ARCHIV - Eine junge Frau hält am 08.07.2012 in Düsseldorf ihren Babybauch. In der Kabinettssitzung am Mittwoch (13.03.2013) berät die Bundesregierung über den Ausbau der Hilfen für Schwangere und die Regelung der vertraulichen Geburt. Foto: Maurizio Gambarini dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

© dpa/Maurizio Gambarini

Hausgeburt
07/12/2013

Mehr Sicherheit zu Hause?

Laut einer Studie ist das Risiko für die Mutter geringer – ein umstrittenes Ergebnis.

von Sandra Lumetsberger

Hausgeburten sind für gesunde Mütter weniger riskant als Entbindungen in der Klinik – dieses Ergebnis einer niederländischen Studie gibt Anlass zur Diskussion.

Hebammenwissenschafterin Anke de Jong von der Uni Amsterdam untersuchte mehr als 140.000 Geburten und stellte fest, dass die geplanten Hausgeburten deutlich besser verliefen als jene in den Kliniken. Bei den Frauen kam es zu weniger Gebärmutter-Rissen, selten zu einem Verlust von mehr als einem Liter Blut und auch die Plazenta musste weniger häufig manuell hervorgeholt werden.

Moenie van der Kleyn, Leiterin des Studiengangs für Hebammen an der FH Joanneum Graz und Vorstand im Hebammengremium Österreich, betont, dass Hausgeburten nur unter speziellen Voraussetzungen durchgeführt werden sollen: Eine vorangegangene Kaiserschnittgeburt, schwangerschaftsbedingte Erkrankungen sowie die Querlage des Kindes gehören zu den Ausschlusskriterien. „Wenn man sich an diese Low-Risk-Gruppe hält, sind etwa weniger Dammschnitte und Wehenmittel sowie operative Eingriffe nötig.“ Und auch die Sterblichkeit der Kinder sei geringer. Allerdings gibt es auch Studien, die bei Hausgeburten eine erhöhte Komplikationsrate bei den Kindern sehen.

Für Monika Klasz, Hebamme im Geburtshaus „Von Anfang an“ in Wien (siehe re.) haben die Selektions-Kriterien oberste Priorität. „Leider müssen wir manche Frauen abweisen, aber das spricht für unsere Sicherheit.“

Eine Meinung, die Prim. Walter Neunteufel vom LKH Dornbirn persönlich nicht teilt. „Die beste Geburtshilfe findet nach wie vor im Krankenhaus statt. Geburtshäuser suggerieren eine Sicherheit, die es nicht gibt. Zudem legen die Krankenhäuser schon seit Längerem Wert auf eine familiäre Atmosphäre.“

Der Großteil der Frauen, die im Wiener Geburtshaus entbindet, bekommen ihr erstes Kind. „Sie suchen individuelle Betreuung und haben viele Fragen. In Krankenhäusern kann aufgrund des Zeitdrucks nicht so intensiv auf sie eingegangen werden“, sagt Klasz. Gynäkologe Neunteufel weist dies zurück: „Das stimmt nur bedingt. Der Personalstand bei Hebammen ist in Österreich enorm gestiegen und wird ständig aufgestockt.“

Hebammen-Kreißsaal

Eine Möglichkeit für mehr individuelle Betreuung in den Krankenhäusern sieht Moeni van der Kleyn in hebammengeleiteten Kreißsälen. „Jede Hebamme betreut im Kreißsaal nur eine werdende Mutter. Das soll der Hausgeburt möglichst nahekommen.“ Ärzte werden nur bei Komplikationen und Notfällen herangezogen. „In Österreich ist dieses System noch nicht so gut etabliert wie in Deutschland“, sagt van der Kleyn. Dort übernimmt auch die Krankenkasse alle Kosten.

Die Anzahl der Hausgeburten blieb in den vergangenen zehn Jahren mit jährlich rund 800 bis 900 gleich . Walter Neunteufel stellt einen ganz anderen Trend fest: die ambulante Geburt. „Zwei bis sechs Stunden nach der Geburt gehen die Frauen wieder nach Hause. Die Hebammen übernehmen die Nachsorge.“

Eine Geburt fast wie zu Hause

Eine Geburt in heimeliger Atmosphäre, fast wie in den eigenen vier Wänden, bieten Hebamme Monika Klasz und ihre Kolleginnen seit drei Jahren im Geburtshaus „Von Anfang an“. Während es in Deutschland rund 120 Geburtshäuser gibt, ist das Haus in Wien-Hietzing der dritte Standort in Österreich (neben Kärnten und der Steiermark). 230 Babys erblickten seither das Licht der Welt. „Die individuelle Betreuung gibt den Frauen Sicherheit und Vertrauen, so können sie loslassen. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, die wie zu Hause ist, wo aber die Nachbarn nicht alles mithören. Die Frauen können sich so besser entspannen.“ Die Verlegungsrate ins Krankenhaus liegt bei zehn Prozent. „Es muss einen Punkt geben, wo man sagt, wenn es nicht funktioniert, muss man in ein Krankenhaus überstellen“, sagt Klasz.

Kosten: 1400 € (inkl. Vor -und Nachbetreuung). 300 € refundiert die Wiener Gebietskrankenkasse.

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