Wutpostings sind emotionale Ausnahmezustände für das Herz.

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Herzinfarkt
09/14/2016

Warum Hasspostings krank machen

Wer wütende Kommentare und Schimpfwörter postet, hat ein höheres Risiko für Herzinfarkte.

von Ingrid Teufl

Wer andere anschreit und niedermacht – der kränkt nicht nur sein Gegenüber, sondern kann damit auch die eigene Gesundheit beeinträchtigen. Das ist bekannt. Jetzt zeigt sich: Das gilt auch für das Verhalten in den sozialen Medien. Hassposter schaden auch sich selbst. Forscher der Universität Pennsylvania untersuchten, ob sich die Verwendung negativer Formulierungen und Hasspostings auf dem Kurznachrichtendienst Twitter auf die Herzgesundheit auswirken. Das Ergebnis: Wer häufig flucht und Hasspostings verfasst, hat ein deutlich höheres Risiko für Herzinfarkt.

Zusammenhang enger als gedacht

Der Zusammenhang soll sogar enger sein als zwischen Herzerkrankungen und Rauchen oder Übergewicht. Für die Studie hatten die Forscher Twitter-Nachrichten aus 1300 US-Bezirken auf ihren Inhalt überprüft und mit Gesundheitsdaten aus denselben Regionen verglichen. Dabei stellten sie fest, dass Menschen, die häufig Worte wie "wunderbar", "Freund" oder "schön" verwendeten, eine geringere Sterberate bei Herzinfarkten aufwiesen. Wer hingegen viele Schimpfwörter verwendet, erhöht sein Risiko. Versicherungsunternehmen denken schon darüber nach, derartige Verbindungen für ihre Risikoeinschätzungen heranzuziehen, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Aber nicht nur der Versicherung wegen sollte man cholerische Ausraster im Netz vermeiden. Denn Ärger und Wut können das Herz krank machen.

Herz in Aufruhr

"Ein emotionaler Ausnahmezustand setzt das Herz-Kreislaufsystem in Aufruhr, weil enorm viele Stresshormone ausgeschüttet werden", erklärt Prim. Franz Xaver Roithinger, Präsident der Gesellschaft für Kardiologie.

Diese treiben unter anderem den Blutdruck nach oben, ebenso schlägt das Herz schneller. Ähnliche Effekte durch übersteigerte Wut und Hass beim Posten seien durchaus plausibel. "Man steigert sich viel leichter in etwas hinein, wenn man kein reales Gegenüber hat." Die Ausschüttung von Stresshormonen ist übrigens morgens am höchsten. "In dieser Zeit steigt die Anfälligkeit und es treten auch die meisten Infarkte auf."

Bei Wutausbrüchen in der realen Welt ist das kardiovaskuläre Risiko offenbar in den ersten zwei Stunden nach dem Ausraster am größten. Zu diesem Schluss kam eine US-Studie schon 2014. Bei wütenden Menschen war das Risiko für einen Herzinfarkt fünf Mal höher als bei ausgeglichenen Vergleichspersonen. Auch das Schlaganfallsrisiko erhöhte sich um das Drei- bis Vierfache.

Schlechte Laune und Zynismus

Die körperlichen Auswirkungen von schlechter Laune und Zynismus sind ebenfalls früh bemerkbar. Menschen mit dieser Grundhaltung hatten in einer Untersuchung eine signifikant dickere Halsschlagader als gelasseneren Menschen. Verdickte Gefäßwände können ebenso ein Risiko für Schlaganfälle und Herzgefäßerkrankungen sein. Um überbordender Gefühle Herr zu werden, empfehlen Experten übrigens Entspannungsübungen – oder Gespräche. Damit lassen sich krankmachende, negative Gefühsäußerungen in sozialen Medien am besten vermeiden.