Ein kleiner Piks kann schon mal gro├če Tr├Ąnen ausl├Âsen.

┬ę Dmitry Naumov/IStockphoto.com

Wissen Gesundheit
12/03/2021

Wissenschaftlich erforscht: Wie man Kinder beim Impf-Stich am besten beruhigt

Glaubt man neuesten Forschungen, ist die nonverbale Kommunikation wichtiger als beschwichtigende Worte.

Kinderimpfungen sind medizinische Routine. Eine Immunisierung gegen Rotavirus-Erkrankungen (l├Âsen Brechdurchfall aus) wird etwa vom Nationalen Impfgremium (NIG) schon ab der vollendeten sechsten Lebenswoche empfohlen.

Inzwischen wird vonseiten der Europ├Ąischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem NIG auch dazu geraten, Kinder ab f├╝nf Jahren gegen SARS-CoV-2 immunisieren zu lassen. Weil die Pandemie mit vielen Unsicherheiten einhergeht, mutiert der Corona-Impfstich derzeit f├╝r etliche Eltern zum emotionalen Erlebnis. Kinder orientieren sich meist an der Gef├╝hlswelt von Mama und Papa ÔÇô Stressgef├╝hle k├Ânnen sich also auf den Nachwuchs ├╝bertragen.

Die Frage, wie man sein Kind am besten durch eine Impfung begleitet, besch├Ąftigt besonders viele Eltern. Praktisch, dass Forschende sich k├╝rzlich genau diesem Thema gewidmet haben.

Effektive Stressreduktion

Kanadische Psychologinnen und Psychologen haben analysiert, welche konkreten elterlichen Verhaltensweisen unmittelbar nach dem Stich Stress bei Kindern am effektivsten verringern. Die Erkenntnisse wurden unl├Ąngst im Fachblatt Pain ver├Âffentlicht.

An der Studie nahmen 760 Vorschulkinder (zwischen vier und f├╝nf Jahre alt) aus dem Gro├čraum Toronto teil. Laut den Forschenden handelt es sich um die weltweit gr├Â├čte Studie, in der der Effekt der Begleitung von Kindern w├Ąhrend einer Standardimpfung beobachtet und untersucht wurde.

Die Erkenntnisse sind durchaus interessant. Es zeigte sich etwa, dass verbale Beruhigungsversuche (z. B. "Du schaffst das schon" oder "Es wird gleich besser") in der ersten Minute nach der Impfung bei den Kindern tats├Ąchlich mehr Stress ausl├Âsten. Auch der Versuch, die Kinder abzulenken, indem man ├╝ber etwas Anderes mit ihnen sprach, war in der ersten Minute nach der Spritze mit h├Âherem Leidensdruck verbunden.

In Minute zwei nach der Spritze standen die unterst├╝tzenden Aussagen allerdings mit geringerem Leidensdruck in Verbindung. In diesem Zeitraum waren insbesondere abwertende Kommentare (z. B. "Sei kein Baby") mit mehr Stressgef├╝hlen verbunden.

Ruhe ausstrahlen

Was also sollten Eltern tun, um den kindlichen Stress im Zusammenhang mit einer Impfung zu verringern? In einem Artikel f├╝r Psychology Today r├Ąt Psychologin Cara Goodwin, das Kind bereits vor der Impfung so gut es geht zu beruhigen. Daf├╝r eignen sich Entspannungstechniken, die gemeinsam angewandt werden k├Ânnen, zum Beispiel Atem├╝bungen oder Fantasiereisen.

Unmittelbar nach der Spritze (weniger als eine Minute nach der Injektion) hilft man dem Kind am besten, wenn man selbst ruhig bleibt und k├Ârperliche Zuwendung in Form von Umarmen, Kuscheln oder H├Ąndchenhalten zeigt. In dieser Phase sollte man das Kind eher nicht gezielt ablenken.

Die US-amerikanische Seuchenschutzbeh├Ârde (CDC) empfiehlt, S├Ąuglinge und Kleinkinder, denen Impfungen meist in den Oberschenkel verabreicht werden, auf dem Scho├č zu positionieren, den Arm des Kindes unter die eigene Achselh├Âhle zu legen und mit dem Oberarm sanften Druck auszu├╝ben, um das Kind sicher zu umarmen. Die Unterarme und H├Ąnde des Kindes sollten sanft, aber keinesfalls grob gehalten werden. Die F├╝├če des Kindes verankert man unterdessen fest zwischen den Oberschenkeln. ├ältere Kinder, die eine Spritze in den Arm bekommen, setzt man laut CDC ebenfalls am besten auf den Scho├č, umarmt sie und verankert beide Beine des Kindes zwischen den eigenen Oberschenkeln.

Sobald sich das Kind wieder entspannt (mehr als eine Minute nach der Spritze), eignen sich aufmunternde Botschaften als Bew├Ąltigungshilfe. Eine ├Ąngstliche Reaktion des Kindes sollte jedenfalls nie kritisiert oder als unsinnig abgetan werden.

Schmerz-Biene

Auch der Markt hat Produkte parat, die Impfungen f├╝r Kinder ertr├Ąglicher machen sollen. Erst k├╝rzlich empfahl etwa eine Medizinerin auf Twitter "Buzzy". Dabei handelt es sich um eine kleine vibrierende Biene mit blauen Cool-Pack-Fl├╝geln. Die Biene wird auf den Oberarm gelegt: Die Kombination aus K├Ąlte und Vibration hilft, den Injektionsschmerz zu d├Ąmpfen.

Warum ist das ├╝berhaupt wichtig? Forschungsergebnisse belegen, dass die Unterst├╝tzung von Kindern bei der Bew├Ąltigung von mit Spritzen verbundenen ├ängsten das Risiko f├╝r eine sp├Ątere Nadel- oder Arztphobie zuverl├Ąssig verringern kann.

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