Wissen 21.03.2012

Mammografien: Kann Screening Leben retten?

In Holland hat ein Programm zur Reihenuntersuchung der Brust die Zahl der Todesfälle gesenkt, so Experten in Wien.

Ab 50 steigt das Brustkrebsrisiko deutlich. Deshalb gibt es in vielen Ländern für Frauen im Alter von 50 bis 70 Screening-Programme zur Mammografie – in Österreich soll es 2013 kommen. „In Holland konnten wir damit die Zahl der Frauen, die an Brustkrebs sterben, deutlich senken“, sagte Mittwoch Jacques Fracheboud, Erasmus University Medical Center, auf dem Europäischen Brustkrebskongress in Wien.

Bei einem solchen Programm werden gezielt alle Frauen einer Altersgruppe zur Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen. Und es werden hohe Qualitätsstandards verlangt – etwa die unabhängige Begutachtung durch zwei Radiologen.

Fracheboud hat die Ergebnisse des vor 20 Jahren eingerichteten Reihenuntersuchungs-Programms in Holland ausgewertet: „Vor Beginn des Programms stieg die Brustkrebs-Sterblichkeit pro Jahr um 0,3 Prozent, danach sank sie jährlich um 1,7 Prozent.“ Bei sechs von 100 Frauen, die in 20 Jahren zehn Mal zu einer Untersuchung gingen, wurden Auffälligkeiten entdeckt, die sich letztlich nicht als Brustkrebs erwiesen – und damit zu einer vorübergehenden Verunsicherung und belastenden Folgeuntersuchungen führten. Eine Gewebeentnahme wurde nur bei einem Drittel durchgeführt. „Wir sind aber davon überzeugt, dass die Vorteile des Programms alle negativen Auswirkungen überwiegen.“

Kritiker argumentieren auch damit, dass die Rückgänge bei den Todesfällen vor allem auf bessere Therapien zurückzuführen sind – und der Nutzen der Reihenuntersuchungen viel zu positiv dargestellt werde. – „Beides hilft, Leben zu retten“, entgegnet Rianne de Gelder, ebenfalls Erasmus-Universität: Sie präsentierte in Wien eine Studie, wonach beides unabhängig voneinander die Überlebenschancen von Frauen erhöht.

 

Freiwillige Teilnahme

Ab 2013 sollen in Österreich alle Frauen zwischen 45 und 69 alle zwei Jahre zur Mammografie eingeladen eingeladen werden – die Teilnahme bleibt freiwillig. Zusätzlich ist – anders als in allen anderen europäischen Ländern – bei einer dichten Brust eine Ultraschall-Untersuchung vorgesehen. „Wenn mindestens 70 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe teilnehmen, kann die Sterblichkeit um 30 Prozent gesenkt werden“, sagt der Radiologe Univ.-Prof. Thomas Helbich von der MedUni Wien: „1500 Frauen sterben in Österreich jährlich an Brustkrebs. 400 könnte das Programm das Leben retten.“

 

 

VERANSTALTUNGSTIPP

Am 27. März, 18 Uhr, findet an der MedUni Wien (Spitalg. 23, 1090 Wien) ein Gesundheits-Talk zum Thema „Brustkrebs: Neueste Forschungserkenntnisse“ statt. Eine Initiative von KURIER, MedUni Wien und Novartis. Infos: gesundheitstalk@kurier.at

( Kurier ) Erstellt am 21.03.2012