsstunden kommen schon für Volksschüler teuer.

Wenn Schüler mit dem Lernen nicht alleine zurecht kommen, belastet das meist den Familienfrieden und das Haushaltsbudget. Eltern müssen als Nachhilfelehrer einspringen oder für Übungszeit außer Haus bezahlen.

Das Meinungsforschungsinstitut IFES befragte dazu im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) 3500 Eltern und liefert nun konkrete Zahlen: 226.000 Kinder und Jugendliche ab der Volksschule brauchten heuer private Nachhilfe, der Anteil an Schulkindern ist mit 23 Prozent genau so hoch wie im Vorjahr. Eltern gaben dafür hochgerechnet 103 Millionen Euro aus.

Mehr Geld für Schulen

"Lernen und Üben müssen in der Schule stattfinden. Weder die Eltern noch die Nachhilfeinstitute sollen die grundlegende Aufgabe der Schule übernehmen", sagt AK-Präsident Rudi Kaske. Kollege Markus Wieser aus Niederösterreich betont: "Es braucht an den Schulen dringend ganztägige Betreuungsangebote und eine Schulfinanzierung nach einem Chancen-Index." Das bedeute mehr Geld für Schulen mit Kindern, die nicht von den Eltern beim Lernen unterstützt werden können.

Eltern als Lehrer

44 Prozent der Schüler lernen und üben täglich oder mehrmals pro Woche mit ihren Eltern. Vor allem die Unterstützung der Mütter ist gefragt. Vier von zehn Eltern sind durch das Helfen und Üben zeitlich sehr oder ziemlich belastet. Drei von zehn fühlen sich zumindest teilweise fachlich überfordert. Das alles führt zu Stress und innerfamiliären Konflikten. Eltern wünschen sich kostenlose Nachhilfeangebote an den Schulen, den Ausbau des Förderunterrichts und mehr schulische Nachmittagsbetreuung mit individueller Förderung.

Problemlöser Ganztagsschule?

Die aktuelle Befragung spricht für die Ganztagsschulen: 81 Prozent der Eltern von Kindern in ganztägiger Betreuung geben an, dass sie weniger oder gar keine Nachhilfe benötigen. Schulische Nachmittagsbetreuung reduziert ebenfalls den Nachhilfebedarf. Hier geben 69 Prozent der Eltern an, dass ihre Kinder weniger oder gar keine Nachhilfe benötigen. Nicht alle Experten sehen in der ganztägigen Betreuung an Schulen die Lösung von Lernproblemen.