Zwischen Konflikt und Einklang mit Bakterien
Vor ca. 2 Milliarden Jahren gab es auf unserer Erde den brutalsten und wahrscheinlich auch den größten biologischen Weltkrieg. Die damaligen Beherrscher der Erde – numerisch sind sie es ja noch immer –, die sogenannten „Prokaryoten“, zu denen die Bakterien zählen, stürzten sich auf ein neues Geschöpf der Evolution. Auf die mehrzelligen Lebewesen, die „Eukaryoten“, unsere Vorfahren. Jede virale oder bakterielle Erkrankung, die wir heute durchmachen, ist noch eine Reminiszenz, ein Relikt dieser Auseinandersetzung. Um unsere ersten Vorfahren davor zu schützen, musste sich die Natur etwas einfallen lassen. Sie erfand zunächst die Zweigeschlechtlichkeit, die eine rasche Genveränderung und damit auch die Bildung immer neuer Abwehrmechanismen möglich machte.
Darüber hinaus wählte sie jene Taktik, die später auch die alten Römer anwenden sollten. „Divide et impera“. Teile und herrsche. Manche Bakterien wurden als Freunde gewonnen und begannen, gegen böse Krankheitserreger zu kämpfen. Damit war das Mikrobiom entstanden, das wir vom Darm kennen, in den ja auch immer wieder Fremdbakterien mit der Nahrung gelangen. Genauso besitzt unsere Haut einen großen Bakterienrasen, von Hautregion zu Hautregion unterschiedlich, um uns vor bösen Angreifern in Schutz nehmen zu können.
Diese guten Schutzbakterien zu erhalten und zu pflegen, ist für unsere Gesundheit wichtig. Deshalb raten Dermatologen, übermäßiges Waschen oder aggressive Produkte zu meiden, da sie die natürliche Bakterienvielfalt vermindern. Milde, pH-hautneutrale Reinigungsprodukte sind zu empfehlen, ebenso Cremes mit Ceramiden, Squalan oder pflanzlichen Ölen. Das Mikrobiom der Haut ist derzeit ein großes Forschungsthema, das eine neue Diskussion eröffnete. Ob die Genitalrasur nicht auch Nachteile haben könnte, da der Haarboden ein gutes Beet für Schutzbakterien sein kann.
Unsere Hautbakterien verteilen wir auch in unserer Wohnung. Auf Türschnallen, am Fußboden und an Toilettenartikeln. Wenn wir unsere Wohnung verlassen, steht diese nicht leer. Unsere Hautbakterien an den Wänden und auch an den Möbeln warten, bis wir wiederkommen. Die Bakterien der Haut erfüllen aber noch eine andere Funktion. Kleine Fettsäuren, die durch Hormoneinwirkungen von den Talgdrüsen freigesetzt werden, können von den Hautbakterien weiter prozessiert und in Pheromone umgewandelt werden. Möglicherweise sind diese für die Attraktivität der Geschlechter, die über diese „Riechstoffe“ kommunizieren, mitverantwortlich.
Ob sie durch die Pilleneinnahme gestört werden, ist ebenfalls Thema endokrinologischer Forschung. Viel deutet darauf hin, dass sich dermatologische Probleme ungünstig auf den Darm auswirken. Ebenfalls ein wichtiger Sitz des Mikrobioms. Bakterien des Darms und der Haut wirken gemeinsam über den Nervus vagus sogar auf das Gehirn ein. Ein weiterer Grund, die „braven“ Bakterien in Darm und Haut gut zu betreuen.
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