Wissen
22.08.2018

Knochenfund beweist: Multikulti gab es schon in der Steinzeit

Denisovamensch und Neandertaler wanderten Tausende Kilometer und hatten gemeinsame Kinder.

Gegensätze ziehen sich an. Das hat offensichtlich auch für unsere Urahnen gegolten, wie Archäologen des Leipziger Max-Planck-Instituts jetzt herausgefunden haben. Denn sie haben jetzt einen Beweis dafür, dass sich Neandertaler vor rund 40.000 Jahren mit Denisova-Menschen gemischt haben.

Das Beweisstück ist ein Knochenfragment, das bereits 2012 in der Denisova-Höhle im russischen Sibirien gefunden wurde – unweit der Grenze zu China und zur Mongolei. Für die Forscher verblüffend: Der Knochen stammt von einer jungen Frau, deren Vater ein Denisovamensch und deren Mutter eine Neandertalerin war. Mehr noch: Der Vater hatte zumindest einen Neandertaler in seinem Stammbaum.

Diese Neandertaler hatten zuvor eine weite Reise auf sich genommen. Die Mutter der jungen Frau, die zu ihrem Todeszeitpunkt mindestens 13 Jahre alt war, war nämlich näher mit den Neandertalern verwandt, die in Westeuropa beheimatet waren, als mit jenen, die zu einem früheren Zeitpunkt in der Denisova-Höhle lebten. Zwischen beiden Orten liegt eine Distanz von gut 6000 Kilometern. Und das bereits Tausende von Jahren bevor Neandertaler und Denisova-Menschen endgültig verschwanden.

Unsere nächsten Verwandten

Die beiden Menschenarten sind übrigens die nächsten ausgestorbenen Verwandten heute lebender Menschen. Dass sie miteinander Kinder hatten, ist zwar nicht ganz so neu. Für Viviane Slon, Erstautorin der Studie, ist es aber erstaunlich, „dass wir so viel Glück haben konnten, auf einen direkten Nachkommen beider Gruppen zu stoßen.“ Aber vielleicht ist es doch kein Zufall. Der Leipziger Chefarchäologe Svante Pääbo mutmaßt nämlich: „Die beiden Gruppen hatten wahrscheinlich wenig Gelegenheiten einander zu treffen. Aber wenn doch, müssen sie relativ oft Kinder miteinander gezeugt haben – viel öfter als wir bisher dachten.“

Dass die Knochen ausgerechnet in Leipzig gelandet sind, ist naheliegend: Nachdem aufgrund der Proteinzusammensetzung klar war, dass es sich dabei um einen hominines Fragment handelt, sandten die russischen Archäologen dieses an ihre Kollegen am Max-Planck-Institut, weil man dort das das Genom sequenzieren kann. Und daraus auch viele Erkenntnisse ziehen kann, wie Mitautor Benjamin Vernot sagt: „Anhand dieses einzigen Genoms können wir mehre Interaktionen zwischen Neandertalern und Denisovanern dokumentieren.“