Wissen und Gesundheit
19.01.2018

Neue Impfung gegen Gräserpollen

Der Wirkstoff reduzierte in Studie Beschwerden um 25 Prozent und soll 2021 am Markt sein, sagt der Wiener Forscher Rudolf Valenta.

"Dieses Produkt wird die Behandlung von Gräserpollen-Allergien revolutionieren. Wir haben etwas geschaffen, das niemand sonst auf der Welt hat." So euphorisch kommentiert Univ.-Prof. Rudolf Valenta, Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien, den erfolgreichen Verlauf einer Studie mit einem neuen Impfstoff gegen die Gräserpollen-Allergie. Der Wiener Forscher ist zuversichtlich, dass das Produkt mit dem Namen "BM32" bereits 2021 zur Therapie zugelassen wird.

Die aktuelleStudie, im renommierten Magazin Journal of Allergy and Clinical Immunology" erschienen, ist ein "ganz wesentlicher Meilen- oder Puzzlestein" auf dem Weg zur Marktreife, betont Valenta. "Wir konnten das erste Mal zeigen, dass der Impfstoff auch in einer Feldstudie wirkt." Das heißt, die Wirkung bei den Studienteilnehmern(180 in elf europäischen Zentren) wurde nicht unter den kontrollierten Bedingungen eines Pollenlabors gemessen, sondern im normalen Alltag in zwei Allergiesaisonen. "Die Teilnehmer erlebten wirklich eine Reduktion ihrer Beschwerden um mindestens 25 Prozent."

Je nach Schweregrad

Die Erstautorin der Studie, Verena Niederberger-Leppin von der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der MedUni Wien, ergänzt: "Je stärker der Allergiker oder die Allergikerin von den Gräserpollen betroffen war, umso stärker war auch der positive Effekt nach der Impfung."

Symptomreduktion

Wenn man bedenkt, dass die Symptome – Niesen, Atembeschwerden bis zu extremer Müdigkeit – viele Allergiker in Alltag und Beruf stark beeinträchtigen, kann das bereits eine enorme Erleichterung sein. Zumal die bisherigen Daten zeigen, dass viel weniger Injektionen als bei der bisher üblichen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) nötig sind. "Fünf Injektionen in monatlichen Abständen vor der Saison und eine Auffrischung vor der zweiten reichen", betont Valenta.

Viel weniger Injektionen nötig

"Bei der bisherigen Therapie sind 25 bis 30 Injektionen pro Jahr oder die tägliche Einnahme einer Gräsertablette notwendig." Diese Therapien müssen jahrelang durchgehalten werden, viele Patienten brechen sie auch wieder ab. Aus Sicherheitsgründen wird bei den bisherigen Produkten mit einer niedrigen Dosis begonnen. Der Körper soll mit einer steigenden Dosis an das Allergen gewöhnt werden, damit es vom Immunsystem nicht mehr bekämpft wird und schützende Antikörper aufbaut. "Die Dosis wird auch deshalb gesteigert, damit man sich vorsichtig jener annähert, die der Körper verträgt", erklärt Valenta. Es könne auch zu Schockreaktionen kommen.

Gewöhnungsprinzip

Auch BM32 funktioniert nach dem Gewöhnungsprinzip – allerdings werden statt den "echten" Eiweißbestandteilen lediglich wichtige Bausteine des Gräserpollens synthetisch hergestellt und können aufgrund der Sicherheit des neuen Impfstoffs gleich in voller Dosis verabreicht werden (siehe Grafik). Und, für Valenta besonders wichtig: Durch die langjährige Forschung (seit 2001) konnte der Wirkstoff so konzipiert werden, "dass er die Allergie- und Immunmechanismen des Körpers maximal bedient. Anhand von Prototypen haben wir gesehen, wie er sich verhält und konnten die Dosis laufend optimieren." Daher könne nun eine gleichbleibende Dosis sicher verabreicht werden. Es gibt bereits Hinweise, dass das Wirkprinzip auch gegen Ragweed- und Katzen- und Hausstauballergie eingesetzt werden kann. Mittlerweile arbeitet Valenta mit seinem Team bereits an der nächsten Studie (Phase 3), an der 600 Patienten teilnehmen werden. Sie läuft ein Jahr lang und soll 2020 fertig sein.