Kinder und Hunde können ein unschlagbares Team sein, allerdings müssen beide Seiten auf den anderen Rücksicht nehmen.

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Interview
01/10/2020

Wie Hund und Mensch miteinander glücklich werden

Der Verein dog:human:kid Workz will die Mensch-Tier-Beziehung verbessern. Im Gespräch erklärt Präsidentin Eva Berginc, wie das gelingt.

Hund und Mensch gehören seit Jahrtausenden zusammen. Dennoch kommt es aktuell zu immer mehr Problemen im Zusammenleben. Woran liegt das?

Eva Berginc: Auf immer engerem Raum leben immer mehr Menschen und Tiere zusammen. Es steigt zwar dadurch die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und sich sozial weiterzuentwickeln, aber leider auch das Konfliktpotenzial aufgrund mangelnder Rücksichtnahme und fehlendem Verantwortungsbewusstsein Einzelner.

Ist eine funktionierende Menschen-Hund-Paarung in unserer modernen, schnellen Zeit noch möglich?

Seit vielen Jahren sind Mensch und Hund untrennbar miteinander verbunden. Dies hat vor allem die sensationelle Anpassungsfähigkeit unserer Gefährten ermöglicht. Gerade in der modernen Schnelllebigkeit geben uns unsere Hunde das Gefühl im Hier und Jetzt zu leben und entschleunigen uns und unsere Umwelt in gewisser Weise.

Was muss der Mensch mitbringen, damit sich der Hund wohlfühlen kann?So wie jeder Mensch seine individuellen Bedürfnisse erfüllt wissen will, so individuell verlangen unsere Hunde nach Nähe, Geborgenheit, Beschäftigung und Ruhe. Lassen wir uns auf das Bündnis Mensch-Hund ein, braucht es vor allem das Verständnis für das Wesen Hund, Verantwortungsbewusstsein und den Willen für das uns anvertraute Lebewesen da zu sein.

Was kann man sich im Gegenzug vom Hund erwarten?

So wie ein menschlicher Partner uns nicht glücklich machen kann, wenn wir es in unserem Inneren nicht schon sind, so wenig dürfen wir das Glück in unseren Hunden suchen. Wer sich aber auf das Abenteuer Hund einlässt, der wird mit Sicherheit nicht enttäuscht werden und viele schöne gemeinsame Stunden verbringen und einen Partner fürs Leben gewinnen.

Wie sieht ein idealer Tagesablauf aus?

Vom Frühaufsteher bis zum Langschläfer, vom Vielfraß bis zum mäkeligen Esser, vom Balljunkie bis zum Couch-Potato, vom unbändigen Arbeitswillen bis zum gemütlichen Hans-Guck-in-die-Luft – abhängig von Rasse, Alter und individuellen Charaktereigenschaften findet sich all das in unseren vierbeinigen Familienmitgliedern wieder. Ermöglicht man seinem Hund Ruhe, wenn er sie braucht, Beschäftigung und die Möglichkeit, seine Umwelt wahrzunehmen, ausgewogene Fütterung und im Bedarfsfall medizinische Betreuung, ergibt sich der für das Mensch-Hund-Team ideale Tagesablauf von selbst.

Ihr Verein setzt sich für die Symbiose von Hund und Mensch ein. Wo genau setzten Sie an?

Der Verein dog:human:kid Workz stellt den gemeinschaftlichen Entwicklungs- und Kreativprozess im Zusammenleben und in der Zusammenarbeit mit unseren Tieren in den Vordergrund. Jeder kann und soll sich in seinem Tempo entwickeln und seinen Weg gehen. Der Verein unterstützt seine Mitglieder mit Werkzeugen und Projekten bei der Erreichung individuell gesetzter Ziele.

Der Verein bietet spezielle Kurse für Kinder und Hunde an. Warum?

Kinder bedeuten für uns Zukunft, sie sind die Erwachsenen von morgen. Die Projekte Minimis und Youngsters versuchen, die Fantasie der Kinder und Teenager anzuregen und ihnen neben vielen kleinen Abenteuern mit ihrem Hund auch den richtigen Umgang mit diesem beizubringen. Die meisten Beißunfälle passieren leider im häuslichen Umfeld, die Betroffenen sind zumeist Kinder. Die Projekte möchten auch hier ansetzen und Verständnis sowie Respekt vor dem Lebewesen Hund in unserer Jugend erwecken.

Wie laufen die Kurse ab?

Bei den Minimis arbeiten Eltern, Kinder und Hund eng zusammen. Es ist ein gemeinsamer Entwicklungsprozess, der sowohl die Eltern-Kind-Beziehung in den Fokus nimmt, als auch die Einbindung des Vierbeiners in den Familienverbund. Für ein sicheres und erfülltes Zusammenleben von Hund und Kind werden Regeln aufgestellt und Freiheiten ausgelebt. Die Youngsters agieren selbstständiger und das gemeinsame Erleben unter Gleichaltrigen und Gleichgesinnten rückt in den Vordergrund. Die Vermittlung von Verantwortungsbewusstsein für den Hund und die Rücksichtnahme auf andere in der Gruppe ermöglichen den jungen Menschen, sich sozial weiterzuentwickeln.

Was wäre Ihr Wunsch an Hundehalter und Nichthundehalter?

Je offener man für die Bedürfnisse, Ängste und Gefühle seines Gegenübers ist, desto eher finden wir durch Verantwortung für unser Tun, Respekt im Umgang mit anderen und Rücksichtnahme auf deren Blickwinkel wieder zurück zu einem harmonischen Miteinander.

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