Klimawandel: Ab 2036 bis zu 3000 Hitzetote jährlich

Klimawandel: Agrarexpertin prognostiziert ausgetro
Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul Nicht nur für Pflanzen wird der Klimawandel Folgen haben: Auch die Auswirkungen für die menschliche Gesundheit könnten dramatisch sein, warnt jetzt eine neue Studie

Weitere Erwärmung könnte dramatische Auswirkungen für Österreich haben.

Ein Voranschreiten des Klimawandels wird dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit der Österreicher haben - vor allem dann, wenn nicht mehr unternommen wird, die Klimaänderungen abzuschwächen: Bei einem starken Klimawandel - und ohne weitere Anpassungsmaßnahmen - werden zwischen 2016 und 2045 jährlich bis zu rund 1200 Hitzetote in Österreich erwartet. Zwischen 2036 und 2065 sogar bis zu zu 3000. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie  "COIN - Cost of Inaction" der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt im Rahmen eines interdisziplinäres Projektes der Universität Graz zu den Folgen des Klimawandels mit 42 ForscherInnen aus 18 Forschungsgruppen aus ganz Europa, Zwischen 2003 und 2012 wurden jährlich durchschnittlich 240 Hitzetote gezählt.

Deutlich mehr Tropentage

Eine wesentliche Rolle spielen dabei jene Hitzeperioden, während derer an mindestens drei (Hitze-)Tagen hintereinander jeweils das Temperaturmaximum von mindestens 30 Grad Celsius erreicht oder überschritten wird und die Temperatur nie (auch nicht in der Nacht) unter 25 Grad Celsius fällt. Zwischen 2003 und 2012 gab es in Österreich im Schnitt jährlich sechs in solcher Weise direkt aufeinander folgende Hitzetage. "Je nachdem, wie stark der Klimawandel in Österreich voranschreitet, könnte sich bis zum Zeitraum 2036 bis 2065 die jährliche Anzahl solcher Hitzetage in Österreich auf durchschnittlich acht bis 27 erhöhen", sagt der Klimaforscher Willi Haas von der Alpen-Adria-Universität.

Vor allem außergewöhnlich hohe Temperaturen können dramatisch gesundheitliche Folgen haben, sagt Haas. Dies zeigen Beispiele aus der Vergangenheit, wie die europäische Hitzeperiode vom August 2003: Innerhalb von nur 14 Tagen starben in zwölf europäischen Ländern um 39.000 Menschen mehr als im Vergleichszeitraum 1998 bis 2002, heißt es im "Fact Sheet Gesundheit" zum Projekt COIN. In Österreich gab es eine Zunahme der Todesfälle um 13 Prozent.

Gleichzeitig gibt es indirekte Wirkungen auf den Körper durch die klimatisch bedingte Ausbreitung von Krankheitserregern, Schädlingen oder allergenen Pflanzen.

Wieder mehr Salmonellen-Fälle?

Europaweit ist es in den letzten Jahren gelungen, das Auftreten von Salmonellen-Fällen einzudämmen und zu reduzieren. Inwiefern dies bei steigenden Durchschnittstemperaturen weiter gelingen kann, ist für Haas und seine KollegInnen unklar.

Zu den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels gehören auch Allergien: So kann beispielsweise die steigende Verbreitung des Traubenkrauts zu einem erhöhten Auftreten von allergischen Erkrankungen führen.

Und auf noch ein Problem weisen die Forscher hin: Hitzeperioden können zu Spitzenbelastungen bei Rettungsdiensten, niedergelassenen Ärzten und in Spitälern führen. Spitalsgebäude mit schlechter Isolierung und ohne Klimatisierung könnten zudem zu Problemzonen werden.

Der Hitzestress führt einerseits zu einem erhöhten Risiko für stationäre Patienten und andererseits zu hitzebedingten Leistungseinbußen bei Pflege- wie auch medizinischem Personal, so die Studienautoren.

(KURIER / EM) Erstellt am
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