Wissen und Gesundheit
30.05.2017

In Städten könnte es noch heißer werden

Schlimmstes Szenario.Starke Erwärmung wird befürchtet. Mairekord wurde mit 35 Grad in Horn erreicht.

Dienstag war der bisher heißeste Tag des Jahres – und mit 35,0 Grad in Horn (NÖ) wurde der bisherige österreichweite Mairekord mit 34,9 Grad in Weyer (OÖ) und Graz (Stmk.) um 0,1 Grad übertroffen. Ungewöhnlich früh und extrem kam in diesem Mai die erste Hitze: "Bereits am 19. Mai wurden zum ersten Mal in diesem Jahr Temperaturen über 30 Grad gemessen", heißt es bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Die heißesten Städte in den Bundesländern

In den Bundesländern wurden hier die höchsten Temperaturen gemessen: 33,4 Grad, Wien Innere Stadt; 31,8 Grad; Leoben in der Steiermark; 31,6 Grad, Mattersburg im Burgenland; 31,4 Grad, Ferlach in Kärnten; 31,3 Grad, Enns in Oberösterreich; 31,1 Grad, Lienz in Osttirol: 30,7 Grad, Salzburg Stadt; 30,2 Grad, Bludenz in Vorarlberg.

Mai-Hitze kam heuer früher als sonst

Derart heiße Perioden waren heuer um zehn bis zwanzig Tage früher als in einem durchschnittlichen Mai. Und Höchstwerte über 33 Grad sind im Mai sehr selten (Gewitter setzen der ganz großen Hitze vorläufig ein Ende). Zwar war es insgesamt kein Rekord-Mai, aber "der Mai 2017 liegt um 1,2 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel und somit immerhin auf Rang 25 in der Reihe der wärmsten Maimonate seit 1767", so Alexander Orlik von der ZAMG.

In Großstädten Anstieg um bis zu 8 Grad Celsius

In manchen Großstädten könnten die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts um acht Grad Celsius steigen, so das Ergebnis einer Studie in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Climate Change. Das sei das schlimmste Szenario für die größten Ballungszentren. Dies werde zu einem drastischen Rückgang der Produktivität führen.

Die Temperaturen in den urbanen Zentren verändern sich stärker als auf dem Land. Im Schnitt ist die Zunahme der Hitzebelastung durch die Erderwärmung in den Städten doppelt so groß wie außerhalb. Hendrik Wouters von der Universität Gent (Belgien) sagt für den Zeitraum 2041 bis 2075 sogar eine Vervielfachung des städtischen Hitzestresses voraus.

Mehr Rettungseinsätze

Die Gründe für diese Entwicklung liegen unter anderem an der Versiegelung der Grünflächen durch Straßen, an der Verwendung von Beton als Baumaterial und an der mangelnden Begrünung ungenutzter Freiflächen. Dies wird als städtischer Hitze-Insel-Effekt bezeichnet.

Rekordjahr 2015

In Wien gab es vor zwei Jahren 42 Tage mit mehr als 30 Grad Celsius, an 17 Tagen waren es sogar mehr als 35 Grad. 2015 wurde damit der bisherige Rekord um mehr als das Dreifache übertroffen. Und auch in 23 Nächten sank die Temperatur nicht unter 20 Grad, doppelt so viel wie beim bisherigen Rekord. Die Wiener Rettung verzeichnet bei Hitzewellen rund 20 Prozent mehr Einsätze.

Tagung

In Wien wurde erst kürzlich bei einer Tagung diskutiert, welche Maßnahmen gegen die starke Erwärmung in den Städten helfen könnten. "Nutzt man zum Beispiel in Wien alle für die Dachbegrünung geeignete Flächen und deckt alle restlichen Dächer mit einem Material, das 70 Prozent der Sonnenstrahlung reflektiert, geht die Zahl der Tage mit mehr als 30 Grad in der Innenstadt um bis zu 29 Prozent zurück", sagte bei der Tagung die Stadtklimaforscherin Maja Zuvela-Aloise.