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05/13/2012

Gute Gedanken schaffen Vertrauen

Bei Krebs leidet auch die Seele und braucht Hilfe. Denn eine stabile Gefühlsebene hilft beim Bewältigen der Krankheit.

von Ingrid Teufl

Bange Momente, Vertröstungen, unbeantwortete Fragen – und stundenlanges Warten auf Befunde und Arzt: Was Miriam Strauss, selbst Psychiaterin, als Krebs-Patientin erlebte, wünscht man niemandem. "Ich fühlte mich so alleine wie selten zuvor in meinem Leben. Es scheint eine Frage des Glücks zu sein, wo und bei welchem Arzt man landet."

Eine Krebserkrankung stellt das bisherige Leben auf den Kopf. Dass neben der Bekämpfung des Tumors auch die Psyche der Patienten Betreuung braucht, ist mittlerweile unbestritten. Deshalb ist die Psychoonkologie heute fixer Bestandteil der Krebstherapie. "Sie ist eine wesentliche Säule und gerade für onkologische Stationen unabdingbar. Denn es geht dabei nicht um rein medizinische Belange", sagte Univ.-Prof. Hellmut Samonigg, Leiter der Onkologischen Abteilung an der MedUni Graz, bei einem Hintergrundgespräch der Biotech-Firma Amgen.

Diese Gefühlsebene müssen Psychoonkologen erst einmal ausloten. Im Schnitt brauchen 75 Prozent aller Krebspatienten eine psycho-soziale Basisversorgung. "Rund 35 Prozent benötigen jedoch im Lauf einer Krebserkrankung auch spezielle psychoonkologische Betreuung", weiß Samonigg. Hier spielt die Krebsart eine Rolle, zeigen Studien. "Der Bedarf ist bei Lungen-, Hirn-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber- und Kopf-Tumoren größer."

Phasen

"In jeder Krankheitsphase ist unterschiedliche Hilfe gefragt", sagt Miriam Strauss. Sie ist Präsidentin der Brustkrebs-Selbsthilfeorganisation "Europa Donna Österreich". Manchmal helfen bereits "Menschen, die einfach nur da sind", manchmal ist es ein gutes Gespräch mit den Ärzten. Samonigg ergänzt: "Krebs betrifft niemals nur den Patienten alleine. Es ist eine Erkrankung, die das gesamte soziale Umfeld einbezieht."

Die Psychoonkologie hat ihre Grenzen. "Es wäre nicht sinnvoll, jedem Krebspatienten einen Psychologen zur Seite zu stellen." Allerdings: "Eine menschliche Grundhaltung als Basisausstattung der Kommunikation mit dem Patienten ist von jedem onkologisch arbeitenden Arzt einzufordern." Wiewohl es auch Verständnis für seinen Berufsstand braucht. "Es ist eine große Herausforderung, jahrelang mit Menschen mit existenzbedrohenden Krankheiten zu arbeiten."

Samonigg sieht Psychoonkologie als Instrument für mehr Vertrauen. Studien zeigen: Kranke, die mit ihren psychosozialen Nöten allein gelassen werden, suchen öfter Hilfe in notfallmedizinischen Einrichtungen. Sie verlangen häufiger Tests und Untersuchungen, etwa Tumor-Marker im Blut. "Im Grunde sind das Hilferufe. Wir haben gute Erfolge, auch diesen Menschen Vertrauen zu vermitteln."

Zusammenarbeit: Über Fachgrenzen

Definition Psychoonkologie ist eine interdisziplinäre Form der Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Psychologen, Pflegedienst, Physiotherapeuten und Sozialarbeitern. Die aktive Mitarbeit des Patienten am Prozess der medizinischen Behandlung ist Voraussetzung.

Inhalte Psychoonkologisch tätige Personen versuchen, psychosoziale Faktoren wie zum Beispiel Angst, Depression oder Kontrollverlust im Krankheitsverlauf zu erkennen. Eine weitere Aufgabe ist, das Arzt-Patienten-Verhältnis so zu gestalten, dass sich die Patienten unterstützt und verstanden fühlen.

"Psyche hat eigene Dynamik"

Hoffnung geben, ohne falsche Hoffnung zu machen." So fasst der klinische Psychologe Georg Fraberger seine psychoonkologische Arbeit an der Uni-Klinik für Orthopädie in Wien zusammen. Es gehe darum, die Patienten dort abzuholen, wo sie gerade stehen. "Denn die Krankheitsverarbeitung bestimmt die Art der Intervention." Die aktive Mitarbeit der Patienten ist für Fraberger eine Grundvoraussetzung. Die Verbindung der Erkrankung mit Leid, Angst, Schmerzen und Tod kann die Motivation sehr verringern. "Wir versuchen, zu vermitteln, dass sich die Mitarbeit lohnt. Denn auch die Psyche hat ihre eigene Dynamik. Ein kognitives Verarbeiten der Krankheit ist aber nur möglich, wenn die Gefühlsebene stabil ist."

Vielen Betroffenen ist jedoch anfangs die psychische Begleitung suspekt. "Man muss klar machen: Der Tumor ist das Problem, nicht die Psyche." Dass in der Krankheitsbewältigung auch die emotionale Ebene berücksichtigt wird, heiße nicht, ein Fall für Psychiater oder Psychotherapie zu sein. "Die üblichen Phasen einer Krankheitsbewältigung bleiben dem Patienten auch durch die Psychoonkologie nicht erspart. Aber wir können vorhandene Ressourcen stärken. Und dem Patienten wird die Hoffnung auf ein lebenswertes Dasein nicht genommen."

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