Wissen 08.10.2016

"Matthew": Wie aus Wasserdampf ein Hurrikan wird

Wirbelstürme im Atlantik entstehen meist von Juni bis November. "Matthew" ist schon der 13.

Hurrikans waren für die Menschen schon immer eine Bedrohung: Die amerikanischen Ureinwohner, die Maya, sahen in den Wirbelstürmen "Huracan" - "Gott des Windes" oder "Gott des Bösen." Der lässt sich immer im Sommer blicken. Warum das so ist, erläutert Thomas Turecek, Meteorologe bei der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geophysik): "Ein Hurrikan entsteht nur, wenn einige Faktoren zusammenfallen."

So muss die Meerestemperatur an der Küste Westafrikas in Äquatornähe zwischen 25 und 27 Grad betragen. "Und zwar bis in einige Meter Tiefe." sagt Turecek. Zweite Voraussetzung: "Die Wasserfläche muss riesig sein. So entsteht sehr viel Wasserdampf, der sich zu einer gigantischen Wolke formiert. Manche erreichen einen Durchmesser von 1500 Kilometern." Je größer solche Systeme sind, desto höhere Windgeschwindigkeiten entstehen darin. Wegen der globalen Erwärmung kommen Hurrikans nun häufiger vor.

Kategorien

Je nach Windstärke wird der Hurrikan in fünf Kategorien eingeteilt. Ein Hurrikan der Kategorie 1 reicht bis Tempo 153. Stufe 2 gilt bis 177, Stufe 3 bis 208 und Stufe 4 bis 251 Stundenkilometern. Besonders verheerende Schäden richten Hurrikans der höchsten Kategorie 5 ab einer Windgeschwindigkeit von 252 Kilometern pro Stunde an. "Matthew" traf die Karibik mit bis zu 230 Kilometern pro Stunde.

2011: Hurrikan Irene nähert sich der Ostküste
Ein Bild des GOES-13-Satellite zeigt Hurrikan Irene vor der Ostkueste der USA (Foto vom 26.08.11). Mit Spitzengeschwindigkeiten … © Bild: dapd/NOAA GOES Project

Wie die Geschwindigkeit evaluiert wird? Mutige Piloten, die ins Auge (das ruhige Innere des Sturms, Anm.) fliegen, messen dort den Druck. "Von dem kann an auf die Stärke schließen", sagt der Meteorologe.

Europa

Trost für Europäer: "Solche Riesenwolken können über dem Mittelmeer nicht entstehen, weil die Wasserfläche zu klein ist." Andreas Levermann ( Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) weist auf eine andere Gefahr hin: "Vor einigen Jahren ist ein Hurrikan in Richtung portugiesische Küste gezogen - das war bis dahin undenkbar. Deshalb müssen wir uns überlegen, ob wir auch in Europa zukünftig eine Hurrikan-Saison bekommen können."

Auf Grund der Erdrotation ziehen Stürme, die über Westafrika entstehen, immer in Richtung Karibik und weiter gen Mexiko und USA. "Um die karibischen Inseln holt sich der Hurrikan Energie aus dem warmen Atlantik und nimmt an Stärke zu. In den kälteren Regionen vor New York wird er etwas abnehmen. Und im Landesinneren sich ganz abschwächen. Auf jeden Fall wird er aber für viel Regen sorgen", erklärt Turecek.

Die Namensgebung der Wirbelstürme erfolgt in alphabetischer Reihenfolge. Sie beginnt jedes Jahr mit einem A: "Alex" war 2016 der erste tropische Sturm - "Matthew" ist bereits der 13. in diesem Jahr.

( Kurier ) Erstellt am 08.10.2016