Wissen 18.04.2012

Kleine Kugeln als Reiz für den Körper

Die Wirkung homöopathischer Mittel ist umstritten. Eine neue Studie zeigt, weshalb dennoch so viele darauf setzen.

Ein paar Kügelchen, wenn sich im Winter eine Erkältung anbahnt, gegen den Allergieschnupfen im Frühling oder Nervosität und Schlafstörungen – rund 43 Prozent der Österreicher greifen einer neuen Umfrage zufolge bei leichteren Beschwerden lieber zu homöopathischen als herkömmlichen Arzneien. Die dafür angegeben Gründe sind gute Wirksamkeit, weniger Nebenwirkungen und Natürlichkeit.

Gerade Letzteres stößt Kritikern immer wieder auf. Die ursprünglichen Substanzen würden so aufbereitet (potenziert), dass nichts mehr von der Ursprungssubstanz enthalten sei. Der Vorwurf: Geschäftemacherei.

Klaus Connert, Homöopath in Salzburg und Referent für Komplementäre Medizin in der Ärztekammer lässt das nicht gelten. "Homöopathie ist keine Religion, Philosophie oder Esoterik. Es ist in erster Linie Erfahrungsmedizin." Dass sie wirke, beweisen Hunderttausende zufriedene Patienten und Ärzte weltweit. "Eigentlich ist es eine permanente wissenschaftliche Beobachtung und Erweiterung unseres Wissens." Das war schon zu Zeiten von Homöopathie-Begründer Samuel Hahnemann (1755– 1843) so. Er entwickelte sein Prinzip "Ähnliches mit Ähnlichem heilen": Pflanzenextrakte, Mineralien und tierische Essenzen rufen bei Gesunden ähnliche Symptome hervor, wie die Krankheit. Heute suchen Homöopathen (in Österreich ausschließlich Ärzte, Anm.) aus 2000 Mitteln das exakt für einen Patienten passende. Connert erklärt: "Im Krankheitsfall funktionieren die Regulationsmechanismen des Körpers nicht mehr. Die homöopathische Arznei gibt den Anstoß zur Selbstregulation."

Studien

Grafik
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Vor allem die Wissenschaftlichkeit ist zentraler Kritikpunkt. Die üblichen Studiendesigns (doppelblind, Placebo) sind nicht auf die Homöopathie anwendbar. Connert: "Alles, was heute nicht diesem Studiendesign entspricht, gilt als unwissenschaftlich. Gebräuchliche Studiendesigns und Methodik sind zwar mathematisch und statistisch völlig korrekt. Sie entsprechen allerdings vielfach nicht der gelebten Wirklichkeit von Arzt und Patient." Eine auf Erfahrungswerten beruhende Behandlung sieht er auch in der Schulmedizin. "In der Kinderheilkunde beruht die Medikamentendosierung nicht auf Studien, sondern auf Erfahrung." Er versteht Homöopathie nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur Schulmedizin. "Im Vordergrund steht das Individuum und sein aktueller Zustand. Ein flächendeckender Einsatz im Klinikalltag wäre wohl nicht zielführend."

Bleibt der Kritikpunkt der teuren Arzneien. In der Schweiz wurden die Kosten für einige komplementärmedizinische Methoden fünf Jahre lang von den Sozialversicherungen übernommen. Das Ergebnis: Speziell Homöopathika führen zu einer Kosteneinsparung von 15,4 Prozent im Vergleich zu konventionellen Therapien. Ganzheitsmediziner Gerhard Hubmann: "Die Sozialversicherungen werden durch Komplementär- und Ganzheitsmedizin schon jetzt entlastet. Die Patienten bezahlen sowohl den Arzt als auch ihre Medikamente selbst."

Info: Anwendungen und Arztsuche

Patiententag Anlässlich des "Tags der Homöopathie" findet am Donnerstag im Kolpinghaus Wien-Zentral (6., Gumpendorfer Str. 39, Eintritt frei) ein Info-Abend mit Vorträgen von Ärzten und Experten statt. Der Schwerpunkt liegt auf Stress, Burn-out und Rheuma.

Plattform Die neue Internet-Plattform www.homoeopathiehilft.at informiert über die Einsatzmöglichkeiten und die wichtigsten Anwendungsgebiete. Dazu gibt es ein Diskussionsforum und eine Ärzte-Datenbank.

( Kurier ) Erstellt am 18.04.2012