Atemprobleme: Wenn die Nase streikt

© Zentralbild/Patrick Pleul

Krankenstände
10/11/2014

Mehr Erkältungen und Durchfälle, aber noch keine Grippewelle in Sicht

Ärzte können noch keine Influenza-Fälle nachweisen, aber leichter Anstieg bei Verkühlungen.

von Ernst Mauritz

Es klingt dramatisch: "7000 Kranke: Grippewelle überrollt Wien", lautete die Schlagzeile in einem Boulevardmedium. Die Influenza sei "in vollem Vormarsch".

"Wir haben noch keinen Hinweis auf Influenza", sagt dazu Univ.-Prof. Franz X. Heinz, Leiter des Departments für Virologie der MedUni Wien. "Diese 7000 Erkrankungen haben verschiedene Viren als Ursache, die stärkere Atemwegserkrankungen auslösen, und sind die ganz normale Hintergrundaktivität, die wir jedes Jahr um diese Zeit haben. Die Grippewelle kommt selten vor Weihnachten."

"Bei dieser hochgerechneten Zahl von 7000 Erkrankungen handelt es sich zum Großteil um grippale Infekte – aber es gibt noch keine erhöhte Aktivität von Influenza-Viren", sagt auch die Ärztin Ursula Karnthaler, Leiterin der Geschäftsstelle der Wiener Landessanitätsdirektion (MA 15). Rund 25 Wiener Ärzte melden wöchentlich die Zahl der in ihren Ordinationen diagnostizierten Fälle von grippalen Infekten und Grippe. "Diese Zahl wird dann auf ganz Wien hochgerechnet."

Durchschnittswert

Der Wert von wöchentlichen 7000 Neuerkrankungen Anfang Oktober entspricht exakt den langjährigen Durchschnittszahlen der Vorjahre, betont Karnthaler: 2013 waren es in der 40. Kalenderwoche sogar 7700 Neuerkrankungen.

Von einer Grippewelle wird erst ab 10.000 Neuerkrankungen pro Woche gesprochen – und es muss in einem großen Teil der Laborproben, die von Erkrankten gewonnen wurden, Influenza nachgewiesen werden.

"Ganz normal"

"Auch wir haben noch keine Influenza-Fälle gesehen", sagt der Mediziner Paul Prem, ärztlicher Leiter des Wiener Ärztefunkdienstes. Allerdings sei seit Anfang Oktober die Zahl der Verkühlungen, Bronchitis- und Durchfallerkrankungen "leicht erhöht". Aber das sei ganz normal für die Jahreszeit und habe mit Influenza nichts zu tun: "Es kursieren zahlreiche andere Viren, die Atemwegsinfekte auslösen – so wie jedes Jahr."

Angesichts der sehr milden Influenza-Welle in der Saison 2013/2014 könnte im heurigen Winter eine stärkere Erkrankungswelle bevorstehen, erklärten kürzlich deutsche Virologen. Der Wiener Virologe Franz X. Heinz bleibt allerdings skeptisch: "Eine seriöse Vorhersage ist nicht möglich. Hier hat es schon viele Fehlprognosen gegeben."

Mit Brokkoli gegen die Grippe

Wie groß der Schutz tatsächlich ist, das ist noch unklar. Aber eine kleine Studie des Uni-Kinderspitals in Basel zeigte jetzt, dass speziell Raucher ihre Nasen zumindest ein wenig vor Grippeviren schützen könnten, wenn sie Brokkolisprossen essen. Vier Tage lang mussten 51 Testpersonen – darunter 16 Raucher – entweder Shakes aus Brokkolisprossen oder aus ähnlich schmeckenden Alfalfa-Sprossen trinken.

Am zweiten Tag erhielten die Probanden eine Standard-Grippeimpfung per Nasenspray, die aus abgeschwächten Grippeviren besteht. Die Virenmenge und auch bestimmte Entzündungswerte in der Nasenschleimhaut wurden durch die Brokkolisprossen messbar reduziert. Bei Rauchern war der Effekt noch stärker.

Die Forscher schließen daraus, „dass das Essen von Brokkolisprossen das Risiko einer Grippeinfektion reduziert – insbesondere bei Rauchern.“
Verlassen sollte man sich darauf aber nicht. Mit Viren behaftete Hände sind ein Hauptübertragungsweg der Influenza und anderer Erreger, die Atemwegserkrankungen auslösen. Viele dieser Erreger können gut mit Händedesinfektionsmitteln abgetötet werden.

Seit 1. 10. gibt es auch wieder die jährliche Grippeimpfaktion. In Wien kann man sich im Impfservice der MA 15 sowie in allen Bezirksgesundheitsämtern um 10,70 Euro impfen lassen. Infos: www.influenza.wien.at.

Anti-Erkältungs-Schlaf

Zumindest vor Erkältungen schützen auch ausreichend Schlaf und Bewegung, zeigen Studien: Wer regelmäßig weniger als sieben Stunden schläft, hat ein drei Mal höheres Risiko, eine Verkühlung zu bekommen. Und regelmäßige Bewegung kann das Verkühlungsrisiko um bis zu zwei Drittel senken.

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