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Fußball-WM: Warum Kinder mitschauen dürfen sollten

Schon für die Kleinsten sind die Spiele und das Rundherum ein Erlebnis. Ganz nebenbei lernen sie soziale Kompetenzen, sagt Expertin Christa Schirl.
Eine Familie schaut Fußball im Fernsehen und jubelt.

Die Fußball-WM läuft und weltweit fiebern nicht nur Erwachsene, sondern auch Millionen Kinder und Jugendliche mit. Das gemeinsame Fußballschauen und der Austausch darüber ist ein Erlebnis, bei dem auch die Jüngsten gerne dabei sind. „Kinder erfahren, dass sie Teil von etwas Großem sind – Familie, Gemeinschaft, Land. Das ist emotional wertvoll. Sie lernen gemeinsam zu hoffen, zu jubeln, aber auch gemeinsam enttäuscht zu sein. Das sind Grundbausteine sozialer Kompetenz“, sagt die Klinische Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl.

Gefühle zeigen lernen

Auch die Emotionen der Profis beim Match sind lehrreich: Weltklassespieler, die nach einem Sieg überschwänglich jubeln oder weinen, zeigen: Gefühle sind kein Zeichen von Schwäche. Selbst die Besten können manchmal verlieren. Wenn allerdings Aggressionen eskalieren oder Schiedsrichter beschimpft werden, sollten Eltern das Gespräch über Fairness und den Umgang mit Frustration suchen.

Auch Kinder, die selbst Fußball spielen oder einen anderen Mannschaftssport betreiben, kennen derartige Gefühle. Sportplätze seien Orte, an denen Kinder mit echten Konsequenzen konfrontiert werden, meint Schirl. „Wenn man ein Tor schießt, jubelt das Team. Wenn man einen Elfmeter verschießt, schaut man in enttäuschte Gesichter und muss trotzdem weiterspielen. Das klingt hart, aber genau das trainiert emotionale Regulationsfähigkeit“, so Schirl. 

Motiviert zum Fußballspielen

Bei einigen weckt die Fußball-WM überhaupt erst den Wunsch, selbst am Platz zu stehen und in einem Verein aktiv zu werden. Schirl sieht Vorteile für die Entwicklung: „Fußball ist ein komplexer Sport. Kinder müssen gleichzeitig den Ball kontrollieren, Mitspieler lesen, die Schritte der Gegner vorausdenken und in Sekundenbruchteilen entscheiden. Das ist kognitives Training par excellence.“

Zudem wird im Mannschaftssport Teamgeist gefördert. Kinder lernen zusammen auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten, sich auf andere zu verlassen und verlässlich zu sein sowie ihre eigene Rolle im Team zu finden und zu akzeptieren. Auch soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme und Empathie, der Umgang mit Erfolg und Misserfolg, Selbstvertrauen sowie Disziplin und Durchhaltevermögen werden gestärkt.

Druck von Eltern

Problematisch ist laut Schirl allerdings, wenn ehrgeizige Eltern oder Trainerinnen und Trainer Druck ausüben. „Wenn ein Achtjähriger nach dem Spiel nicht mehr zum Auto seines Vaters geht, weil er die Analyse fürchtet, dann ist das kein Sport mehr, das ist Stress. Ich sehe in der Praxis regelmäßig Kinder, die eigentlich Fußball lieben, aber das Spielen verlernt haben, weil der Druck von außen das innere Erleben überlagert“, erzählt Schirl.

Ihr Rat: Die wichtigste Frage nach dem Spiel ist nicht „Warum habt ihr verloren?“, sondern „Wie war es für dich?“ Das zeigt dem Kind, dass die Erfahrung wichtiger ist als das Ergebnis selbst.

Niederlagen seien überdies entwicklungspsychologisch wertvoll. „Ein Kind, das nie verliert, hat keine Chance zu lernen, wie man damit umgeht. Wer das erst als Erwachsener lernen muss, im Job, in der Beziehung, hat es deutlich schwerer“, sagt Schirl.

Die Psychologin spricht sich dafür aus, dass Kinder für die WM-Übertragungen auch länger aufbleiben dürfen, zumindest für jene Spiele, die nicht mitten in der Nacht starten. Ein bisschen länger aufbleiben, weil das eigene Team im Viertelfinale steht? Schirl: „Das wird kein Kind nachhaltig schädigen. Das Erlebnis bleibt aber vielleicht ein Leben lang in Erinnerung.“

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