Ist Zahnseide wirklich so effektiv?

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Die Langzeiteffekte wurden noch nicht ausreichend untersucht.

"Zweimal täglich Zähne putzen“ und wo die Zahnbürste nicht hinkommt, zusätzlich jeden Tag Zahnseide verwenden: Das gilt seit Jahrzehnten als Standard. Die zahnärztliche Dauer-Empfehlung ist bisher allerdings kaum wissenschaftlich abgesichert. Die Public-Health-Experten des Info-Service-Portals "medizin transparent" an der Donau-Universität Krems haben nun die Faktenlage geprüft.

In den wenigen Arbeiten, die es gibt, wurde nur kurzzeitig die Wirkung von Zahnseide auf Vorstufen und Symptome von Zahnproblemen beobachtet, wie Entzündungen und Zahnfleischbluten. Demnach könnte bei leicht entzündetem Zahnfleisch ein regelmäßiges Nachputzen mit Zahnseide die Entzündungen möglicherweise leicht bessern. Ob sie bei gesundem Zahnfleisch vorbeugend wirkt, blieb offen.

Untersuchungen auf Langzeiteffekte fehlen

Nicht untersucht sind Langzeiteffekte. Ob der Einsatz von Zahnseide also die Entstehung von Karies und Parodontitis oder Zahnverlust tatsächlich verhindert, ist unbekannt. Auch welche Nebenwirkungen es gibt: So ist vorstellbar, dass der „scharfe“ Faden bei falscher Anwendung das Zahnfleisch verletzen und Entzündungen sogar befördern könnte.

Die schlechte Studienlage lässt freilich nicht automatisch darauf schließen, Zahnseide sei nutzlos oder schlecht – ihre Wirkung ist einfach nur nicht ausreichend untersucht.

Richtige Anwendung

Möglicherweise ist die richtige Anwendung entscheidend für den Erfolg: Die seitlichen Zahnflächen sollten demnach durch vorsichtiges Auf-und Ab-Bewegen der Zahnseide von Plaque befreit werden. Dieser hartnäckige Biofilm auf den Zähnen, eine Mischung von Speichel, Bakterien und Speiseresten, ist Ausgangspunkt vieler Zahnkrankheiten, weshalb er konsequent entfernt werden sollte. Dabei kann Zahnseide ebenso helfen wie bei enger stehenden Zähnen Interdentalbürstchen oder eine Munddusche.

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( kurier.at , iteufl ) Erstellt am 30.04.2017