Wissen und Gesundheit
30.11.2016

Kommt das Ende der herkömmlichen Zigarette?

Rauchen soll schadstoffärmer werden - verspricht Philip Morris. © Bild: Getty Images/iStockphoto/mauro grigollo/iStockphoto

Tabak nicht mehr verbrennen sondern nur mehr erhitzen: Das soll die künftige Form des Rauchens mit deutlich weniger Schadstoffbelastung sein, meint zumindest der Philip-Morris-Chef. Sein Konzern hat ein entsprechendes Produkt jetzt in Großbritannien auf den Markt gebracht.

Anti-Rauch-Bestimmungen setzen die großen Tabakkonzerne unter Druck. Stehen die klassischen Zigaretten vor einem baldigen „Aus“? Der Tabakproduzent Philip Morris denkt zumindest über einen Ausstieg nach. Konzernchef Andre Calantzopoulos hält es für realistisch, dass sich in Zukunft alternative Formen des Tabakrauchens durchsetzen werden, sagte er dem britischen Sender BBC Radio 4.

iese Aussage hat einen wirtschaftlichen Hintergrund: Philip Morris hat in Großbritannien eine neue – angeblich weniger gesundheitsschädliche – Zigarette auf den Markt gebracht: Diese sogenannte „Iqos-Zigarette“ soll Rauchern denselben „Nikotin-Kick“ liefern wie ein herkömmlicher Glimstängel – die Schadstoffmenge, die der Raucher dabei aufnimmt,soll aber im Vergleich zu einer klassischen Zigarette um 90 Prozent reduziert sein. Auch in Deutschland, Japan, Italien und in der Schweiz wird das Produkt bereits vertrieben.

Bei dieser Zigarette wird der Tabak nicht mehr verbrannt, sondern in einem elektronischen Halter nur noch erhitzt. Das ist auch ein Unterschied zu den sogenannten E–Zigaretten: Dabei wird eine aromatisierte Flüssigkeit (mit oder ohne Nikotin) verdampft.

Keine Bestätigung

Bei diesen Studienergebnissen zu der neuen Zigarette handelt es sich aber laut BBC vorerst nur um interne Daten von Philip Morris. Von unabhängigen Experten ist diese 90-prozentige Schadstoffreduktion noch nicht bestätigt.

Laut Philip Morris produziert die neue Zigarette deutlich weniger Rauch – damit werde auch verhindert, dass die Kleidung nach Rauch rieche.
Und der Tabakkonzern sieht noch einen großen Vorteil gegenüber den herkömmlichen E-Zigaretten mit Dampf: Diese seien nur für 20 Prozent der konventionellen Raucher eine ernsthafte Alternative, bei der neuen Iqos-Zigarette hingegen würden 70 Prozent der Raucher bleiben, die sie einmal versucht haben.

Neue Einstiegsdroge?

Trotzdem gibt es Kritik an den neuen Zigaretten: Sie könnten zwar eine Hilfe beim Rauchausstieg sein – allerdings könnten sie auch die Hemmschwelle für einen Raucheinstieg senken und so als eine Art verführerische neue Einstiegsdroge wirken. Und möglicherweise halten sie den Raucher dauerhaft in seiner Nikotinabhängigkeit, anstatt ihn von dieser wegzubekommen.

Und sie führen zu keiner Verhaltensänderung: Die Zigarette bleibt das Mittel der Wahl, um sich zu entspannen oder Pausen zu verbringen. Und das erhöhe das Risiko, dass die Betroffenen von der Iqos-Zigarette auch wieder zur herkömmlichen Zigarette zurückkehren.

Trotz dieser Kritik ist Philip-Morris-Konzernchef Andre Calantzopoulos zuversichtlich, dass irgendwann die Produzenten zusammen mit Regierungen eine Auslaufperiode für klassische Zigaretten ins Auge fassen könnten, sagte er in seinem BBC-Radio 4-Interview: "Ich hoffe, die Zeit wird bald kommen."