Wissen und Gesundheit
30.11.2017

Studie: Hunde sind wohl klüger als Katzen

Forscher haben die Gehirne von acht verschiedenen Fleischfressern untersucht. Ein Ergebnis erstaunt besonders.

Katzenbesitzer müssen jetzt stark sein: Auf die alte Streitfrage, ob Hunde oder Katzen die klügeren Tiere sind, haben Wissenschaftler jetzt eine Antwort gefunden: Hunde haben mehr als doppelt so viele Neuronen in den Hirnzellen der Großhirnrinde wie Katzen. Zu dem Ergebnis kommen Neurobiologen, die die Gehirne von verschiedenen Fleischfressern untersucht haben.

Studienleiterin Suzana Herculano-Houzel von der Vanderbilt University (USA), die sich selbst als einen "100prozentigen Hundemenschen" bezeichnet, erklärt, was sie mit der Studie erreichen wollten: "Wir wollten verschiedene Fleischfresser untersuchen und der Frage nachgehen, wie die Zahl der Neuronen mit der Größe des Gehirns zusammenhängt."

Löwe und Waschbär

Ein internationales Forscherteam hat deshalb Säugetiere auf der ganzen Welt untersucht. Neben Hunden und Katzen schauten sich die Wissenschaftler auch die Gehirne von Frettchen, Hyäne, Löwe, Waschbär, Braunbär und Manguste an - einem kleinen Raubtiere, das in Indien zu Hause ist.

"Ich denke, dass die absolute Zahl der Neuronen – vor allem im Cortex – bestimmt, wie reich der mentale Zustand eines Tieres ist und wie gut es auf Basis vergangener Erfahrungen vorhersagen kann, was in seiner Umwelt passieren wird", erläutert die Studienleiterin. Und da hat der Hund im Vergleich zur Katze die sprichwörtliche Nase vorn: 530 Millionen Neuronen zählten die Neurobiologen im Hundehirn, während es bei den Katzen "nur" 250 Millionen sind. Zum Vergleich: Im menschlichen frontalen Cortex befinden sich 16 Milliarden Neuronen.

Graue Zellen

Die "grauen Zellen" sind dafür zuständig, dass die Säugetiere denken und planen können, und dass sie Ursache und Wirkung erfassen können - alles Eigenschaften, die man allgemein mit Intelligenz verbindet.

Für Hundefreundin Herculano-Houzel ist somit klar: "Hunde sind rein biologisch mehr dazu in der Lage, komplexere Aufgaben zu lösen als Katzen".

Größer heißt nicht mehr

Die Wissenschaftler kamen bei den Blicken ins Gehirn der Fleischfresser noch zu einigen anderen, zum Teil überraschenden Erkenntnissen: So nimmt zwar die Zahl der Neuronen proportional zu Größe des Gehirns zu, weshalb der Hund mehr graue Masse hat als die Katze. Doch diese Gleichung gilt nur bis zu einer gewissen Grenze - danach flacht die Kurve ab. So kommt es, dass das Gehirn des Braunbären zwar zehnmal größer ist als das einer Katze, die Zahl ihrer Neuronen ist aber ident.

Für dieses Phänomen haben die Forscher auch eine Erklärung: Weil Neuronen ein wahrer Energiefresser sind. Große Tiere müssten dann so viel Nahrung aufnehmen, dass mehr als ein Bärenhunger notwendig wäre, um das Gehirn mit ausreichend Nahrung zu versorgen. In der Evolution sind deshalb große Säuger einen Kompromiss eingegangen: Das Hirn wächst, aber nicht die Zahl der Neuronen.

Auch das hat die Katze das Nachsehen

Und noch einen überraschenden Ausreißer gibt es: Das Gehirn des Waschbären ist nur so groß wie das einer Katze und verfügt dennoch über doppelt so viele Neuronen.

Was die Forscher ebenso überrascht hat: Fleischfresser haben nicht mehr Hirnzellen als Pflanzenfresser. Bisher gingen Forscher davon aus, dass Fleischfresser intelligenter sind, weil das Jagen als anspruchsvolle intellektuelle Leistung gilt.