Beliebte Methode: Frauen greifen gern zur Pille, weil ihre Anwendung einfach und sicher ist.

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Innovation auf dem Pillen-Markt
05/10/2012

Innovation auf dem Pillen-Markt

Ein Körper-identes Östrogen soll für weniger Neben­wirkungen sorgen. Eine "Bio-Pille" ist das Präparat aber nicht.

von Ingrid Teufl

Sie ist das mit Abstand bekannteste und am häufigsten angewendete Verhütungsmittel – und das seit 50 Jahren. "Fast täglich werden wir Gynäkologen mit neuen Pillen-Präparaten konfrontiert", sagt der Mediziner Christian Matthai. "Allerdings ist meist nur der Name neu. Innovationen in der Wirkweise sind nicht darunter."

Seit Jahresbeginn ist nun eine neue Kombinationspille auf dem Markt, die Experten wie Michael Elnekheli, Präsident des Berufsverbands der Gynäkologen, als "Bereicherung der breiten Palette an kontrazeptiven Methoden" sehen. Das Besondere: Es ist die erste monophasische (durchgehend gleiche Hormondosis) Kombinationspille (enthält die Hormone Östrogen und Gestagen) mit einer Östrogenkomponente, die ident mit dem natürlichen, im Körper der Frau gebildeten, sogenannten 17-Beta-Estradiol (E 2) ist. "Das heißt, der Körper kennt diesen Stoff bereits – auch wenn er synthetisch hergestellt ist", betont die Kremser Gynäkologin Doris Linsberger. "Die molekulare Struktur ist ident mit der des körpereigenen Östrogens. Von mehr Natürlichkeit zu sprechen, ist legitim."

Erfahrungen

"Der Wunsch nach natürlichen Hormonen, die möglichst wenig in ihren Körper eingreifen, ist bei Frauen jeden Alters erkennbar", erläutert Christian Matthai. "Zudem nutzen Frauen die Pille nicht nur zur Empfängnisverhütung, sondern etwa auch gegen starke Regelschmerzen oder Hautprobleme " (siehe Grafik). Linsberger: "Studien und der bisherige Praxiseinsatz zeigten weniger Nebenwirkungen – ein vielfach geäußerter Wunsch der Patientinnen." Das natürliche E 2 wird zwar höher dosiert, verbleibt aber kürzer im Körper. "Dadurch beeinflusst es Stoffwechsel und Leber weniger." Positive Effekte scheint es auch bei Frauen mit starker Blutungsneigung zu geben. Matthai sieht als Zielgruppe "Frauen, die bereits mehrere hormonelle Verhütungsmittel probiert haben und aufgrund der Nebenwirkungen nicht damit zufrieden sind".

Auch für die Gynäkologin Claudia Linemayer-Wagner, Präsidentin der Gesellschaft für Familienplanung, überwiegen derzeit die Vorteile. "Ich verschreibe diese Pille seit Februar und habe bisher keine negativen Rückmeldungen. Das ist nicht immer so bei Neuverschreibungen." Ob es die neue Pille tatsächlich "bringt", werde aber erst die Zukunft zeigen. "Wir brauchen noch viele Jahre mit weiteren Studien."

Was Gynäkologen von diesen Ansichten haltenTrotz häufiger Anwendung halten sich einige Mythen über die Pille hartnäckig. Das Institut für Sexualpädagogik und der Gynäkologe Michael Elnekheli haben die häufigsten zusammengefasst.

Mythos 1 "Die Pille führt zu starker Gewichtszunahme." Eine Studie zeigte 2009, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen hormonellen und nicht-hormonellen Verhütungsmitteln gibt. In beiden Gruppen nahmen die Frauen in drei Jahren nur ca. zwei Kilo zu.

Mythos 2 "Die Pille verursacht Brustkrebs." In einer Fallkontrollstudie konnte bei Anwenderinnen hormoneller Verhütungsmittel kein erhöhtes Risiko gegenüber Nicht-Anwenderinnen festgestellt werden.

Mythos 3 "Hormonelle Verhütungsmittel führen zu Unfruchtbarkeit." Studien bestätigen das Gegenteil. Möglicher Grund, warum ein Kinderwunsch nach Absetzen der Pille nicht klappt: Die Fertilität nimmt ab dem Alter von 30 Jahren generell ab. Just auf jene Jahre konzentriert sich heute aber häufig die Familienplanung.

Mythos 4 "Frauen sollten Pausen bei der Pilleneinnahme machen, damit sich der Körper erholen kann." Das ist heute wegen der geringen Hormondosis nicht mehr nötig. Eine Studie zeigte, dass die Nebenwirkungen während einer Pause sogar zunehmen.

Mythos 5 "Die Wirkung der Pille hält auch nach Absetzen noch Wochen oder Monate an." Das ist völlig falsch. Theoretisch kann man schon im ersten Monat nach Absetzen schwanger werden. Der Zyklus normalisiert sich meist während der ersten drei Monate nach dem Absetzen.

Mythos 6 " Hormonelle Verhütung stört den normalen Zyklus des weiblichen Körpers." Die Pille ist eine Möglichkeit, Hormone und Zyklus zu stabilisieren.

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