Wissen | Gesundheit
17.06.2018

Wissen: Antworten auf die häufigsten Fragen zu Alzheimer

Sich mit Auslösern und Symptomen auszukennen, nimmt die Angst und erleichtert den Umgang mit der Krankheit.

Die Verunsicherung bei Demenzerkrankungen ist auch deshalb so hoch, weil viele Fragen im Raum stehen. Die häufigsten davon:

Was ist Demenz, was ist Alzheimer?

Demenz ist ein Überbegriff für Krankheiten, bei denen mentale Fähigkeiten verloren gehen. Alzheimer ist mit fast 70 Prozent der Fälle die häufigste Form und zeichnet sich durch Amyloid-Ablagerungen aus (ein Eiweiß). Die Veränderungen im Gehirn wären bereits 20 Jahre vor der Diagnose sichtbar. Weitere degenerative Formen sind die Lewy-Körper-Demenz (häufig; Wahnvorstellungen, Müdigkeit, aber unruhiger Schlaf), Frontotemporal-Demenz (selten; Verhaltensänderungen, Gedächtnisstörungen) sowie andere Subtypen.

Sekundäre Demenzen (unter zehn Prozent) sind nicht durch prozesshaftes Geschehen im Gehirn ausgelöst, sondern haben einen anderen Grund – z.B. Schilddrüsenunterfunktion bei Älteren, Alkoholmissbrauch oder Gehirnverletzungen.

Was sind Symptome?

Gedächtnisschwächen, Lese-, Schreib-, Sprechstörungen sowie Schwierigkeiten beim Verfolgen eines Gesprächs und beim logischen Denken, Rechnen, Planen. Der Zustand verschlechtert sich, der Patient kann irgendwann nicht mehr für sich sorgen.

Ist Alzheimer heilbar?

Derzeit kann der Verlauf – bei rechtzeitiger Erkennung – nur verzögert, aber nicht gestoppt werden.

Was mache ich, wenn ein Angehöriger mit Symptomen nicht zum Arzt gehen will?

Oft hilft, wenn die Idee zur Untersuchung von Außenstehenden kommt (Hausarzt, Apotheker). Bezugspersonen können eine gemeinsame Untersuchung vorschlagen. Die niederschwelligste Untersuchung ist der Mini-Mental-Status-Test (MMST).

Gibt es Hoffnung auf wirksame neue Medikamente?

Trotz vieler Rückschläge bleiben Experten optimistisch, an der MedUni Wien/AKH läuft eine große Studie mit einem Antikörper gegen die Ablagerungen des Eiweißes Amyloid-beta.

Gibt es einen Test zur Früherkennung?

Nein. Japanische Forscher arbeiten an einem Test, der Amyloid-beta im Blut nachweisen kann, aber für die Routine ist er noch nicht etabliert.

Wie gefährlich ist die Genvariante ApoE4?

Menschen, die Träger der Gen-Variante für das Eiweiß Apolipoprotein E4 sind (ca. 15 % der Bevölkerung), haben erhöhtes Alzheimerrisiko. Es ist der wichtigste genetische Risikofaktor. Ein Test ist möglich, aber nicht empfohlen, weil er keine Diagnose liefert, sondern nur eine Aussage zum Risiko. Der Test ist privat zu bezahlen und sollte jedenfalls nur mit Beratung gemacht werden.

Beugt Gedächtnistraining der Demenz vor?

Eine echte Vorbeugung gibt es nicht, aber Studien deuten darauf hin, dass die Häufigkeit von Demenz bei Menschen mit geistiger Anstrengung niedriger ist. Insofern gelten Formen der Aktivierung – wie Schach, Mehrsprachigkeit oder das Spielen eines Musikinstruments – als Schutz, zumindest ist die Ausgangssituation besser.

Was steigert das Risiko, an Demenz zu erkranken?

Als die größten Demenz-Risikofaktoren gelten: Diabetes, Bluthochdruck, starkes Übergewicht in der Lebensmitte, Bewegungsmangel, Depression, Rauchen sowie niedriges Bildungsniveau und geringe geistige Aktivität.

Können Kinder an Alzheimer erkranken?

Sehr selten – bei bestimmten, genetisch bedingten, sehr aggressiven Formen.