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20.02.2018

Lena Dunham: Gebärmutter wegen Endometriose entfernt

Schauspielerin Lena Dunham entschied sich zu radikalem Schritt. Experten sind skeptisch.

Schmerzen, die alles andere auszulöschen scheinen und einen normalen Alltag unmöglich machen – um ihre chronische Krankheit Endometriose in den Griff zu bekommen, entschloss sich die Schauspielerin und Filmproduzentin Lena Dunham ("Girls") zu einem radikalen Schritt. Mit 31 Jahren ließ sie sich die Gebärmutter entfernen.

Schwerwiegende Entscheidung

Wer eine derartig schwerwiegende Entscheidung trifft, muss dafür gute Gründe haben. Frauen-Gesundheitsorganisationen in den USA und Großbritannien betonen, dass Ärzte bei jüngeren Frauen eher von einer Entfernung absehen würden, wenn es nicht absolut notwendig wäre. Auch Dunham schreibt in ihrem Essay für die Vogue, dass sie sich nicht leichtfertig entschlossen habe und erst lernen musste, mit dem Gedanken umzugehen. Etwa damit, niemals schwanger zu werden. Ihre Eierstöcke wurden zwar nicht entfernt, ob sie noch aktiv sind und etwa eine Leihmutterschaft möglich wäre, will sie nach ihrer Genesung mit ihren Ärzten besprechen. Vorerst hofft Dunham, nun die chronischen Schmerzen, die zuletzt unerträglich geworden waren, los zu sein. Die Entfernung sei ihr einziger Ausweg gewesen. Bereits in den vergangenen zehn Jahren hatte sie sich mehreren OPs unterzogen, bei denen immer wieder Endometriose-Herde entfernt worden waren.

Mehr Bewusstsein für Erkrankung

Etwa zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind von Endometriose in unterschiedlichen Schweregraden betroffen (siehe Grafik).Obwohl das Bewusstsein bei Frauen und Ärzten wächst, wird die Erkrankung noch immer zu selten in Erwägung gezogen. Bis eine Diagnose gestellt ist, vergehen im Schnitt sechs bis acht Jahre. "Beim Verdacht ist es daher besonders wichtig, dass die Frauen die richtige Betreuung erhalten", betont Prim. Leopold Wanderer, der im Landesklinikum Melk das Endometriose-Zentrum leitet. Klarheit liefere vor allem eine Bauchspiegelung.

Operationen

Die operative Entfernung der außerhalb der Gebärmutter wachsenden – und hormonabhängig blutenden – Zellen ist eine Standard-Therapie bei großen Schmerzen oder unerfülltem Kinderwunsch. Dafür ist viel Erfahrung nötig. "In dieser Körperregion befinden sich viele Blutgefäße, Nerven und Gefäße. Bei schwerer Endometriose werden auch Organ-Grenzen überschritten", erklärt Wanderer. Eine Totalentfernung der Gebärmutter ist für ihn eine sehr individuelle Entscheidung. Die Frauen müssen gut informiert und beraten werden, um die für sie persönlich richtige Entscheidung zu treffen. Zu Lena Dunham sagt er: "Wenn sich eine 31-Jährige dafür entscheidet, muss sie darunter sehr gelitten haben."

Neben einer Operation sind für viele Frauen auch medikamentöse Therapien eine Option, etwa mit Hormonen. "In vielen Fällen sind die Beschwerden damit gut in den Griff zu bekommen", betont der Gynäkologe. Bei der österreichischen Endometriose-Vereinigung (EVA) warnt man ebenso vor der Fehlmeinung, eine Hysterektomie heile generell die Endometriose. "Sie ist nicht sinnvoll, wenn man noch weitere Herde, etwa im Darm oder am Bauchfell, zurücklässt. Diese können weiterhin Beschwerden verursachen." Organerhaltenden Operationsmethoden sei nach Möglichkeit der Vorzug zu geben.

Adenomyose – eine Sonderform

Es gibt eine Sonderform der Endometriose, die ähnliche Beschwerden (etwa chronische Unterbauchschmerzen, starke Blutung) verursacht, aber in der Gebärmutter bleibt: die Adenomyose. "Dabei wachsen Zellen der Gebärmutterhaut in die Muskelschichten des Uterus ein", erklärt Wanderer. Durch verbesserte Ultraschall-Möglichkeiten sind diese Wucherungen heute viel besser diagnostizierbar als vor einigen Jahren. Auch der Tastbefund gibt dem Gynäkologen Aufschluss.