Wissen und Gesundheit
07/17/2016

Ist ein Aderlass gesund?

Die alte Methode gilt für viele als "natürliche" Therapie.

Hildegard von Bingen (1098 – 1179) empfahl den Aderlass, um den Körper von schlechtem Blut zu befreien. So sollten Gifte ausgeschieden werden, die durch falsche Ernährung, Stress, Sorgen oder Ängste entstehen.

Annahme: Schlechtes Blut staut sich

Der Aderlass beruht einerseits auf der Unkenntnis über den Blutkreislauf und andererseits auf der antiken Vier-Säfte-Lehre: Bei dieser über 2000 Jahre alten Theorie war ein Gleichgewicht der Körpersäfte Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim von großer Bedeutung. Mit einem Aderlass sollte diese Balance beeinflusst werden. Spätestens mit der Entdeckung des Blutkreislaufs im 17. Jahrhundert hätte der Aderlass eigentlich sein Ende finden müssen, denn seit damals ist klar, dass sich schlechtes Blut nicht im Körper staut und dabei schlecht wird.

Für viele heute noch "natürliche" Therapie

Dennoch bieten manche Ärzte und in Deutschland auch Heilpraktiker den Aderlass nach Hildegard von Bingen heute noch an. Die Public-Health-Experten des Info-Service-Portals "medizin transparent" an der Donau-Universität Krems haben die Faktenlage geprüft.

Manche richten sich dabei auch nach dem Vollmond und verbinden die Therapie mit anderen ebenfalls widerlegten Ideen – beispielsweise wenn der Aderlass gegen Übersäuerung helfen soll. In der wissenschaftlichen Medizin wird der Aderlass bei einigen sehr speziellen Blutkrankheiten eingesetzt, unter anderem bei der Hämochromatose, einer Störung des Eisenstoffwechsels oder auch bei Polyzythämie.

Bei dieser Krankheit vermehren sich die roten Blutkörperchen zu stark, das Blut wird dickflüssig. Mit regelmäßigen Aderlässen soll der Anteil der roten Blutkörperchen gesenkt werden. Aber selbst für diese Behandlung ist die Studienlage eher dünn.