Streitgespräch: Wieso nervt der Feminismus so?

Josefstadt, Feminismusdiskussion Brandstätter, Fle…
Foto: KURIER/Rainer Eckharter Am Podium: Brandstätter, Fleischhacker, Milborn, Havlicek, Sargnagel

Für viele Menschen sind Frauenrechte immer noch ein rotes Tuch. Das zeigte sich auch bei der Matinee in der Josefstadt.

Binnen-I und Frauenquote. Nur zwei Wörter, die mittlerweile als Synonym für Frauenrechte stehen, und für viele ein rotes Tuch sind. "Aber warum nervt der Feminismus so?" Über diese Frage wurde am Sonntag im Theater in der Josefstadt heftig und oft sehr emotional diskutiert.

Die Literatin Stefanie Sargnagel hat da so eine Vermutung: "Ich werde eigentlich erst als Feministin wahrgenommen und darauf reduziert, seit mich das bürgerliche Feuilleton entdeckt hat. Vorher war das kein Thema. Dabei bin ich nicht nur Feministin. Ich schreibe auch über anderes – etwa über Adorno."

Josefstadt, Feminismusdiskussion Brandstätter, Fle… Foto: KURIER/Rainer Eckharter Havlicek und Sargnagel (v.li)

Die Tierquälerin

Dass sie als Frau anders behandelt wird, zeigte sich, "als die Krone mein satirisches Gedicht veröffentlichte, das ich in Marokko geschrieben hatte. Daraufhin war ich nur noch die Tierquälerin, die Babykatzen weg kickt. Ein Shitstorm folgte. Das Schlimmste war, dass am Ende noch meine Adresse veröffentlicht wurde. Das stört mich." Für Teresa Havlicek vom "Frauenvolksbegehren neu" war diese Veröffentlichung "eine Form von Gewalt". Publizist Michael Fleischhacker beklagt, dass das "eine asymmetrische Diskussion ist. Die Polemik der anderen ist Hass, die eigene Polemik ist Polemik. Ich kann politisch sein und nutze die Kunst als Schutzschild, um mich vor Kritik zu schützen."

Genervt

Havlicek nimmt solche Diskussionen hingegen ganz anders wahr: "Von Frauenaussagen sind Menschen viel öfters genervt. Da hört man häufig einen herablassenden, paternalistischen Unterton heraus. Auch habe ich noch nie erlebt, dass es Aufrufe gibt, Männer zu vergewaltigen. Als Frau erleben Sie so etwas ständig." KURIER-Chefredakteur Helmut Brandstätter glaubt, das solcher Hass eine Folge von Angst ist: " Wir leben in einer verunsicherten Zeit, weil die Welt sich verändert. Das geht nicht nur gegen Frauen. Was mich allerdings wundert: Durch die Migration kommen viele Probleme wie Vielehe oder Komplettverschleierung nach Europa. Warum schweigen hier so viele Feministinnen?" Sargnagels Konter: "Dass das den Männern jetzt auffällt. Ich würde gerne über den Feminismus in Österreich reden."

Ins Wort gefallen

Josefstadt, Feminismusdiskussion Brandstätter, Fle… Foto: KURIER/Rainer Eckharter Brandstätter, Fleischhacker und Moderatorin Milborn Als Brandstätter seine Argumente weiter ausführen wollte, wurde er von einer Frau aus dem Publikum unterbrochen. "Diese Aufgeregtheit in politischen Debatten ärgert mich, nicht nur beim Thema Feminismus", meinte Brandstätter daraufhin. Und eine andere Zuhörerin meinte: "Solche Zwischenrufe schaden unserer Sache."

Emotionen

Moderatorin Corinna Milborn wollte wissen, ob Feminismus nicht auch heißt, dass Männer ihre Rolle neu definieren müssen. Logisch, meinte Sargnagel: "Wir müssen Männer dazu erziehen, in der Familie ihre Aufgaben zu übernehmen, um eine Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen."

Conclusio einer Zuhörerin: "Die Männer reagieren in der Diskussion emotionaler, weil sie mehr zu verlieren haben – das gilt auch für emanzipierte Männer."

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?