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02/12/2012

Mythos Detox – was er wirklich kann

Detox-Kuren zum Entgiften sind nicht nur bei Hollywood-Stars beliebt. Aber nicht immer hält der Körper-Großputz, was er verspricht.

von Ingrid Teufl

Stars wie Salma Hayek oder Gwyneth Paltrow schwören auf ihr jährliches Detox-Reinigungsritual. In den Supermarktregalen finden sich Detox-Produkte vom Mineralwasser über Shampoo bis zum Nahrungsergänzungsmittel. Sogar Detox-Yoga gibt es mittlerweile. Die Asanas sollen speziell die Durchblutung anregen, damit Schadstoffe besser abtransportiert werden. Die Fülle des Angebots repräsentiert einen florierenden Gesundheitstrend. Doch was ist tatsächlich dran am Mythos Detox?

Unter diesem Namen firmiert alles, was den Körper entgiftet sowie Stoffwechsel und Energiehaushalt verbessert. Und dass dabei meist auch die Kilos purzeln, steigert den Hype als Diät-Wunder. Der Ernährungsmediziner Christian Matthai beschäftigt sich seit Jahren damit: „Viele missbrauchen Detox zum Abnehmen. Da wird Fasten, Entschlacken und Entgiften in einen Topf geworfen.“

Keine Diät

Die Bezeichnung kommt aus dem Englischen und steht für entgiften. „Und entgiften wird fälschlicherweise von vielen mit dem kompletten Verzicht von Nahrungsmitteln verbunden – begleitet von einer Darmreinigung.“ Gewicht verliere man, weil Wasser und Muskelmasse abgebaut wird. „Dabei heißt Detox nichts anderes als: Leb gesund und verwende Produkte, die den Körper unterstützen. Denn er ist von der Natur wunderbar dafür ausgestattet und vieles bemerken wir gar nicht.“

Ebenso wenig merken wir, dass wir unseren Organismus durch Stress und falsche Ernährung über Gebühr belasten. „Dann kann er seine Entgiftungsarbeit nicht mehr optimal erfüllen, irgendwann können die vorhandenen Regulationsmechanismen das nicht mehr ausgleichen“, erklärt Matthai. Langfristig führe das zu Zellschädigungen.

Die Basis von Detox-Konzepten ist eine ausgewogene Ernährung, die verstärkt auf frisches Gemüse, Obst und Vollkornprodukte setzt. Matthai definiert das Grundkonzept so: „Die Entgiftungsarbeit des Körpers soll mit Nahrungsmitteln unterstützt werden, die den Abtransport von Schadstoffen nachweislich fördern.“ Ebenso kann die Arbeit der Enzyme angeregt und gefördert werden. „Sie sind unsere Biokatalysatoren, die bestimmte Stoffwechselvorgänge beschleunigen.“

Beispiele für solche unterstützenden Nahrungsmittel: Artischocke, Rote Rüben oder Granatapfel. „Sie sind wirkliche Highlights der Entgiftung, weil sie Leber und Niere anregen.“ Für Matthai ist es auch legitim, diese Wirkung von „Nahrungsmitteln, die man nicht täglich isst“, als Nahrungsergänzung zu nutzen.

Wirkungslos

Wovon allerdings wenig zu halten ist, sind spezielle Detox-Produkte. Das haben britische Wissenschaftler herausgefunden. Die gemeinnützige Stiftung „Sense about Science“ untersuchte mehr als ein Dutzend davon. Körperpflegeprodukte waren ebenso vertreten wie Getränke. Alle wurden als wirkungslos eingestuft. Fazit der Forscher: Dieselben Ergebnisse könnten auch mit gesunder Ernährung, Verzicht auf Alkohol sowie ausreichend Bewegung und Schlaf erzielt werden.

Wellness: Anleitung zur Schadstoff-Ausleitung daheim

Detox-Kuren haben auch im Wellness-Sektor ihren Platz gefunden. „Viele sind vom Alltag überlastet und suchen einen Ausgleich“, erklärt Jens Huckenbeck.

Er leitet in der Therme Laa/Thaya den im November 2011 eröffneten „VitalityMed“-Bereich. Mit Ärzten habe man ein Entlastungsprogramm entwickelt, das Ernährung, Bewegung und Entspannung vereint. Auch Elemente der F.-X.-Mayr-Kur sind integriert.

Ist jedoch eine optimale Entlastung des Körpers bei einem kurzen Wellnessaufenthalt überhaupt möglich? Huckenbeck: „Wir sehen es als Gesundheitsurlaub. Die Anwendungen werden ärztlich begleitet. Wir wollen den Gästen etwas mitgeben, das sie dann auch im Alltag umsetzen können.“

Die Detox-Programme sind in Laa nur bei einem Mindestaufenthalt von neun Tagen buchbar. Kostenpunkt: ab 1910 Euro. Das Argument dafür: „Speed-Wellness gibt es bei Detox nicht. Man muss dem Körper die Zeit geben, damit er sich umstellen kann.“ Die Qualität einer solchen Umstellung zeige sich frühestens nach drei bis vier Tagen. „Da merkt man schon, dass sich die Stoffwechselprozesse positiv verändern.“

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