Bei MS ist die Übertragung der elektrischen Nervensignale beeinträchtigt

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Nervensystem
02/20/2016

Multiple Sklerose: Was die neuen Therapien bringen

KURIER-Gesundheitstalk am 24.2.mit Top-Experten.

von Ernst Mauritz

Es ist eine Diagnose, die viele zwischen 20 und 40 Jahren trifft: Multiple Sklerose. "Durch eine Art Überfunktion des Immunsystems kommt es bei der MS zu einem Angriff von Abwehrzellen, deren eigentliche Aufgabe die Abwehr von Infektionen ist, auf die Nervenzellen", sagt der Neurologe Univ.-Prof. Fritz Leutmezer von der MedUni Wien (siehe Grafik). Leutmezer ist einer der Podiumsdiskutanten beim KURIER-Gesundheitstalk zum Thema Multiple Sklerose am kommenden Mittwoch, 24.2. (siehe Ende des Artikels).

Seit einigen Jahren werden zunehmend neue Therapien zugelassen, die direkt in den Prozess der Krankheitsentstehung eingreifen: Diese Medikamente "fahren das Immunsystem auf ein normales Niveau hinunter". Rund ein Drittel der Patienten ist dadurch über lange Zeit ohne Krankheitsaktivität: Sie haben keinen Schub, kein Anzeichen einer Verschlechterung und auch keine sichtbaren Entzündungszeichen in der Magnetresonanztomografie. "Bei der schubförmigen MS – der Mehrzahl der Erkrankungen – ist die Entwicklung ähnlich rasant wie bei den Mobiltelefonen", sagt Leutmezer. Ganz am Anfang stehen die Therapiemöglichkeiten hingegen bei der chronisch fortschreitenden MS: "Aber auch hier werden in den kommenden Jahren neue Substanzen erwartet."

Überwachung

"Die Behandlung der MS wird zunehmend vielfältiger und komplexer", sagt auch OA Helmut Rauschka vom SMZ-Ost Donauspital. Doch das mache eine "konsequente Planung und Überwachung der Therapie" notwendig. "Wenn man dauerhaft in das Immunsystem eingreift, besteht die Gefahr von Nebenwirkungen wie schweren Infektionen", so Leutmezer.

Deshalb sei es wichtig, durch Kontrollen rechtzeitig jene Patienten herauszufinden, "die Gefahr laufen, solche Nebenwirkungen zu erleiden". In diesem Fall sei es oft notwendig, auf ein anderes Präparat umzusteigen.

Gleichzeitig sei es auch wichtig, bei aggressivem Krankheitsverlauf und zu geringer Wirkung der Ersttherapie "rechtzeitig auf ein stärker wirksames Medikament umzustellen", so Rauschka. "In solchen Fällen wird auch der Patient eher dazu bereit sein, ein Restrisiko durch die Therapie in Kauf zu nehmen, wenn er dadurch Schäden im Gehirn vermeiden kann", so Leutzmezer.

Über die MS-Auslöser herrscht noch viel Unklarheit. Genetische Faktoren spielen eine Rolle, MS ist aber keine Erbkrankheit. Bei einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus gilt ein Zusammenhang mit MS als wahrscheinlich. Ausreichend Sonnenlicht und hohe Vitamin-D-Spiegel dürften ein Schutzfaktor sein, Rauchen ein Risikofaktor für den Ausbruch von MS und schwerere Verläufe.

Der Gesundheitstalk am 24. 2.

Multiple Sklerose ist das Thema des Gesundheitstalks am Mittwoch, 24. 2., 18.30 Uhr.

KURIER-Ressortleiterin Gabriele Kuhn spricht mit Univ.-Prof. Fritz Leutmezer (MedUni Wien),
OA Dr. Helmut Rauschka (SMZ-Ost Donauspital) und
Dr. Anja Krulis-Krystyn (Ärztin und Betroffene).

Ab 17.30 Uhr beantwortet Mag. Rolf Reiterer sozialrechtliche Fragen.

Veranstaltungsort

Van-Swieten-Saal der Medizinischen Universität Wien, Van-Swieten-Gasse 1a (Ecke Währinger Str.), 1090 Wien.

Veranstalter: KURIER, MedUni Wien und Novartis.

Sehen Sie hier eine Infografik zum Thema Multiple Sklerose:

Nicht so weitermachen wie bisher

Anja Krystyn machte vor 20 Jahren nach ihrem Medizinstudium einen Lehrgang im Bereich Internationale Beziehungen – "ich war sehr karriereorientiert, wollte beides verbinden", erzählt sie heute.

Doch dann kam die Diagnose "MS" – und Krystyn schlug als Reaktion einen anderen Lebensweg ein: "Bis dahin hatte ich meine künstlerischen Interessen völlig unterdrückt. Nach der Diagnose wurde ich Schauspielerin, schrieb Bühnenstücke und zuletzt einen Roman.

Vielfach hat es in meiner Umgebung aber an Verständnis gefehlt – viele wollten sich nicht auf mein neues Leben einstellen." Anja Krystyn ist überzeugt, dass diese Umstellungen den Verlauf ihrer Krankheit "positiv beeinflusst" haben. "Meine Botschaft ist, dass man nach so einer Diagnose nicht so weitermachen kann wie bisher – und mehr auf psychosoziale Faktoren achten muss."

In ihrem Roman "Die Beine der Spitzentänzerin" erkrankt eine Managerin an MS – und ändert ihr Leben radikal: "Sie tut wieder Dinge, die sie gerne tut. Und ist auf dem Weg der Heilung."

Buchtipp: Anja Krystyn, Die Beine der Spitzentänzerin, Der Verlag, 244 Seiten, 19,90 Euro