Hirntumor durch Mobilfunk?

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Foto: KURIER/Jeff Mangione Erkrankung durch Technik: Der ehemalige Manager Marcolini telefonierte bis zu sechs Stunden am Tag.

Nach einem italienischen Urteil ist auch in Österreich die Diskussion um Handy-Strahlung neu entfacht.

Ein Urteil am italienischen Arbeitsgericht schlägt auch hierzulande Wellen: Bei dem Italiener Innocente Marcolini wurde nach jahrelangem exzessiven Telefonieren mit dem Handy ein gutartiger Hirntumor festgestellt. Als Manager hing er täglich bis zu sechs Stunden am Mobiltelefon. Trotz einer operativen Entfernung des Tumors ist er heute zu 80 Prozent behindert, seine linke Gesichtshälfte ist schwer betroffen, er muss ständig Schmerzmittel nehmen, erzählte er am Donnerstag in Wien. Das Gericht hat in letzter Instanz eine berufsbedingte Erkrankung anerkannt und ihm eine Invaliditätspension zugesprochen.

Der österreichische Umweltdachverband nimmt das zum Anlass, die Politik zum Handeln aufzufordern. „Bei uns gibt es für jeden Kühlschrank umfangreiche Informationen und Warnhinweise, aber für das Handy ist nichts vorgesehen“, kritisiert der Präsident des Umweltdachverbands, Gerhard Heilingbrunner. Es gehe ihm nicht um ein Verbot des Telefonierens mit dem Handy, sondern um bessere Aufklärung über mögliche Gefahren und Warnhinweise. In dieselbe Kerbe schlägt auch Piero Lercher von der Wiener Ärztekammer: „Es geht nicht um eine Verbannung des Handys, sondern um einen sorgsamen Umgang.“

Als besonderen Kritikpunkt hebt Eva Marsálek von der Plattform Mobilfunk-Initiativen die fehlenden Grenzwerte für elektromagnetische Felder hervor: „Die Dosis macht das Gift.“ Der sogenannte SAR-Wert gibt an, wie viel Strahlung der Kopf über das Handy abbekommt. Ein Hinweis auf der Verpackung könne Konsumenten besser aufklären.

Keine Ängste schüren

Gegen die Vorwürfe, die österreichische Politik würde die Gefahren ignorieren und bagatellisieren, wehrt sich das Forum Mobilkommunikation (FMK) – eine Vereinigung der Mobilfunkbetreiber. Zur Urteilsfindung wurden Studien von Prof. Lennart Hardell (Schweden, Anm.) herangezogen, dessen Arbeiten höchst umstritten sind, heißt es in einer Aussendung.

„Wären die Ergebnisse seiner Studien nur annähernd im Bereich des Wahrscheinlichen, müsste man heute in der Bevölkerung um eine zumindest 30 Prozent höhere Kopftumor-Inzidenzrate finden als vor 20 Jahren.“ Laut Statistik Austria war diese Zahl zuletzt leicht rückläufig. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe Mobilfunk zwar in der Kategorie 2B (möglicherweise krebserregend) klassifiziert, in diese fallen aber auch Kaffee, eingelegtes Gemüse und Kokosnussöl.

Auch den Empfehlungen, sich vor Handystrahlung zu schützen, kann das FMK nichts abgewinnen: Die Tipps seien bar jeden technischen Verständnisses. Der Gesprächsaufbau mit UMTS-Technik würde mit der geringsten Sendeleistung starten. Diese sei so niedrig, dass man damit kaum eine Taschenlampe betreiben könne. Daher könne man ein Handy auch unbedenklich in der Hosentasche tragen.

Univ.-Prof. Michael Kundi von der MedUni Wien entgegnet: „Den gesicherten kausalen Zusammenhang gibt es nicht. Es gibt lange Latenzzeiten von der ersten Zelle, die einen Defekt abbekommt, bis zur Diagnose.“ Die Frage sei, ab wann die Politik handeln will. „Wenn wir sichere Beweise haben, ist es für viele vielleicht zu spät.“ In Italien wird nach dem Präzedenzfall mit einer Reihe von Folgeklagen gerechnet.

Tipps für die Handynutzung

Empfehlungen, wie die Strahlung minimiert wird Die Plattform Mobilfunk-Initiativen hat eine Reihe von Empfehlungen zusammengefasst, die einen möglichst strahlungsarmen Alltag ermöglichen sollen.

SAR-Wert - Auf der Webseite www.bfs.de sind die Werte der Strahlung von Handys auf den Kopf aufgelistet. Je niedriger sie sind, desto besser.

Abstand - Lieber SMS schreiben statt telefonieren. Wenn doch, dann besser mit Kabel-Headset oder über Lautsprecher. Vor allem beim Wählen das Handy möglichst vom Körper weghalten, bis der Teilnehmer sich meldet. Das Gerät möglichst nicht direkt am Körper tragen.

Kinder - Menschen im Wachstum sollten ihre Handy-Nutzung auf SMS beschränken, nur im Notfall telefonieren.

Dauer - Für längere Telefonate lieber das Festnetz verwenden – allerdings kein Schnurlostelefon.

Empfang - Je schlechter der Empfang, also je weniger Striche auf dem Display angezeigt werden, desto höher ist die Strahlungsbelastung.

Bewegung - Im Auto, Bus oder Zug muss das Handy ständig neu Verbindung aufbauen. Damit erhöht sich die Strahlungsbelastung – auch für Mitreisende.

Internet - Statt WLAN oder WiFi besser eine Kabelverbindung verwenden.

Ausschalten - Kabellose Verbindungen und Schnurlostelefone nachts ausschalten.

(KURIER) Erstellt am
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