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Fortpflanzungsgesetz
06/11/2015

Eizellspende: Großer Andrang homosexueller Paare

Seit rund vier Monaten ist künstliche Befruchtung für homosexuelle Paare erlaubt – erste Erfahrungsberichte.

von Ernst Mauritz

Es herrscht eine unglaubliche Nachfrage“, sagt Leonhard Loimer, Gründer und Geschäftsführer der „Kinderwunschkliniken Loimer“. Bei den Eizellspenden (in Deutschland verboten, Anm.) gebe es einen „Tourismus“ aus Deutschland. „Insgesamt führen wir in unseren Instituten täglich etwa vier bis fünf Gespräche mit Paaren, welche ohne Eizellspende nicht schwanger werden können“, so Loimer.

In der Kinderwunschklinik Wien gebe es bereits zwei Schwangerschaften (in der 6. bzw. 7. Woche), die mit einer Eizellspende zustande gekommen sind. „Bei der einen Schwangeren war die Spenderin ihre 26-jährige Cousine, bei der anderen eine 24-jährige Frau aus Ungarn. „Die Ungarin hat sich nach Medienberichten über das neue Gesetz Anfang des Jahres bei uns gemeldet“, sagt der ärztliche Direktor Prim. Mathias Brunbauer. „Ihre Motivation ist, mit ihrer Eizellspende einer anderen Frau etwas Gutes zu tun. Außerdem ermöglichte ihr die Aufwandsentschädigung für die Reise- und Hotelkosten (nur Barauslagen werden ersetzt, Anm.), sich gleichzeitig in Wien ohne Kosten wegen eines Studiums umzusehen.“

Zu wenig Spenderinnen

Da die Spenderin aber kein Geld bekommen dürfen und auch ein Werbeverbot besteht, „haben wir viel mehr Anfragen nach einer Eizellenspende als potenzielle Spenderinnen“, so Brunbauer. Mehrere lesbische Paare hätten bereits die für sie neue Möglichkeit einer Samenspende in Anspruch genommen. Hier gebe es zwei Schwangerschaften. Und mehrere Paare hätten (nach mehreren erfolglosen IVF-Zyklen) auch bereits eine Präimplantationsdiagnostik durchführen lassen.
Österreich habe sich mit dem Gesetz „aus der Isolation befreit und stehe noch im Bereich der Fortpflanzungsmedizin auf einer Stufe mit vielen anderen Ländern“, heißt es in einer Aussendung der Kinderwunschkliniken.

„Totes Recht“

Kritischer hingegen ist die erste Bilanz des Kinderwunschzentrums Goldenes Kreuz: Deren Leiter Univ.-Prof. Andreas Obruca spricht von einem „toten Recht“: „Das Vermittlungsverbot, also die Beschränkung der Eizellspende auf die Bekannten- und Verwandtenspende, hat den Kreis jener Paare, die eine solche in Anspruch nehmen können, bereits massiv reduziert.“ Ein möglicher Verdienstentgang werde nicht ersetzt.„Diese Novelle wird nicht vielen Frauen helfen.“
Evaluierung gefordertKritik – aus ganz anderer Richtung – kommt auch von der Aktion Leben: „Mit dem neuem Gesetz ist es nicht gelungen, die Fortpflanzungsmedizin für Frauen und Kinder sicherer zu machen“, sagt Generalsekretärin Martina Kronthaler. Diese sei auch nicht transparenter geworden. Sie kritisiert, dass „derselbe Fortpflanzungsmediziner, der die Eizellspenden für seine Kundinnen braucht, die Eizellspenderin berät. Das ist ein klassischer Interessenskonflikt“. Kronthaler fordert eine Evaluierung des Gesetzes.

Eine solche sei geplant, aber erst nach zwei Jahren, heißt es im Gesundheitsministerium: „Jetzt ist es dazu noch zu früh.“ Man habe versucht, einen „guten Mittelweg“ zu finden, mit dem Paaren geholfen, aber andererseits zum Beispiel Geschäftemacherei mit der Eizellspende nicht ermöglicht werde.

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