Wissen und Gesundheit
10.08.2017

Klimawandel verändert Auftreten von Hochwasser

In Europa finden Überflutungen zu anderen Zeitpunkten im Jahr statt als vor 50 Jahren – das aber regional unterschiedlich.

Ist der Zeitpunkt des Auftretens von Überschwemmungen ein Indikator für den Klimawandel? Ein internationales Team rund um Univ.-Prof. Günter Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der Technischen Universität Wien hat sich mit dieser Frage auseinander gesetzt. Die Forscher konnten zeigen, dass Hochwasser in Europa im Durchschnitt zu anderen Zeitpunkten im Jahresverlauf stattfinden als vor 50 Jahren. Die länderübergreifende Studie wurde im Fachjournal Science veröffentlicht.

Daten aus 38 Ländern

In langwieriger Kleinarbeit wurden gemeinsam mit rund 100 Forschungsinstitutionen die Messdaten aus 38 Ländern zusammengetragen. Dabei konzentrierte man sich auf die Zeitpunkte, zu denen hohe Pegelstände auftraten. Daten von über 4000 Messstationen in ganz Europa zwischen 1960 und 2010 wurden ausgewertet. "Es sind eindeutig Regionen identifiziert worden, wo wir sehen konnten, dass die Hochwasser entweder später oder früher auftreten", sagt die Hydrologin Magdalena Rogger.

Überflutungen traten seit jeher regional zu unterschiedlichen Zeiten auf. In Nordwesteuropa, in England sowie im Mittelmeerraum eher im Winter, weil da die Verdunstung niedrig ist und Niederschläge heftig ausfallen können. In Österreich und dem Rest Mitteleuropas sind Hochwasser vor allem nach starken Regenfällen nach Sommer-Stürmen üblich. In Nordosteuropa ist die Schneeschmelze im Frühling ein Faktor für Überflutungen. "Der Zeitpunkt von Fluten ist also stark vom vorherrschenden Klima abhängig und damit ein deutlich aussagekräftigerer Indikator für den Nachweis von Auswirkungen des Klimawandels als deren Stärke", sagt Blöschl.

Regionale Unterschiede

Die Auswertung der Daten zeigte nicht nur den Einfluss des Klimawandels, sondern auch, wie er regional wirkt: Da sich etwa in Skandinavien und dem Baltikum im Untersuchungszeitraum die Zeiten mit viel Schneefall verkürzt haben und die Schneeschmelze aufgrund höherer Durchschnittstemperaturen früher einsetzt, "kommen heute die Hochwasser um einen Monat früher als in den 60er und 70er Jahren", sagt Blöschl.

Für den Alpenraum zeigte die Analyse hingegen keine so starken Veränderungen. "Das muss man sich im Detail ansehen", sagt Rogger. Eines aber könne sie schon sagen: "Was den Zeitpunkt des Auftretens von Hochwässern betrifft, erwarten wir, laut detaillierter Klimastudie für Österreich, vor allem Verschiebungen im Innviertel und Mühlviertel mit mehr Winter- und Frühjahrshochwasser wegen der höheren Schneefallgrenze aufgrund der steigenden Lufttemperatur.

Luftdruck

In England und Norddeutschland wiederum treten Fluten heute im Schnitt um rund zwei Wochen später auf als einst. "Der Klimawandel ändert den Luftdruckgradienten, das führt dort zu später auftretenden Winterstürmen", sagt Blöschl.

An den Atlantikküsten Westeuropas (Südengland, Nordwesten Frankreichs) führt der Klimawandel dazu, dass der Boden früher im Jahr keine zusätzliche Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann, was die Flut-Wahrscheinlichkeit erhöht. In Regionen entlang der Mittelmeerküste wie Kroatien, Südfrankreich oder im Osten Spaniens bringt die Erwärmung des Mittelmeers mehr Hochwasserereignisse im späten Winter mit sich. Angesichts des anhaltenden Trends in Richtung höherer Temperaturen sei damit zu rechnen, dass sich diese Prozesse fortsetzen werden.