Wissen und Gesundheit
29.11.2016

Mehrere Fälle von Skorbut in Australien

Als Klassiker gegen Skorbut gilt Sauerkraut. © Bild: Getty Images/iStockphoto/Hallgerd/iStockphoto

Auslöser der früheren Seemannskrankheit ist ein Mangel an Vitamin C. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Auch im 21. Jahrhundert ist man offenbar nicht vor Skorbut gefeit: In Australien wurde jetzt bei zwölf Menschen ein massiver Vitamin-C-Mangel diagnostiziert. Das überrascht. Denn die Krankheit war bis ins 19. Jahrhundert vor allem bei Seefahrern gefürchtet, die monatelang auf den Meeren unterwegs waren und hatte seither ihren Schrecken verloren. Für viele galt sie sogar als ausgerottet. Doch die Erkrankung entsteht durch eine Mangel-Versorgung durch Vitamin C - nimmt man über einen längeren Zeitraum zu wenig davon über die Nahrung auf, zeigen sich rasch Symptome.

Lesen Sie, wie Skorbut entsteht und wie es sich leicht verhindern lässt.

Wie macht sich ein Vitamin-C-Mangel bemerkbar?

Erhält der Körper länger als drei bis vier Montate kein Vitamin C, kann er kein Kollagen mehr produzieren und kein lebensnotwendiges Eisen mehr aufnehmen. Dieses schützt das Bindegewebe. Ohne Kollagen verlieren die Gefäße ihre Elastizität und reißen auf. Das macht sich zuerst im Mund bemerkbar. Es entzündet sich zum Beispiel das Zahnfleisch, beginnt zu bluten und zieht sich zurück. Bei den Seefahrern entwickelte sich daraus in früheren Jahrhunderten eine Zahnfäule. Daher dürfte auch der Name Skorbut kommen. Das lateinische Wort bezeichnet "Mundfäule".

Welche Symptome können noch auftreten?

Die Patienten klagen über Nasenbluten, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust sowie Knochen- und Gelenksschmerzen. Dazu kommt eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte. Unbehandelt führt Skorbut zum Tod.

Wie kann man sich vor Skorbut schützen?

Vitamin C kann vom Körper nicht gebildet werden und muss daher über die Nahrung zugeführt werden. Bei einer modernen, ausgewogenen Ernährung ist die Versorgung normalerweise gewährleistet. Doch durch einseitige Ernährung, etwa durch Fast Food, oder durch Krankheiten wie Diabetes kann die Vitamin-C-Aufnahme eingeschränkt sein. Viel Vitamin C ist etwa in grünen Gemüsesorten wie Kraut, Kohl oder Brokkoli enthalten. Auch Paprika, Kiwi und Zitrusfrüchte verfügen über hohe Anteile. Wichtig ist, die Lebensmittel vorwiegend frisch zu verzehren oder nur wenig zu garen. Denn durch zu langes Kochen wird das empfindliche Vitamin C zerstört.

Was aßen die Seefahrer früher?

Auf See setzten die Seefahrer besonders auf Sauerkraut, das viel Vitamin C enthält. Durch seine milchsaure Vergärung ist es auch lange haltbar. Auch Erdäpfel standen am Speiseplan. Die englische Marine führte Zitronen- oder Limettensaft mit.

Wie wurde der Zusammenhang zwischen Skorbut und der Ernährung eigentlich entdeckt?

1754 stellte britische Schiffsarzt James Lind verschiedene Ernährungsversuche mit an Skorbut erkrankten Seemännern an. Er fand heraus, dass Zitrusfrüchte gegen die Erkrankung halfen. Durchgesetzt haben sich seine Erkenntnisse erst Jahre später. Der Kapitän James Cook wurde 1776 damit bekannt, mit Sauerkraut Skorbut auf seinen Schiffen besiegt zu haben. Erst 1919 wurde dieser gesunden Substanz der Name Vitamin C gegeben. Ein Jahr später konnte man es aus Zitronen isolieren, 1927 schließlich auch aus Paprika und Kohl.