Hunde mit Unsitten: Der KURIER-Tiercoach gibt Lesern Rat

Hunde mit Unsitten: Der KURIER-Tiercoach gibt Lesern Rat
Katharina Reitl beantwortet Leserfragen: Es braucht viel Geduld und Konsequenz, die Psyche eines Hundes zu therapieren.

Ein Hund von der Züchterin, ein Hund aus dem Tierschutzhaus – warum die Psyche eines Vierbeiners leidet, lässt sich nicht immer ergründen. Hilfe kann es trotzdem geben. KURIER-Tiercoach Katharina Reitl, Zoodoc in der Ordination Tiergarten Schönbrunn, gibt Lesern Rat:

Meine Tochter hat einen Border Collie, 6 J., von einer Züchterin. Eine super Hündin, doch manchmal schnappt sie unmotiviert nach den Füßen vorbeigehender Leute. Warum?

Aufgrund Ihrer Schilderungen denke ich, dass es sich bei Ihrer Hündin um eine „Übersprunghandlung“ handeln könnte. Sie „hütet“ die Schuhe und baut damit Stress ab. Da sich die Schuhe aber nicht hüten lassen und einfach weitergehen, zwickt sie zu. Vielleicht sind die Situationen, in denen sie dieses Verhalten zeigt, doch ähnlich – z.B. wenn positive oder negative Aufregung im Spiel ist. Ich denke, bei Ihrer Hündin lassen sich diese Attacken deutlich reduzieren, wenn Sie die Situationen entspannen bzw. Ihrer Hündin eine andere Verhaltenskette anbieten. So können Sie z.B. das Stoppkommando eintrainieren und dann Futterbrocken in die von den Schuhen entgegengesetzte Richtung werfen. Wichtig dabei ist das „Stopp“ einzulernen, um das Hetzen zu unterbrechen. Und Geduld.

Ich habe mir einen misshandelten Hund, 4 J., genommen. Sie ist sehr brav, aber wehe, wenn es an der Türe läutet. Mit Artgenossen verträgt sie sich gar nicht. Was soll ich tun?

Manche Schäden an der Psyche eines Hundes können nur sehr schwer, mit viel Geduld, Liebe und Konsequenz therapiert, manchmal nur gelindert werden. Leider kann ich Ihnen nur allgemeine Tipps geben: Wichtig ist zuallererst, in der Wohnung an der Bindung zum Hund zu arbeiten und Grundkommandos einzuführen. Ziel ist es zum Beispiel, dass der Hund zu Ihnen kommt oder von selbst auf seinen Platz geht und dort wartet. Egal, was er tut, er soll nur nicht an der Türe bellen. Das Training erfolgt in kleinen Teilschritten, um den Vierbeiner nicht zu überfordern. Sobald Ihr Hund ohne Ablenkung die Konzentration bei Ihnen halten kann, können Sie die Begegnung mit Artgenossen bewusst fördern – zu Beginn aus großer Entfernung und mit nur langsamer Annäherung über Tage bis Wochen. Hundetrainer können in Fällen wie Ihrem individuelle Tipps geben und die Methode und Trainingsziele an Ihren Hund und Sie anpassen.

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