© /Christine Glade/iStockphoto

Umstritten
12/17/2015

Mit dem Kater in die Hangover-Klinik

In Sydney wird der "Post-Party-Blues" mit Infusionen bekämpft.

von Ernst Mauritz

Eine "umwerfende Behandlung" nach einer "umwerfenden Nacht": So wirbt die neue australische "hangover clinic" in Sydney für ihr Angebot "in der schlimmsten aller Situationen" - gemeint ist: Nach dem ärgsten aller Kater. "Dieses einstündige Package hilft Ihnen mehr als alles andere, mit dem Post-Party-Blues fertig zu werden."Resurrection" ("Auferstehung") heißt das teuersteTop-Behandlungsangebot (um umgerechnet 130 Euro) in der neuen "hangover clinic": Infusionen, die den katerbedingten Flüssigkeitsverlust ausgleichen und mit Vitaminen, Antioxidantien sowie Medikamenten gegen Übelkeit und Kopfweh angereichert sind.

Etwas günstiger - bei milderen Katerformen - sind die Infusionsangebote "Jump Start" und "Energise". Welches auch immer man wählt - alle drei bringen einen "back on track", ist man in der Klinik überzeugt.

Idee aus Skigebieten

Die Idee dazu schaute sich Co-Gründer Max Petro in Skigebieten in den USA und Australien ab: Pistenkontrollpersonal soll sich dort immer in der Früh mit Infusionen nach langen Après-ski-Nächten fit für die Arbeit gemacht haben. Der "Post-Party-Blues" verschwinde wie nichts. "Auch nach einer solchen Nacht mit Schnaps war das Ski-Patrol-Team in der Früh immer frisch." Petro weiß, wovon er spricht: Er war selbst als Skilehrer tätig. Und dieses Wissen um die Härte der Après-ski-Nächte sei auch die Grundlage für die heute "Leidenschaft" der hangover clinic: "Wir wollen, dass die Menschen mehr aus ihrer Freizeit herausholen können."

Entsetzen bei Ärzten

Viele australische Mediziner sind allerdings entsetzt: "Dieses Angebot ermutigt Menschen zum Alkoholkonsum", sagt Stephen Parnis, Vizepräsident der "Public Health Association of Australia", im Sydney Morning Herald. Und es laufe medizinischen Bestrebungen entgegen, die Zahl von Infusionen – nicht zuletzt wegen der Infektionsgefahr – auf das unbedingt notwendige Minimum zu reduzieren. "Das ist keine magische Kater-Kur", wettert Parnis. "Die Menschen schaden sich, wenn sie weiterhin hohe Mengen Alkohol trinken."

"Wir sind kein Pub"

Max Petro verteidigt sich: "Wir servieren keinen Alkohol und sind auch kein Pub. Wir ermutigen Menschen zum Vieltrinken genauso stark wie Krankenhäuser Menschen dazu ermutigen, krank zu werden" - also gar nicht, wie er meint.

Und deshalb gibt es auch eine besondere Geschenksidee für Weihnachten: Den "resurrection voucher" - den Gutschein für die "Auferstehungsbehandlung" (siehe Bild). Ob er im Multipack billiger ist, verrät die Homepage allerdings nicht.

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