Experte über Darmkrebs-Vorsorge: "Goldstandard ist wirklich die Darmspiegelung"
Ein neuer Stuhltest soll in Wien mehr Menschen zur Darmkrebs-Vorsorge bewegen. In der ZiB2 war dazu Dominik Wolf, Direktor der Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie an der Medizinischen Universität Innsbruck und Präsident der Krebshilfe Tirol, zu Gast.
Einladung zur Vorsorge
Der einmalige Stuhltest sei vor allem ein Türöffner, sagte Wolf. Ziel sei es, die Bereitschaft zur Vorsorge insgesamt zu erhöhen. Darmkrebs zähle zu den häufigsten Krebserkrankungen und trage wesentlich zur Krebssterblichkeit bei, werde aber oft zu spät erkannt. Wolf sprach von einem „wichtigen Pilotprojekt“ und hoffte auf „ein österreichweites Screeningprogramm“.
Bedenken wegen Fehldiagnosen hält er für nachrangig. "Es ist klar gezeigt in großen Studien, dass ein Screeningprogramm die Sterblichkeit senken kann an Dickdarmkrebs", sagte Wolf. Das Risiko, Krebs zu übersehen oder zu spät zu entdecken, wiege deutlich schwerer.
Junge betroffen, Vorsorge niedrig
Ab 45 Jahren ist in Österreich alle zehn Jahre eine Vorsorge-Koloskopie möglich. Tatsächlich nehmen sie laut Wolf nur 16 bis 18 Prozent dieser Altersgruppe wahr. Gerade bei Jüngeren steige die Zahl der Erkrankungen. In der Praxis sehe man viele Patientinnen und Patienten zwischen 45 und 55 Jahren mit spät diagnostiziertem Darmkrebs.
Sein Appell: "Nehmen Sie entweder die Dickdarmspiegelung direkt wahr oder machen Sie anstelle der Koloskopie einen Fittest." Ursachen für den Anstieg bei Jüngeren seien nicht eindeutig geklärt, dürften aber mit Lebensstil, Ernährung, Bewegung und rotem Fleisch zusammenhängen.
Angst vor Untersuchung
Viele Menschen scheuten die Darmspiegelung aus Angst vor dem Eingriff oder dem Ergebnis. Wolf versuchte zu beruhigen: Moderne Verfahren mit Kurznarkose seien gut verträglich. Entscheidend sei der Zeitpunkt der Diagnose. "Aber letztendlich Goldstandard ist wirklich die Darmspiegelung", betonte er.
International liege Österreich bei der Vorsorge nur im Mittelfeld. Insgesamt nähmen weniger als 30 Prozent der Berechtigten eine Vorsorge-Koloskopie wahr. Das sei „klar verbesserungswürdig“, sagte Wolf.
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