Wissen und Gesundheit
29.11.2017

Kalzium und Krebs: Forscher untersuchen Zusammenhang

Ist genug Kalzium in den Zellen, stoppen diese die Zufuhr. Linzer und Grazer Forscher entdeckten jetzt, dass bei bestimmten Gen-Veränderungen ungebremst Kalzium aufgenommen wird. Dies könnte ein Risikfaktor für die Krebsentstehung sein.

Eines vorweg: Für Menschen, die Kalzium-Präparate einnehmen sollen, hat diese Studie keine Auswirkungen - "es ist Grundlagenwissenschaft", sagt Irene Frischauf vom Institut für Biophysik der Universität Linz. Linzer und Grazer Forscher entdeckten, dass bestimmte Genmutationen zu einer ungebremsten Kalzium-Aufnahme in Körperzellen führen. Und das ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Krebs. Ihre Studie ist im Fachmagazin Science Signaling erschienen.

Schon bisher wusste man, dass bei Krebs-Patienten mit unterschiedlichen Tumorarten häufig Mutationen an einem Gen mit dem Namen Orai 1 auftreten - es ist zuständig für den Transport von Kalzium in die Zellen.

Die Linzer Forscher sahen sich gemeinsam mit Kollegen um Rainer Schindl vom Institut für Biophysik der MedUni Graz in einer Datenbank für Erbgut-Veränderungen von Krebspatienten die Genanalysen von 11.000 Patienten an: Dabei stießen sie auf mehrere verschiedene Mutationen dieses Gens. "Bisher wusste man nicht genau, welche Auswirkungen diese Mutationen haben."

Wie eine Pforte

Gesunde Zellen haben einen Feedback-Mechanismus und schalten die Kalzium-Zufuhr ab, sobald genug Kalzium in den Zellen vorhanden ist. "Bei ihnen wirkt dieses Orai 1 wie eine Pforte: Ist zu wenig Kalzium vorhanden, öffnet sich der Kanal, ist es zuviel, schließt er und beendet die Kalzium-Zufuhr damit", sagt Frischauf.

Die Forscher aus Linz und Graz waren jetzt die ersten, die Kulturen von Zellen mit diesen mutierten Genen anlegten und genau untersuchten, wie sich diese Gen-Veränderungen auf den Kalziumtransport auswirkten.

Die Bremse fehlt

Fazit: Die meisten Mutationen öffneten - über verschiedene Mechanismen - den Kanal für den Kalziumtransport in die Zellen dauerhaft. "Auch wenn schon genug Kalzium in den Zellen vorhanden ist, wird weiterhin Kalzium aufgenommen.Es fehlt die Bremse und das Schließen der Pforte."

Kalzium fördert aber das Zellwachstum und die Zellvermehrung - von gutartigen wie auch von bösartigen Zellen. "Was wir aber nicht wissen: Haben diese Mutationen bei gesunden Menschen die Entstehung von Krebs begünstigt? Oder sind diese Mutationen erst in Folge der Krebserkrankung entstanden?"

Für Patienten, denen Kalzium-Präparate vom Arzt verordnet werden, haben diese Untersuchungen vorerst keine Auswirkungen: "Wir wissen noch viel zu wenig über die Zusammenhänge, und die Patienten, die Kalziumpräparate nehmen, haben ja einen Kalzium-Mangel."

Frühere Studien zeigten, dass eine isolierte Kalziumaufnahme die Entstehung von Arteriosklerose fördern kann. Kalzium sollte nie isoliert, sondern in Kombination mit Vitamin D eingenommen werden.