© Reuters/RADU SIGHETI

Diabetes-Prävention
11/12/2013

Lebensstil bringt am meisten

Bei der Vorbeugung sind Gewichtsabnahme und Bewegung Medikamenten überlegen.

von Ernst Mauritz

Übergewicht, dazu Bluthochdruck, erhöhte Blutfette (Triglyzeride, LDL-Cholesterin), niedriges gutes HDL-Cholesterin, erhöhter Nüchternzucker in der Früh: Wer in dieser Phase – einer Diabetes-Vorstufe – das Ruder herumreißt, drei bis sieben Kilo abnimmt und gleichzeitig mit 150 Minuten moderater Bewegung in der Woche beginnt, kann sein Diabetes-Risiko um 50 bis 60 Prozent reduzieren – das zeigen aktuelle Studien aus Finnland.

„In der Vorbeugung von Diabetes ist der Lebensstil wichtiger als Medikamente“, sagt der Diabetologe Prim. Univ.-Prof. Heinz Drexel vom LKH Feldkirch, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, anlässlich des Welt-Diabetes-Tages am Donnerstag (19. 11.): Denn mit einem blutzuckersenkenden Medikament kann in diesem Stadium das Diabetes-Risiko nur um ca. 30 Prozent reduziert werden. Drexel: „Ich muss sieben Menschen mit einem Lebensstilprogramm ,behandeln‘, um eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung verhindern zu können. Hingegen muss ich 14 Menschen mit einer Diabetes-Vorstufe ein Medikament geben, um eine Erkrankung zu vermeiden.“

„Um aber wirklich erfolgreich zu sein, muss die Lebensstiländerung länger als ein Jahr durchgehalten werden“, sagt die Wiener Diabetologin Univ.-Prof. Alexandra Kautzky-Willer von der MedUni Wien, eine der Autorinnen des neuen Österreichischen Diabetesberichtes.

Demnach gibt es bis zu 645.000 Betroffene in Österreich – großteils Typ-2-Diabetiker („Altersdiabetes“).

Anstieg ab 18

Im Gegensatz etwa zu den USA gebe es in Österreich noch keinen Anstieg von Kindern und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes (anders ist dies bei Typ-1-Diabetes, siehe re.). „Den Anstiege sehen wir erst nach 18.“ Da allerdings deutlich: „Bei den stark übergewichtigen Schwangeren – das Durchschnittsalter liegt bei 27 Jahren – haben bereits vier Prozent einen schon länger bestehenden Typ-2-Diabetes und rund 20 Prozent einen Schwangerschaftsdiabetes. Auf ihrem Weg zu dieser Erkrankung steigt bei Frauen das Risiko für Herzinfarkte stärker an als bei ehemals gesunden Männern, die eine Diabetes-Vorstufe entwickeln.

„Die ersten Symptome werden oft ignoriert und viele Menschen erfahren von ihrer Krankheit erst, wenn eine der Folgeerkrankungen eingetreten ist“, so Gesundheitsminister Alois Stöger. „Diabetes ist ein lebensbedrohliche Erkrankung, die in unserer Gesellschaft zu wenig ernst genommen wird.“

Dabei gibt es vielversprechende neue Medikamente: Etwa ein Präparat, das mit einem neuen Mechanismus über eine vermehrte Zuckerausscheidung mit dem Harn den Blutzucker senkt, gleichzeitig aber auch gewichtsreduzierend und blutdrucksenkend wirkt. Auch eine andere Gruppe (sogenannte GLP-1-Analoga) führt zusätzlich zur Blutzuckersenkung zu einer Gewichtsabnahme. Kautzky-Willer: „Allerdings werden leider viele dieser neue Präparate von den Kassen nicht bezahlt – oder nur unter großem bürokratischen Aufwand.“www.oedg.at

Wenn das Gewicht keine Rolle spielt

Die Zuckerkrankheit betrifft nicht nur Menschen mit fortgeschrittenem Alter und höherem Gewicht: Knapp 1500 Kinder in Österreich zwischen 0 und 14 Jahren sind laut Diabetesbericht an Typ-1-Diabetes (das Immunsystem zerstört die insulinproduzierenden Zellen) erkrankt. Seit Ende der 90er-Jahre ist ein Anstieg der jährlichen Neuerkrankungen zu beobachten. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt – möglicherweise spiele Umweltfaktoren eine Rolle.

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