Politik
13.12.2011

Tiercoach: Goldige Räuber

Der älteste Zierfisch der Welt ist weiterhin äußerst beliebt. Wer Goldfische artgerecht hält, beobachtet sie im tiefen Gartenteich.

Der Goldfisch in der Glaskugel ist Geschichte: Nicht dass der große Zierfisch alleine einsam wäre, doch die Lebensbedingungen in dem winzigen Aquarium ohne Artgenossen, die Sicherheit geben, und ohne Versteckmöglichkeit widersprechen einer artgerechten Haltung.
"Goldfische sind am besten im Gartenteich aufgehoben", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Auch Anton Weissenbacher, Zoologischer Leiter für Fische, Reptilien, Amphibien, Insekten und Spinnentiere im Tiergarten Schönbrunn, sieht Goldfische lieber im Gartenteich denn im Aquarium. Möglich ist beides.

Rund 4,6 Millionen Fische schwimmen in Österreich in 40.000 Zierteichen und 120.000 Glasbehältern. Die robusten Goldfische zählen zu den beliebtesten Arten. "Sie sind ästhetisch. Durch das Füttern werden sie zudem sehr zutraulich. Das hat auch seinen Reiz für Kinder", sagt der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Die Entscheidung für das Haustier Goldfisch muss gründlich überlegt sein.

Goldfische gibt es in zahllosen Varianten: mit kleinen oder großen Flossen, Schleierschwänzen, Löwenköpfen, Glubschaugen, in verschiedenen Farben, gefleckt: "Die Heimtiere hierzulande sind gelborange, haben kurze Flossen und sind gute Schwimmer", sagt Weissenbacher. Ihre Vorfahren stammen aus einem gemäßigten Klima mit wärmeren und kühleren Perioden. Auch Goldfischen tut der Temperaturwechsel gut. Gesunde Tiere können bis zu zwanzig Jahre alt werden.

"Ein Gartenteich für Goldfische sollte mindestens einen Meter bis 1,20 m tief sein. Bei dieser Dimension kann genügend Sauerstoffaustausch statt finden; auch im Winter - wenn ein Teil der Oberfläche eisfrei bleibt", erklärt der Experte. In der Tiefe können die Goldfische bei 4 C auch überwintern (Eisfreihalter gibt es im Zoofachhandel). Das Anlegen des Teichs im (Halb-)Schatten sorgt im Sommer dafür, dass sich das Wasser nicht auf mehr als 30 C aufheizt.

"Wer einen Fischteich will, soll nicht an Mindestmaßen schrammen. Je größer das Ökosystem, desto weniger anfällig ist es", sagt Weissenbacher. Lokale Teichbesitzer und Teichbauer kennen die Bedingungen vor Ort am besten. Allgemein gilt: Ein bis zwei Goldfische brauchen einen Quadratmeter Wasseroberfläche. Bei der Anschaffung der Filtertechnik sollte nicht gespart werden. Ist der Teich einmal bewohnt, dürfen nur noch kleine Eingriffe vorgenommen werden. Riesige Putzaktionen etwa irritieren das natürliche Gleichgewicht.

"Vier bis sechs Exemplare im Teich sind empfehlenswert. Goldfische sind keine ausgesprochenen Schwarmfische und aufgrund ihrer Färbung sieht man auch die wenigen Tiere gut", erklärt der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Bei Nachwuchs wird es eng im Wasser. "Mit 200 Jungtieren ist der Teich hoffnungslos überbesetzt. Spätestens im
Winter tritt dann wegen Sauerstoffmangels das große Sterben ein", warnt Weissenbacher. Ein Aussetzen der Winzlinge komme gar nicht infrage: Goldfische können Keime und Krankheiten verschleppen, außerdem heimische Arten fressen und verdrängen.

Goldfische sind Räuber, sie ernähren sich von Gelsenlarven, Molchen und Fröschen, sie kauen sich durch den Schlamm, fressen abgestorbene Pflanzenreste und Mikroorganismen. "Man soll auf keinen Fall zu viel zufüttern - maximal so viel, wie die Fische in einer Minute verputzen", rät Weissenbacher. Ein Fasttag pro Woche schadet nicht. Eines gibt der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team noch zu bedenken: "Wer sich für Goldfische entscheidet, entscheidet sich gegen die spannenden heimischen Amphibien im Teich."

Anlage Ein neuer Gartenteich sollte großzügig dimensioniert werden. Minimum ein Meter Tiefe und Platzierung im (Halb-)Schatten sorgen ganzjährig für fischgerechte Wassertemperaturen. Teichpflanzen sollten eine abwechslungsreiche Unterwasserlandschaft formen. Fische brauchen kleine Höhlen oder Steinhaufen zum Verstecken. Lebenswichtig ist für sie ausreichende Sauerstoffzufuhr. Die Zirkulation von frischem Wasser im Teich muss also gewährleistet sein. Härtegrad und PH-Wert sollen konstant bleiben. Pumpen und Filteranlagen halten das Ökosystem Teich im Gleichgewicht.

Tiere Acht bis zwölf Wochen nach der Fertigstellung des Teiches können Fische ausgesetzt werden. Bis dahin hat sich das Wasser stabilisiert, die Teichpflanzen haben sich akklimatisiert. Fischarten müssen aufeinander abgestimmt sein, auch die Anzahl der einzelnen Exemplare muss in einem gesunden Verhältnis zum Gesamtvolumen des Teichs stehen. Vorsicht mit Goldfischen: Sie fressen kleine Tiere.

... der Goldfisch ein Süßwasserfisch aus der Familie der Karpfenfische ist? Er entstand vor etwa 1000 Jahren in China durch züchterische Selektion. Der Goldfisch ist damit das älteste bekannte Haustier, das ohne direkten wirtschaftlichen Nutzen gehalten wird.

... Zierfische vom Giebel abstammen, der über den eurasischen Kontinent verbreitet ist? Daher lautet die wissenschaftliche Bezeichnung für Goldfisch Carassius gibelio forma auratus .

... das knöcherne Skelett der Goldfische - je nach Zuchtform - eine Gesamtlänge von bis zu 35 cm erreicht? Aquarien-Bewohner bleiben ein Drittel kleiner.

... Goldfische zuerst in den Teichen der Tempel und Paläste Chinas schwammen? Ab dem 12. Jahrhundert wurden sie auch in kleinen Gefäßen gehalten. Nach Europa kamen sie vermutlich im 18. Jahrhundert.

... einige Varietäten, vor allem jene mit selektierten Anomalien an Schädel und Augen, in Europa als Qualzuchten eingestuft sind? Diese Extremzüchtungen schränken die Lebensäußerungen der Tiere massiv ein.

... Goldfische anatomische Eigenheiten haben? Da sie im Kiefer keine Zähne haben, wird die mit weit aufgerissenem Maul aufgenommene Nahrung zwischen Schlundzähnen im Rachen und einer gegenüber liegenden Kauplatte zerkleinert. Da sie keinen Magen haben, findet die Verdauung ausschließlich im Darm statt. Ihre Augen verfügen über einen zusätzlichen UV-Zapfen. Beim Hören leitet eine Schwimmblase die Schallwellen ins Innenohr weiter.

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