Mythos Alkohol: Was stimmt wirklich?

Bier lässt Männern Brüste wachsen, Schnaps regt die Verdauung an und durcheinander sollte man besser nicht trinken – Alkoholmythen unter der Lupe.

Schnaps regt die Verdauung an. Nach einem üppigen und fetten Essen wird häufig ein Glas Schnaps serviert. Tatsächlich entspannt sich die Magenmuskulatur danach kurz, das Völlegefühl wird weniger stark empfunden. Anders als der verbreitete Irrglaube, zeigen hochprozentige Alkoholika aber keine zusätzliche Wirkung auf die Verdauung. Bier und Wein, übrigens auch Kaffee, können hingegen anregend auf die Magensäure sowie ihre Produktion und damit auf die Verdauung wirken. Fettes Essen bremst Alkohol. Vor dem Genuss alkoholischer Getränke greifen viele zu fettreichen Gerichten wie Burger, Pommes oder Pizza, um so für die "richtige Unterlage" zu sorgen. Tatsächlich verzögert Essen, und zwar fettes ganz besonders, die Aufnahme des Alkohols, weil sich der Alkohol und die Nahrung im Magen vermischen. Das Gemisch zu verdauen dauert länger – der Alkohol gelangt später in den Darm und auch später in die Blutbahn. Durcheinandertrinken sorgt für einen ordentlichen Kater. Verschiedene Sorten Alkohol durcheinander zu trinken, soll die Folgen am nächsten Tag verschlimmern. Das stimmt nicht ganz. Für den Kater am Tag danach sind vor allem Menge und Qualität der getrunkenen alkoholischen Getränke ausschlaggebend. Oft steigt beim Durcheinandertrinken aber auch die Menge des Alkohols an, weshalb der Kater stärker ausfällt - mit der Reihenfolge hat dies jedoch nichts zu tun. Bier lässt die Brüste wachsen. Bei Männern trifft dies zum Teil zu. Eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüsen wird durch eine Störung des Hormonhaushalts zugunsten weiblicher Sexualhormone verursacht. Diese weiblichen Sexualhormone können bei Leberschäden, wie sie durch häufigen Alkoholkonsum generell auftreten können, nicht mehr vollständig abgebaut werden. Aber auch Phytoöstrogene, die im Hopfen vorkommen, sowie Fetteinlagerungen können am Brustwachstum beteiligt sein. Bier macht einen dicken Bauch. Der "Bierbauch" hat seine Ursache nicht allein im Bier – das konnten einige Studien zeigen. Zwar ist ein Glas Bier nicht gerade kalorienarm, wichtiger ist allerdings der gesamte Lebensstil. Wer regelmäßig Sport treibt und auf seine Ernährung achtet, braucht bei mäßigem Bierkonsum keine Angst vorm Bierbauch zu haben. Bier auf Wein, das lass sein. Wein auf Bier, das rat‘ ich dir. Dieses bekannte Sprichwort trifft nicht zu. Die Reihenfolge der beiden Getränke ist – wie bei allen alkoholischen Getränken – völlig egal. Der Spruch dürfte seinen Ursprung im Mittelalter haben, wo Bier als Getränk des Pöbels galt, während Wein nur die Noblen tranken – der Rat Wein auf Bier zu trinken, spielt auf einen sozialen Aufstieg an. Rotwein ist gesund. In Maßen getrunken, schützt der Rotwein tatsächlich vor Erkrankungen der Herz- und Blutgefäße. Eine Ursache dafür sind die so genannten Polyphenole in den Schalen der roten Trauben, die einer Verkalkung der Blutgefäße entgegenwirken. Wasser zwischendurch reduziert die Alkoholaufnahme. Wer nicht nur alkoholische Getränke konsumiert, sondern immer wieder auch ein Glas Wasser trinkt, verdünnt den Alkohol im Magen – er wird weniger ins Blut aufgenommen, der Kater, der auch zu Störungen des Elektrolythaushalts führt, fällt geringer aus. Mineralstoffreiche Snacks wie Nüsse, Käse oder eine kräftige Suppe füllen den Mineralstoffspeicher auf. Ein "Reparaturseidl" mildert den Kater. Ein Bier am Tag danach ist für viele ein Allheilmittel gegen Kopfschmerzen und andere Katererscheinungen. Das "Reparaturseidl" hilft allerdings nur kurzzeitig. Die neuerliche Alkoholzufuhr verzögert den Abbau des Alkohols nur, der Effekt hält aber nicht dauerhaft an, irgendwann muss er abgebaut werden. Kräftige Menschen vertragen mehr als schmächtigere. Das kann ein Trugschluss sein. Der Alkohol verteilt sich im Blut, ausschlaggebend ist daher die Blutmenge, nicht das Körpergewicht allein. Die Beeinträchtigung durch alkoholische Getränke hängt außerdem von vielen Faktoren, etwa der körperlichen Konstitution, Tagesverfassung, Art und Menge des Alkohols oder Nikotinzufuhr ab. Kohlensäure beschleunigt den Rausch. Kohlensäurehaltige Getränke wie Sekt und Mischgetränke sollen rascher ihre Wirkung entfalten. Das stimmt. Die Kohlensäure regt die Durchblutung der Magenschleimhaut an, der Alkohol wird schneller aufgenommen. Alkohol macht aggressiv. Auf manche Menschen trifft diese Aussage zu, auf andere überhaupt nicht. Suchtexperten gehen davon aus, dass Alkohol enthemmt und Charaktereigenschaften verstärkt. Wer ohnehin ein aufbrausender Typ ist, bei dem kann sich dieser Zug durch Alkoholkonsum noch verstärken. Wird man aber durch Wein oder andere Getränke schnell müde, bleibt man meist müde, egal wie schnell man sonst die Nerven verliert. Frauen sind weniger trinkfest als Männer. Tatsächlich vertragen Männer im Durchschnitt mehr Alkohol als Frauen. Das liegt unter anderem an einem geringeren Körpervolumen, einem höheren Körperfettanteil, einem kleineren Lebervolumen im Vergleich zur Körperoberfläche, einer verminderten Enzymaktivität sowie an Unterschieden im Hormonhaushalt. Der Alkoholspiegel bleibt länger höher als bei Männern, die die gleiche Menge Alkohol getrunken haben. Alkohol wärmt. Fast jeder kennt das Gefühl: Im Winter fühlt sich ein Häferl Punsch nicht nur wohlig warm an, sondern es soll tatsächlich die Körpertemperatur erhöhen. Das stimmt nur bedingt. Zunächst weiten sich die Blutgefäße tatsächlich, was zu einem angenehmen Wärmegefühl führen kann. Dadurch fließt das Blut jedoch stärker in die Peripherie des Körpers, die Wärme wird nach außen abgegeben. Während man sich also gewärmt fühlt, sinkt die Körpertemperatur in Wirklichkeit sogar ab.
(Kurier) Erstellt am
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